Claussen-Simon-Wettbewerb für Schulen
Claussen-Simon-Wettbewerb für Schulen

 

Projekttagebuch des Gymnasiums Heidberg

"Forschen wird zum Alltagsgeschäft" Gymnasium Heidberg

Gewinner beim Claussen-Simon-Wettbewerb für Schulen 2013
Projektleiter: Wolfgang Fraedrich
 

 

Gymnasium Heidberg: Forschen wird zum ‚Alltagsgeschäft‘

Eine Jugend forscht-Schule investiert verstärkt in die naturwissenschaftliche Nachwuchsförderung

Forschendes Lernen soll zum ‚Alltagsgeschäft‘ werden

Das Gymnasium Heidberg ist 2013 zum dritten Mal nach 2010 und 2011 als eine der 80 Jugend forscht-Schulen im Bundesgebiet mit dem Jugend forscht-Schulpreis ausgezeichnet worden, als eine jener Schulen, die sich in im Bereich der Förderung des naturwissenschaftlichen Nachwuchses besonders engagieren. Auch wenn man dieses ‚Qualitätssiegel‘ mit 79 anderen Schulen teilt, diese 80 Schulen machen insgesamt nur rd. 0,17 % aller allgemeinbildenden Schulen in Deutschland aus. Mit  bundesweit ca. 11.500 Teilnehmern bei Jugend forscht sind jährlich nicht einmal 0,1 % aller deutschen Schüler in diese hochwertige Nachwuchsförderung im Bereich Naturwissenschaften eingebunden. Auftrag einer jeden Schule sollte sein, ihre Schülerinnen und Schüler im so genannten MINT-Bereich stärker als bisher zu fördern, weil naturwissenschaftlicher Nachwuchs in Deutschland fehlt (www.bmbf.de/de/mint-foerderung.php). Und genau an diesem Punkt setzt die ‚Philosophie‘ des Gymnasiums Heidberg seit Jahren an, was zu teilweise herausragenden Leistungen im Bereich des forschenden Lernens und wissenschaftlichen Forschens geführt hat. Doch wir wissen auch, dass wir bei allen diesen Anstrengungen bisher kaum mehr als so genannte „Insellösungen“ anbieten und unsere naturwissenschaftlich interessierte Schülerschaft nicht breit genug  erfassen wie es möglich sein müsste.

Bisher: Wettbewerbsangebote auf drei Stufen

Wir machen bisher Angebote auf drei verschiedenen Ebenen. Das Konzept an sich hat sich als durchaus praktikabel erwiesen, hat sich aber aufgrund verschiedener Ursachen in all den Jahren nicht grundlegend verbessern lassen. Folgende Schwächen sehen wir derzeit in unserer MINT-Nachwuchsförderung:
Wir sind zwar gut und erfolgreich in der Spitze, es fehlt aber ein quantitativ und qualitativ stärkerer Unter- und Mittelbau.
In den MINT-Fächern haben wir zu wenig pädagogische Möglichkeiten, das forschende Lernen im Bereich der Naturwissenschaften auch wirklich interessant zu gestalten, selbst Ansätze experimentellen Arbeitens im Regelunterricht bleiben im Schulalltag lediglich Ansätze, bewirken keine Nachhaltigkeit. Die nach wie vor überfrachteten Bildungspläne, nicht immer zeitgemäße didaktische Ansätze, das Streben nach Vergleichbarkeit der Klassen und Schulen miteinander und eine dadurch zu geringe (bildungspolitisch aber gewollte!) Individualisierung stehen dem im Weg.
Unser FUN-Unterricht (FUN steht für Fachübergreifender Unterricht Natur) steht nur im Eingangsschuljahr (Klasse 5) im Angebot, kann danach aber aufgrund bisher fehlender Ressourcen nicht fortgeführt werden.
Viele interessierte Schülerinnen und Schülerin allen Jahrgangsstufen erreichen wir im Regelunterricht  gar nicht, weil nach wie vor eine entsprechende ‚Sichtung‘ fehlt. Diese bedarf einer sehr viel differenzierteren individuellen Bewertung der Interessen und des Leistungspotenzials, als es einzelne Lehrkräfte im Schulalltag und jährlich drei- bis viermal zusammenkommende Klassenkonferenzen gemeinhin leisten können.
Ein kurzes Video mit einigen wenigen Impressionen zur bisherigen Arbeit gibt es unter www.vidup.de/v/GezlR/

Wir haben die Perspektive entwickelt, das FUN-Angebot zu erweitern, darin auch über Exkursionen (–> „außerschulische Lernorte“) und den Kontakt zur Wissenschaft (Besuch eines Forschungsinstituts oder/und Wissenschaftler zu Gast in der Schule) das breite Feld der Naturwissenschaften stärker zu öffnen. Das FUN-Angebot könnte auch durch Zusatzangebote im Ganztagsbetrieb unserer Schule sinnvoll ergänzt werden. Hierfür werden auch zusätzliche personelle  (und damit finanzielle) Ressourcen erforderlich sein. Wir sehen vor, aufgrund unseres  geowissenschaftlichen Profils nicht nur Inhalte der „klassischen“ MINT-Fächer in einem erweiterten FUN-Unterricht anzubieten, sondern auch geowissenschaftliche Inhalte, sehen aber in erster Linie in der Sekundarstufe I die Chance, die Vernetzung der MINT-Fächer transparent zu machen, also ...
... die Naturwissenschaften nicht nur fachspezifisch, sondern auch fächerverbindend zu vermitteln.
mit einem verstärkten FUN-Angebot das forschende Lernen also stärker als bisher auf die verschiedenen MINT-Fächer zu erweitern...damit haben wir auch deutlich bessere Möglichkeiten, mit unseren Schülerinnen und Schülern Angebote, die Wettbewerbewie NATEX oder die Mathematik-Olympiade bieten, wahrzunehmen.
deutlich mehr Schülerinnen und Schülern als bisher interessante Angebote im Bereich der Naturwissenschaften machen zu können, es soll nicht so sehr dem Zufall überlassen bleiben, wer sich bei Schüler experimentieren oder Jugend forscht engagiert.
Forschungsinteresse noch stärker aus dem Unterricht heraus zu entwickeln. Ein naturwissenschaftliches Projekt, das über max. 10 Schultage angeboten wird, ist schulorganisatorisch umsetzbar und soll dafür institutionalisiert werden (Jg. 7 oder Jg. 8). Die wertvollen Erfahrungen, die wir am Gymnasium Heidberg seit mehreren Jahren mit dem gesellschaftswissenschaftlich ausgerichteten ‚Globalisierungsprojekt‘ gemacht haben, bilden eine ausgezeichnete Basis für die Projektumsetzung.
uns als Fachlehrkräfte intensiver als bisherin dieser Richtung sowohl fachlich und auch fachmethodisch als auch pädagogisch-didaktisch speziell im Hinblick auf das forschende Lernen fortzubilden. Da dies nicht über das Standardangebot des Hamburger Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung geleistet werden kann, sondern über einen engen Kontakt mit Universitäten und wissenschaftlichen Instituten erfolgen muss, wären auch hierfür finanzielle Ressourcen erforderlich.
wettbewerbserfahrene Schülerinnen und Schüler verstärkt als betreuende Mentoren für den schuleigenen Nachwuchs im Rahmen des forschenden Lernens einzusetzen und diese dafür auch zu schulen bzw. auszubilden.
Interessant in diesem Zusammenhang …… sind die aktuell laufenden Diskussionen bei der Entwicklung eines Leitbildes für das Gymnasium Heidberg. Beim Analysieren des Istzustandes, dem Herausstellen von bereits Vorhandenem, und der Formulierung von Wünschenswertem an unserer Schule, sind wiederholt seitens der Schülerschaft und auch seitens der Eltern u. a. folgende drei Wünsche formuliert worden,
„Es sollen auch leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler gefördert (–> gefordert) werden!“
„Wir möchten, dass die Naturwissenschaften noch mehr gestärkt werden!“
„Wir hätten gern, dass FUN nicht nur in Klasse 5 angeboten wird, sondern von 5–10!“
Unsere Projektidee bezieht genau diese Aspekte mit ein. Die „Vision“ besteht darin, durch ein noch deutlich breiteres und fundierteres Angebot im Bereich der Naturwissenschaften junge Menschen in größerer Zahl an das forschende Lernen heranzuführen, um damit auch im Bereich des naturwissenschaftlichen Wettbewerbe eben nicht nur immer Spitze zu sein, sondern auch eine Basis und einen Mittelbau zu entwickeln und durch gezielte Maßnahmen zu fördern.

Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt
 
Unsere Projektidee ist so angelegt, dass die Arbeit zunächst über drei (dann auch mit Stiftungsgeldern geförderte) Jahre laufen soll. Eine regelmäßige (mindestens einmal jährliche Evaluierung) soll sicherstellen, dass die Projektarbeit ‚auf bestmöglichem Niveau‘ abläuft. Die in diesen drei Jahren gemachten Erfahrungen werden/sollen die Basis dafür sein, die Arbeit dann auch ‚in der Zeit danach‘ erfolgreich auf deutlich höherem Niveau fortsetzen zu können.
 
Welche Einsatzmöglichkeiten sehen wir für evtl. Stiftungsgelder? (Angaben ausgelegt auf drei Jahre)
Finanzielle Unterstützung von kleineren Forschungsfahrten für Schülerinnen und Schüler, um dadurch den Klassenfahrtenetat von 200 € (Jg.5/6), 250 € (Jg. 7–10) und 350 € (Jg. 11/12) gem. Richtlinien für Schulfahrten in Hamburg vom 6.10.2006 entsprechend entlasten zu können.
Finanzierung von Honoraren und Spesen für Wissenschaftler, die an die Schule zu Unterrichtsdiskussionen und (Abend-)Vorträgen eingeladen werden.
Finanzierung von Honorarkräften für ein gezieltes Forschungsangebotan Nachmittagen und die Betreuung bei Wettbewerbsprojekten. Angedacht ist hierauch an ältere Schüler, die eigene Wettbewerbserfahrungen mitbringen und die Kleingruppen leiten können.
Finanzielle Unterstützung von schuleigenen Fortbildungsmaßnahmen für MINT-Lehrkräfte, die in die Projektarbeit und den die Projektarbeit tragenden Unterricht eingebunden sind.
Zuschuss für den Umbau/die Umgestaltung eines Fachunterrichtsraums in der Weise, dass er sowohl für den modernen, auf Individualisierung ausgerichteten Regel(fach)unterricht als auch für Forschertage bzw. Forschernachmittage genutzt werden kann (eine Art ‚Seminarraum‘ mit flexibel aufstellbarem Mobiliar).
Anschaffung von Ausstattungsmitteln (z. B. spezielle Mess-/Analysegeräte) für einzelne Forschungsprojekte, die dann aber auch Verwendung im naturwissenschaftlichen Unterricht genutzt werden können [Beispiel: Ein höherwertiges und in verschiedenen Fachgebieten einsetzbares(Polarisations-)Mikroskop, über das digital fotografiert werden kann und das direkt mit einem PC/Monitor verbunden werden kann), Investition in eine umfassende Wetterstation, über die eingehende Wetterdaten erfasst, digital umgesetzt und per PC/Software ausgewertet werden können. Hier können Grundlagen für Inhalte mehrerer MINT-Fächer gelegt werden (z. B. Physik der Atmosphäre, Wetter und Klima im Bereich der Geowissenschaften).
Anschaffung von Alu-Kunststoff-Wechselrahmen im DINA0-Format, die – angebracht an den Wänden der Flure im naturwissenschaftlichen Fachraumtrakt – eine permanente „Öffentlichkeitsarbeit nach innen“ ermöglicht.
Unabhängig davon wird auch die Schule Eigenleistungen im möglichen Maße (wie bisher) einbringen.

Schlussbemerkung: Als Ideengeber für diese Projektidee bin ich dankbar für viele positive Rückmeldungen, vor allem aber auch für die zahlreiche Anregungen, die in diversen Gesprächen über den Projektvorschlag geäußert worden sind.

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Redakteur: Claussen-Simon-Stiftung

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Das Gymnasium Heidberg wird das 'forschende Lernen' noch weiter in den Schulalltag integrieren. Die geplanten Forschungsaktivitäten setzen auf allen Schulebenen an. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler werden mit Forschungsprojekten und Forschungsexkursionen gefördert und bei ihrer Arbeit in Schülerlabors begleitet. Schon im Frühjahr 2014 geht es los: Auf dem Schulhof des Gymnasiums Heidberg wird eine Wetterstation installiert, mit der die jungen Forscher die aktuellen Hamburger Wetterdaten analysieren können.Am 22. November 2013 nahm die Projektleitung gemeinsam mit den jungen Forschern die Auszeichnung glücklich entgegen.