Claussen-Simon-Wettbewerb für Hochschulen
Claussen-Simon-Wettbewerb für Hochschulen

 

Projekttagebuch der Uni Hamburg

Sonderpreis zum Jubiläum der Universität Hamburg 2019

"One Foot In The Past - One In The Future: Young Investigators and the Tradition of Middle Eastern Studies in Hamburg"

Gewinner beim Claussen-Simon-Wettbewerb für Hochschulen 2018
Projektleiterin: Prof. Dr. Serena Tolino

Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut

 

With this teaching project we aim at reconstructing the history of Middle Eastern Studies in Hamburg within two main theoretical frameworks: memory studies and post-colonial studies. While studying and thematising our own history, students will learn how to do research in different archives in Hamburg, Berlin and Rome. The project will include BA and MA students, and is strongly based on the principles of cooperative learning and peer to peer teaching.

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Redakteurin: Lovisa

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Das Wintersemester beginnt für uns mit Neuigkeiten und großen Plänen! Das Datum steht fest: Am 12. und 13. Dezember stellen wir aus! Die Ergebnisse unserer Recherchen werden wir in den nächsten Wochen zusammentragen und schließlich in einer Projekt-Ausstellung zeigen: „Stories from the Archive“ wird unsere Arbeit zum ersten Mal umfassend einem breiteren Publikum präsentieren – wir sind gespannt!Dieses Semester führen wir unsere Arbeit außerdem in zwei weiteren Seminaren weiter: Im Seminar „Postcolonial Theory“ von Jun.-Prof. Dr. Serena Tolino werden zentrale Denker*innen und Ansätze dieser Theorietradition erarbeitet. Ihr Studium ist nicht nur zentral für das Verständnis des modernen Vorderen Orients, es lassen sich auch zahlreiche Brücken in die Geschichte und Gegenwart von Hamburg schlagen, worauf dieses Semester ein besonderes Augenmerk liegen wird.Parallel dazu werden im Projektseminar von Laura Rowitz die Recherchen in Archiven und mit Zeitzeug*innen-Interviews fortgesetzt und vertieft. Und dann geht es bereits in Richtung Abschluss: Um das, was wir über Monate in Archiven und in Gesprächen über die Vergangenheit unseres Faches ermittelt haben auch anderen Interessierten zugänglich zu machen, haben wir uns professionelle Unterstützung vom Schreibzentrum geholt. Workshopartig werden die Teilnehmer*innen im Winter eine Einführung ins akademische Schreiben für ein etwas breiteres Publikum erhalten. Nicht zuletzt, damit sie ihre Ergebnisse auf unserem Projektblog online publizieren können!

Redakteurin: Lovisa

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Am Freitagmorgen ging es noch einmal in das Instituto per l’Oriente. Auf dem Weg gingen wir wieder durch den Park in dem wir uns prompt verliefen. Allerdings führte uns der Weg durch einen schönen (und kühlen!) Wald und nicht unglücklich über den Umweg kamen wir im Institut an. Dort durchsuchten wir weitere Akten, die uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden. In den Akten fanden wir mehre interessante Dokumente zu dem ersten Seminar im Rahmen des Euro-Arabischen Dialogs, das 1977 in Venedig stattfand und die didaktische Vermittlung der arabischen Sprache behandelte. Unter den Unterlagen waren beispielsweise Telegramme mit den Zusagen einiger Teilnehmer und eine Liste mit in Deutschland verwendeten Arabischlehrbüchern – für uns als Studierende interessant mit unseren eigenen zu vergleichen. Beim Katalogisieren der Akten waren die Archivare auf ein altes Sultansdekret gestoßen, das auch wir bewundern durften. Ganz nach Römerart genossen wir unsere Mittagspause bei Pizza vom Bäcker an der Ecke. Im Anschluss besuchten wir das Jugendstil-Viertel des Künstlers Gino Coppedè und spazierten – durch einen Crema di Caffè gestärkt – zum Mausoleum der Sant‘Agnese. Zufällig begann gerade als wir ankamen eine Führung durch die Katakomben und die Basilika, die definitiv das Highlight des Tages war. Danach konnten wir das wunderschöne Mosaik im Dach des angrenzenden Mausoleums der Santa Constanza bestaunen und im Schatten der Jasmin-Büsche den Tag und die gesamte Woche gemeinsam ausklingen lassen. Die Reise war sehr ereignisreich und hat sich wirklich gelohnt!

Redakteurin: Lovisa

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Am Donnerstag hatten wir unseren freien Tag und haben die Gelegenheit genutzt, den Vatikan zu besuchen. Trotz großem touristischen Ansturm schafften wir es auf den Petersplatz und anschließend den Petersdom. Der erste Eindruck war überwältigend und es war unmöglich alle Kunstwerke in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Ein Highlight war aber der Moment, in dem wir den Erklärungen des Audioguides zuhörten und auf einmal von irgendwoher ganz leise unter den Stimmen der anderen Besucher ein Kirchenchor erklang.Im Anschluss an den Petersdom besuchten wir ganz kurz die Engelsburg und gönnten uns einen Kaffee am Ufer des Tibers. Nach den Menschenmengen und der Flut an Prunk im Vatikan gingen wir am Nachmittag zum Rosengarten – der zu unserem Glück geöffnet war. Direkt daneben liegt der Gardino degli Aranci und wir genossen dort die abendliche Atmosphäre und den atemberaubenden Ausblick über Rom – eindeutig das Highlight des Tages! Und durch das Buco della Serratura sahen wir noch einmal den Petersdom von einer ganz anderen Perspektive.Vom Orangengarten ging es über den Tiber in das Viertel Trestevere – was genau das bedeutet: „den Tiber überqueren“. Dieses Viertel eignete sich wirklich gut, um abends noch ein wenig zu flanieren und den Tag ausklingen zu lassen. Auf dem Weg zurück zur Bahn kamen wir an der Bocca della Verita vorbei, die einer Legende zufolge jeder Person die Hand abbeißt, die lügt. Insgesamt war es somit ein ereignisreicher Tag.

Redakteurin: Jiear

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Wir standen wieder um acht auf und begaben uns nach dem Frühstück in Richtung Zentrum. Angekommen an der Piazza del Popolo („Platz des Volks“) machten wir uns in der sengenden Hitze auf die Suche nach dem Institut, jedoch nicht ohne vorher die Basilica di Santa Maria del Popolo zu betreten, eine wichtige Kirche aus der römischen Frührenaissance. Dr. Tolino führte uns auch zu den anderen beiden Kirchen, vor denen sich viele Touristen am Platz tummelten: Santa Maria di Miracoli („Marie der Wunder“) und Santa Maria in Montesanto. Schließlich gingen wir die lange Hauptstraße runter und fanden, versteckt in einem unscheinbaren Gebäude, das Istituto Affari Internazionali, kurz IAI. Wie wir am Montag im IPO erfahren hatten, gab es auch mit dem IAI eine Kooperation mit Hamburg. Sie umfasste zwei Forschungsprojekte über die Anrainerstaaten des Roten Meers und das Verhältnis der Türkei zur EG. Drinnen wurden wir freundlich begrüßt und zu den Büchern und Werken über die Politik am Roten Meer geleitet, die wir in einem kleinen bibliotheksartigen Raum untersuchten. Es befanden sich dort auch Studenten und jüngere Mitarbeiter, schließlich handelt es sich bei dem IAI um einen politischen Think Tank. Die Bücher und jeweiligen Abschnitte, die für unsere Arbeit in Rom von Wert sind, haben wir komplett kopiert und nahmen sie mit nach Hamburg, wo wir sie eine Woche später vorstellen sollten. Wir ließen nach getaner Arbeit (wir sind zweimal ins Institut) den Tag oben auf der Brüstung mit einer schönen Aussicht ausklingen. Hinten im Park nahmen wir auch an der kleinen Tour mit dem Minizug durch selbigen teil und genossen den ersten Wind des Tages. Die obligatorische Siesta – der Mittagsschlaf – fand diesmal im Park statt und darauf machten wir uns nach dem Abschluss unserer Recherchen über die Politik am Roten Meer und die Relevanz der Akteure für unser Projekt auf zur Birreria in einer Gasse in der Nähe, wo wir zum dritten Mal in Folge in den Genuss römischer Spezialitäten kamen.

Redakteurin: Selina

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Am Dienstag besuchen wir die Nationalbibliothek Roms. Ein Bibliothekar führt uns durch die ‚Biblioteca IsIAO‘ – Saal der Afrikanischen und Orientalischen Sammlungen, die erst vor kurzem geöffnet hat. Er erzählt von der Geschichte der Bestände und von seiner Arbeit:Das italienische Institut für Afrika und den Orient (IsIAO) wurde 1995 durch einen Zusammenschluss gegründet: Es vereint das von Giovanni Gentile und Giuseppe Tucci gegründete Italienische Institut für den Nahen und Fernen Osten (IsMEO) mit dem (ehemals kolonialen) Italienisch-Afrikanischen Institut (IIA).Bis zur Schließung aus wirtschaftlichen Gründen 2012 sorgte das IsIAO für den Erhalt des wichtigen und umfangreichen dokumentarischen Erbes der Afrika- und Orient-Studien. Seit kurzem sind die Materialien vom IsIAO nun wieder verfügbar. Die Bibliothek befindet sich im Prozess der Erfassung, Neuordnung und Archivierung der Materialen und arbeitet daran, die ‚Lücke‘ im Bestand aufzufüllen.Im Archiv befinden sich unter anderem noch zahlreiche nicht näher bestimmten Foto- und Videoaufnahmen aus der Kolonialzeit, sowie mehrere Manuskripte, die noch auf die Auswertung warten.Nach einer Mittagspause mit Pizza, Espressi und Crema di Cafè, geht es weiter zum Museo delle Civiltà, welches in seiner temporären Ausstellung ‚Aperti per Lavori‘ im Pigorini-Museum über 650 Objekte aus dem Museo d'arte orientale „Giuseppe Tucci“ zeigt. Dieses wurde 1957 gegründet und 2005 nach Giuseppe Tucci benannt, einem der berühmtesten Orientalisten des 20. Jahrhunderts. Das Museum wurde erst kürzlich von seinem früheren Standort in den Palazzo delle Scienze verlegt, und so haben wir auch hier Glück, überhaupt Zugang zu den Objekten zu haben. Wir erhalten eine Führung von Marco Lauri, Literatur- und Islamwissenschaftler, der neben den Objekten der „Islamischen Sammlung“ auch über die meisten anderen Epochen und Regionen des Museums fachkundig Auskunft gibt.

Redakteurin: Mattea

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Beim Packen wird noch schnell die Wettervorhersage für Rom gecheckt: Über 32°C soll es werden – und das jeden Tag! Dann geht es voller Freude zum Flughafen. Gemeinsam mit Serena Tolino und Laura Rowitz warten wir auf das Boarding. Drei Stunden später werden wir von warmer Luft und sonnigem Wetter begrüßt. In unserem kleinen B&B zeigt uns unsere Gastgeberin Catia alles. Abends geht es gemeinsam raus – in der Hoffnung irgendwo auf eine leckere Pizza zu stoßen. Die Mägen mit der italienischen Spezialität gefüllt, gehen wir zufrieden ins Bett, der Besuch im Archiv des Istituto per L’Oriente (IPO) steht bereits am nächsten Tag an. Am Montagmorgen treffen wir uns am reich gedeckten Frühstückstisch. Bei einem Cappuccino, den man hier übrigens nur bis 11 Uhr trinken darf, planen wir unseren ersten Tag. Er führt – mit einem Spaziergang durch die grünen Ecken Roms – zunächst ins IPO. Im obersten Stockwerk eines kleinen Gebäudes öffneten sich die Türen zum Archiv. Die Archivarin hat uns bereits Material rausgesucht, welches wir uns jetzt genauer ansehen. Nachdem wir relevante Informationen notiert und kopiert haben, schleichen wir durch die Räume des Instituts. Alte Karten an den Wänden und eine Schreibmaschine mit arabischen Tasten können dabei bestaunt werden.

Als hier und da die Geräusche der studentischen Mägen zu hören sind, brechen wir zum Mittagessen auf. Um die entsprechenden Materialien rauszusuchen, bitten die Archivare um ein paar Tage Zeit, sodass unser Besuch im Institut vorerst endet. In einem essen wir zufrieden verschieden Kleinigkeiten. Der erste Cappuccino, der nach 11 Uhr bestellt wurde, führte zu schockierten Blicken des Personals einerseits und zu großem Gelächter unsererseits.

Frisch gestärkt geht es dann ins Zentrum Roms, wo uns Serena das Colosseum zeigt und über die Geschichte der Gebäude berichtet. Ein Spaziergang führt uns über das Forum Romanum zum Viktor-Emanuel-Denkmal und endet in einem Lokal, wo wir den Abend bei Pasta ausklingen lassen

Redakteurin: Laura Rowitz

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Unsere bevorstehenden Archiv-Recherchen und Interviews haben wir in den letzten Wochen sorgfältig vorbereitet: Neben den Grundzügen der jüngeren Geschichte unseres Faches ging es in den Seminaren auch um theoretische und methodische Kenntnisse, die in den Gruppenarbeiten Anwendung finden werden. In den Seminaren sprachen wir über wichtige Fachvertreter*innen und solche, deren Karrieren weniger bekannt wurden. Zusammen haben wir diskutiert, welche Paradigmen und institutionellen Rahmenbedingungen die deutsche Orientalistik in der Vergangenheit dominierten. Aber auch, wie die Arbeit von Archivar*innen unsere Vorstellung der Vergangenheit bestimmt und wie eine kritische und umfassend repräsentative Archivarbeit aussehen könnte. Jetzt steigen die Arbeitsgruppen in ihre eigenen Forschungen ein: ein erster Besuch im Archiv des Museums für Kunst und Gewerbe, Reisevorbereitungen für unsere Recherche in Rom, das Vorbereiten von Interviewleitfäden und eine Führung durch das Staatsarchiv fanden in den letzten Tagen statt.Dabei profitieren wir auch immer wieder von dem erhöhten Interesse, das im Jubiläumsjahr der Uni Hamburg ihrer (Entstehungs-)Geschichte zukommt. So beleuchtet z.B. die Jubiläums-Ringvorlesung mit Vorträgen wie „Die Universität Hamburg als Reformuniversität“ (Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Peter Fischer-Appelt) oder „Wissenschaft und Kolonialismus. Die Hamburger Universität vom Kolonialinstitut bis zum Sturz des Wissmann-Denkmals“ (Prof. Dr. Jürgen Zimmerer) immer wieder Aspekte, die die Arbeit an unserem Thema um weitere Perspektiven bereichern.

Redakteurin: Laura Rowitz

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Zum Auftakt unseres Lehrforschungsprojekts stellten wir am 12. April stellten unsere Vorhaben offiziell am Institut vor. Ein Nachmittag, um unsere Pläne für die nächsten drei Semester unter den Studierenden und im Kollegium der Abteilung Vorderer Orient bekannt zu machen – und zu diskutieren.Im Sinne eines Einstiegs in unsere Fachgeschichte hatten wir dabei die Gelegenheit, zwei Gastvorträge zu hören: Von der Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte besuchte uns Dr. phil. h.c. Eckart Krause. Der Historiker begründete neben der Arbeitsstelle die Hamburger Bibliothek für Universitätsgeschichte und führte uns mit einem Vortrag in die Geschichte der Uni Hamburg ein. Nach einer Kaffeepause sprach Prof. Dr. Ludwig Paul, seit 2004 Vertreter des Faches Iranistik am Asien-Afrika-Institut, über die Geschichte der Asien-Afrika-Wissenschaften in Hamburg und insbesondere die Abteilung für Geschichte und Kultur des Vorderen Orients.Nach diesen ersten Einblicken in Uni- und Institutsgeschichte begaben wir uns zum Abschluss gemeinsam mit allen Teilnehmer*innen in ein Brainstorming die über unsere Wünsche zur Gestaltung des Projekts und diskutierten Projektziele.

Redakteurin: Laura Rowitz

Mit dem Semesterbeginn laufen die Vorarbeiten für den Projektauftakt auf Hochtouren. Drei verschiedene Lehrveranstaltungen widmen sich im vor uns liegenden Semester der Fachgeschichte: ein Seminar über die Fachgeschichte der Islamwissenschaft, ein Theorie- und Methodenseminar zu Memory Studies und das Projektseminar Middle Eastern Studies in Hamburg – Erforschung der eigenen Geschichte. Letzte Abstimmungen zur Koordination haben uns in den letzten Wochen ebenso begleitet wie die Kontaktaufnahme zu verschiedenen Archiven. In einige Akten durften wir schon einen ersten flüchtigen Blick werfen, bevor wir im Mai und Juni in kleinen Gruppen zurückkehren werden, um intensiv zu recherchieren. Besonders freuen wir uns außerdem darüber, dass wir schon einige Personen dafür gewinnen konnten, uns in Interviews von ihren Erinnerungen an die Vergangenheit unseres Faches zu erzählen.Gespannt sind wir auch auf die Auftaktveranstaltung unseres Projekts. Am nächsten Freitag (12.04.19) werden wir unsere Vorhaben an der Uni allen Interessierten vorstellen. Gemeinsam werden wir uns über Ideen und Ziele austauschen und haben uns zum Einstieg zwei Experten eingeladen, die mit uns ihr Fachwissen über Universitäts- und Fachgeschichte teilen.

Redakteur: Claussen-Simon-Stiftung

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Im Rahmen der Veranstaltung „Ausgezeichnet 2018“ wurden Frau Prof. Dr. Serena Tolino und ihre Studierenden vom Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg für ihren großartigen Projektvorschlag im Claussen-Simon-Wettbewerb für Hochschulen 2018 ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld finanziert die Claussen-Simon-Stiftung ihr Forschungsprojekt, in dem Sie die Kolonialgeschichte ihres eigenen Instituts für "Middle Eastern Studies" analysieren und reflektieren. 

Wir freuen uns auf eine tolle gemeinsame Projektzeit.