Claussen-Simon-Wettbewerb für Hochschulen
Claussen-Simon-Wettbewerb für Hochschulen

 

Projekttagebuch der Hochschule für Angewandte Wissenschaften

"MANV-Analyse"

Gewinner beim Claussen-Simon-Wettbewerb für Hochschulen 2019
Projektleiter: Prof. Dr. Bois Tolg

Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Department Medizintechnik

 

Mit der Förderung der Claussen-Simon-Stiftung soll ein permanentes Projekt ins Leben gerufen werden, bei dem Studierende standardisierte MANV-Lagen planen, durchführen und analysieren sollen. Bei einem Massenanfall von Verletzten übersteigt die Anzahl der betroffenen Personen die Kapazitäten der vor Ort verfügbaren Einsatzkräfte, sodass weitere Kräfte überregional angefordert werden müssen. Durch diese Situation müssen Rettungskräfte zusammenarbeiten, die normalerweise nicht zusammen trainieren und die möglicherweise sogar über andere Standards verfügen. Gleichzeitig ist die Situation so unübersichtlich und akut, dass ein koordiniertes und schnelles Vorgehen von besonderer Bedeutung ist. Um diese Lagen trainieren zu können, ist ein großer Ressourcenaufwand nötig, da viele Schauspieler*innen, medizinisches Personal, Fahrzeuge und Platz benötigt werden. Aus diesem Grund ist es nur selten möglich, diese Einsätze zu trainieren.

Um die Übungen bewerten zu können und um den beteiligten Einsatzkräften nach der Übung ein qualifiziertes Feedback geben zu können, ist es wichtig, dass möglichst viele Informationen während der Übung gesammelt und schnell ausgewertet werden können. Gleichzeitig muss die Übungskünstlichkeit jedoch so gering wie möglich gehalten werden. Es ist folglich notwendig, die Anzahl an Beobachtern, die Daten aufzeichnen, möglichst gering zu halten.

An der HAW und an der Universität Duisburg-Essen, aber auch bei Rettungsdiensten, wie dem Deutschen Roten Kreuz (http://manv-uebungen.iao.fraunhofer.de/), gibt es deshalb verschiedene Forschungen, die die Analyse einer MANV-Übung mit verschiedenen Ansätzen unterstützen. Die Entwicklung neuer Methoden wird jedoch dadurch erschwert, dass jede MANV-Lage die Rettungskräfte vor eine neue Situation stellen soll und sich deshalb nur schwer vergleichbare Werte erstellen lassen.

An der HAW Hamburg soll nun ein Studierendenprojekt ins Leben gerufen werden, dass sich dauerhaft mit der Planung, Organisation und Analyse von MANV-Lagen beschäftigen soll. Dabei sollen zunächst alle bekannten Methoden zur Analyse von MANV-Lagen ermittelt und in ein einheitliches System überführt werden. Zudem soll eine Reihe von standardisierte Lagen in unterschiedlichen Größenordnungen entwickelt werden, die regelmäßig durchgeführt werden sollen, um es der Forschung zu ermöglichen, vergleichbare Daten zu generieren. Die standardisierten Lagen sollen dann mit verschiedenen Feuerwehren und Rettungsdiensten durchgeführt werden um Daten zu sammeln und um den Methodensatz für die Auswertungen der Übungen permanent weiterzuentwickeln. Dazu soll ein möglichst großes Netzwerk aufgebaut werden. Gleichzeit soll das Projekt und das Netzwerk die Möglichkeit bieten, dass Studierende bei MANV-Simulationen anderer Organisationen hinzugezogen werden, um bei der Planung und Organisation zu unterstützen und die Auswertung durchzuführen. Das Projekt bietet Studierenden die Möglichkeit, verschiedene Verfahren, die sie bisher nur aus Vorlesungen kennen, an konkreten Projekten in der Praxis anzuwenden. Ein gutes Beispiel hierfür ist unter anderem die Anwendung von Statistikprogrammen, wie SPSS oder R. Da Studierende aus verschiedenen Semestern zusammenarbeiten, kann so ein Wissensaustausch entstehen. Zudem können die Studierenden Erfahrungen in der Projekt- und Teamarbeit sammeln. Die Studierenden sollen sich hauptsächlich aus den Studiengängen Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr zusammensetzen, die die bei dem Projekt gesammelte Erfahrung und die Kontakte aus dem Netzwerk für ihren späteren Lebensweg verwenden können. Zusätzlich sind Anrechnungen der Arbeiten in Form von Studienprojekten, Bachelor- und Masterarbeiten möglich. Eine freiwillige Beteiligung aus Interesse soll jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Nachdem sich eine Studierendengruppe etabliert hat, soll sich ein System entwickeln, bei dem einige neue Studierende hinzukommen, während andere das Projekt verlassen. Das bestehende Wissen soll so in der Gruppe erhalten bleiben. Gerade in der Anfangsphase ist es jedoch wichtig, dass ein wissenschaftlicher Mitarbeiter die Gruppe unterstützt und zusammenhält, bis sich ein funktionierendes Kernteam gebildet hat. Es ist geplant, das Projekt auch nach der Förderung durch die Claussen-Simon-Stiftung in den Räumen der ehemaligen Intensivstation an der Fakultät Life Sciences fortzuführen. Die Förderung soll jedoch die Anfangsphase unterstützen, in der sich das Kernteam bildet und sich Arbeitsprozesse entwickeln. Auch der Aufbau eines funktionierenden Netzwerks wird so unterstützt. Neben den Studierenden sollen aktuell noch zwei Doktorarbeiten von dem Projekt profitieren. Bei einer der Arbeiten wird ein Sensorsystem entwickelt, mit dem sich die Bewegungen der Wirbelsäule bei einem Simulationspatienten während einer Übung aufzeichnen lassen. Es soll so möglich sein, nach der Übung eine Rückmeldung darüber zu geben, ob die Rettung einer Person mit Wirbelsäulenverletzung erfolgreich verlaufen ist. In einer weiteren Doktorarbeit soll die Möglichkeit untersucht werden, mit Hilfe einer Smartphone-App die Rettungskräfte bei Ihrer Arbeit zu unterstützen, indem zum Beispiel eine Hilfestellung bei den wichtigen Prozessen gegeben wird. Regelmäßig stattfindende Übungen würden es den Promovierenden ermöglichen, ihre Systeme zu testen und weiterzuentwickeln. Neben den positiven Effekten für die Hochschule würden sich auch positive Effekte für die Feuerwehren und Rettungsdienste ergeben. Das Projekt bietet ihnen die Möglichkeit MANV-Trainings durchzuführen, die vergleichbare Ergebnisse liefern. Damit können die Prozesse der verschiedenen Organisationen überprüft und verbessert werden.

Ziele:

In den Studiengängen Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr befinden sich sowohl Studierende, die bereits Erfahrungen mit Feuerwehren und Rettungsdiensten besitzen, als auch solche, die gerade erst die Schule verlassen haben.

Das Projekt soll es allen Studierenden ermöglichen, in dem Projekt der MANV-Analyse dauerhaft zusammenzuarbeiten. Dabei sollen die Studierenden, die bereits über Erfahrungen und ein Netzwerk verfügen dieses Wissen und die Kontakte in die Gruppe einbringen. Die Studierenden, die bisher noch keine beruflichen Erfahrungen gesammelt haben, sollen so mit ihren späteren Arbeitgebern in Kontakt kommen und sich bereits im Rahmen von Projekten empfehlen.

Aber auch die Studierenden mit Berufserfahrung können von dem Projekt profitieren. Indem sich ein Netzwerk aller vorhandenen Kontakte bildet, bekommen diese Studierenden die Möglichkeit über den Tellerrand zu schauen und ihre Erfahrungen auch in anderen Bereichen anzuwenden. Das vorhandene Wissen wird so vertieft und möglicherweise ergeben sich auch Berufsperspektiven, die vorher nicht gesehen wurden.

Für die Fakultät Life Sciences soll ein Projekt entstehen, in dem sich Studierende langfristig praktisch mit einem Thema auseinandersetzen können. Das Ziel muss sein, dass die Gruppe irgendwann deutschlandweit zur Planung und Auswertung von MANV-Übungen hinzugezogen wird und die HAW als kompetenter Partner in diesem Feld gilt.

Das Projekt führt zudem verschiedene Forschungen zusammen, die sich an der Fakultät Life Sciences und der Universität Essen unabhängig voneinander gebildet haben.

In allen diesen Anwendungsfällen bieten standardisierte Szenarien die Möglichkeit vergleichbare wissenschaftliche Ergebnisse zu generieren. Diese Erkenntnisse sollen in Zukunft dazu führen, dass die Übungen für Rettungskräfte effektiver gestaltet werden können, sodass sich die Sicherheit für alle Beteiligten erhöht.

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Redaktion: Claussen-Simon-Stiftung

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Im Rahmen der Veranstaltung „Ausgezeichnet 2019“ wurden Herr Prof. Dr. Boris Tolg und seine Studierende der HAW Hamburg für ihren großartigen Projektvorschlag „MANV-Analyse" im Claussen-Simon-Wettbewerb für Hochschulen 2019 ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld finanziert die Claussen-Simon-Stiftung die Entwicklung und Auswertung von Standardszenarien sowie Trainings im Studiengang Rettungsingenieurwesen, mit deren Hilfe die Koordination von eine großen Anzahl unterschiedlicher Einheiten von Rettungskräften bei Massenanfällen von Verletzten (MANV) optimiert werden kann.

Wir freuen uns auf eine tolle gemeinsame Projektzeit.