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Ausstellung: JIGSAW PUZZLE

Galerie Carolyn Heinz, Klosterwall 13, 20095 Hamburg 7.8. 15:00 – 24.8. 18:00 Uhr

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(c) Suse Itzel: Autospielteppich Weg und Grün, 2012, Teppich, Karton, Holz, 175 x 100 cm

Arbeiten von Suse Itzel, Stipendiatin des von der Claussen-Simon-Stiftung geförderten Goldbekhofstipendiums, und Gesa Lange in der Galerie Carolyn Heinz

Ausstellungseröffnung am Samstag, 07. August von 15 - 21 Uhr. Die Künstlerinnen sind anwesend.

Gedanken bahnen sich ihren Weg, drehen sich im Kreis, verdichten sich, geraten an Grenzen, jagen auseinander, verflüchtigen sich.
Straßenteppiche für Kinder: klar strukturiert, mit Straßenverläufen, Zebrastreifen, Häusern und Grünflächen. Suse Itzel (*1984) zerlegt die Teppiche und setzt ihre Einzelteile in anderer Formation zusammen. Es entstehen neue, verwirrende Strukturen, deren Sinnhaftigkeit verloren gegangen ist: Straßenlabyrinthe ohne Ausgang, versperrte oder sich im Kreise drehende Wegführungen; quälend - vom rational-inhaltlichen Standpunkt aus betrachtet -, wunderschön als neues, ästhetisches Gefüge.
Auch bei ihrer Serie „Fliesen Ausgerissen“ arbeitet Itzel mit bestehenden Strukturen, um sie in einem Prozess von Auflösung und Zerstörung zu einem neuen System zusammenzuführen. Sie zerteilt die Drucke von fotografierten Böden in ihre einzelnen Fliesen. Von den Papierfliesen trägt sie partiell – mal mehr, mal weniger stark – die von der Druckertinte benetzte Oberfläche ab, bis die unteren rauen, weißen Papierschichten hervorkommen. Sie fügt den Fliesenboden als Bild neu zusammen. Spuren des Ursprungsbildes bleiben bestehen, schemenhaft, wie eine verblasste oder abgerissene Erinnerung.
Mit ihrer klaren Linienführung einerseits, den vielen losen Fadenenden und Unregelmäßigkeiten im scheinbar perfekten Rastersystem andererseits, bewegen sich die Stickzeichnungen von Gesa Lange (*1972) auf einem schmalen Grat zwischen geordneter Konstruktion und deren Scheitern. Mit einer genauen Vorstellung und um Perfektion bemüht, verletzt die Künstlerin bei jedem Stich mit der Nadel die grundierte Leinwand, auf der die Arbeiten entstehen. Doch die Hand führt ein Eigenleben, durch das leichte, irreversible Abweichungen von der geplanten Linienführung entstehen können, die den nächsten Stich wiederum mitbestimmen.
Bei Langes Graphitzeichnungen spürt man den Prozess von Konstruktion und Zerstörung, von Hervorbringung und Auslöschung geradezu physisch. In zahllosen Schichten trägt die Künstlerin Graphit auf die Leinwand auf, legt Bleistiftschraffur über Bleistiftschraffur, reibt, schmirgelt, kratzt oder wäscht das Entstandene wieder herunter, trägt erneut Material auf, um im nächsten Schritt wieder zu löschen. Wie Sedimente lagern sich die Schichten auf dem Bildgrund ab, bilden gefährdete, in stetem Wandel befindliche Strukturen, die Zeit und Raum zu konservieren scheinen.
Bereits drei raumbezogene Installationen haben die beiden Künstlerinnen gemeinsam entwickelt und umgesetzt. Die in der Ausstellung gezeigte Arbeit „fil á fil II“ entstand während eines Residenzstipendiums der beiden Künstlerinnen 2019 in Salzburg und geht von dem Grundriss des damaligen Ausstellungsraumes periscope:project:space aus. Zwischen Konkretisierung und Abstraktion untersuchen die Künstlerinnen den Dimensionsbegriff des Raumes. Vervielfältigt, gespiegelt und ineinander verschoben entstehen aus dem Grundriss Mustervariationen, welche die Merkmale des Raumes abstrahieren und transformieren.
 

JIGSAW PUZZLE
07. - 24 AUGUST 2021
Galerie Carolyn Heinz

Ausstellungsort: 
Klosterwall 13, 20095 Hamburg
Di - Fr 14 - 18 Uhr, Sa 12 - 16 Uhr

www.carolynheinz.de