Gewinnerprojekte
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Gewinnerprojekte 2016

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Universität Hamburg: "Proba et labora: Model Student Lab"

Projektleiterin: Prof. Dr. Zoya Ignatova
 

Proba et labora: Model Student Lab

Prof. Dr. Zoya Ignatova, Universität Hamburg

1.   Projektidee

Ziel ist es, ein studentisches Labor am Institut für Biochemie und Molekularbiologie zu etablieren, welches sich mit synthetischer Biologie beschäftigt und diese vorantreibt. 
Die Synthetische Biologie ist eine moderne Disziplin der biowissenschaftlichen Forschung mit einem besonders fachübergreifenden Charakter im Grenzbereich konventioneller Grunddisziplinen, wie Biologie, Chemie, Physik, Mathematik, Informatik und Ethik. Die Synhetische Biologie versteht man als Design und Integration neuer Komponenten, Eigenschften und physiologischer Aktivitäten in einer biologischen Zelle (sehr oft Einzellerorganismen), um gezielt neue Eigenschaften zu entwerfen und auch ganz neue Systeme zu erschaffen, die neuartige Möglichkeiten eröffnen, u.a. Entwicklung von neuen Impfstoffen, Medikamenten und verbesserten Diagnostika. Dabei werden nicht die Eigenschaften existierender Organismen verbessert, sondern biologische Zellen kreativ mit neuen Komponenten ausgestattet, die in der Natur in dieser Form bisher nicht vorkommen. Das hohe wirtschaftliche Potential wird aber mit einer starken Diskussion im Zusammenhang mit ethischen Aspekten und Verantwortung verbunden, da die Risikopotentiale der Synthetischen Biologie an die Risikopotentiale der Gentechnik anknüpfen. 
Die Umstrukturierung der Studiengänge im Zuge der Bologna-Reform hat in Hamburg im Bereich der Biowissenschaften ein lineares Lehrkonzept stimuliert, in welchem die einzelnen Disziplinen nur selten verknüpft werden. Dieses Projekt soll eine Verknüpfung theoretischer Lehrinhalte mit dem praktischen Test einer selbstständig entwickelten Idee ermöglichen, um somit nachhaltig interdisziplinäre Aspekte einer guten wissenschaftlichen Ausbildung in das Lehrkonzept zu integrieren. Folgende Ziele werden damit erreicht:
-   Lehrinhalte einzelner Diszplinen miteinander verknüpfen und studiengangsübergreifende Projekte und Lehrveranstaltungen schaffen;
-   den Studierenden Raum für Kreativität und Verantwortung bieten;
-   Lehrkonzepte in einem praktischen Zusammenhang bringen; 
-   die Ideenentwicklung bis hin zur Projektplanung und Finanzierung des Vorhabens den Studierenden überlassen:
-   universitätsübergreifende Kommunikation und Internationalität fördern.
Aus diesen Zielen entstand die Idee, den Studierenden freien Raum zu gestalten, um ein eigenes Projekt sowohl konzeptionell als auch wissenschaftlich zu erarbeiten und selbstständig durchzuführen. Großes Interesse und Engagement seitens der Studierenden hat bereits 2015 eine Pilotphase initiiert, bei der eien Gruppe von Studierenden eine fachübergreifende Projektidee formuliert haben, diese selbständig experimentell getestet haben und damit am internationalen Forschungswettbewerb iGEM (international genetically engineered machine) teilnehmen. 
Diese neue Veranstaltung verknüpft den neugesetzten interdisziplinären Forschungsfokus der Universität Hamburg in der Synthetischen Strukturbiologie mit der Ausbildung einer neuen Generation von Studierenden, die früh in ihrer Ausbildung der Einzelfach-Linearität der Bologna-Reform „ausweichen“ und ein fachübergreifendes Denken entwickeln. Dadurch wird dieser Forschungsfokus in den weiterführenden Forschungsarbeiten (u.a. PhD) vorangetrieben und es wird zur Etablierung Hamburgs als Standort interdisziplinärer naturwissenschaftlicher Forschung beigetragen. 

2.   Projektkonzept

Ein neues Modul „Projektdesign Synthetische Biologie“ wird geschaffen, welches auf Interdisziplinarität und dem Zusammenspiel verschiedener, wissenschaftlicher Fähigkeiten basiert, sodass die Veranstaltung curriculär im Wahlbereich folgender Studiengänge intergriert werden soll: 

  • Molecular Life Sciences
  • Biologie
  • Chemie
  • Nanowissenschaften
  • Bioinformatik
  • Physik

Die Veranstaltung ist offen für Studierende im Master- oder Bachelor-Studium, wobei Studierende der Bachelor-Studiengänge das Grundstudium (1. – 4. FS.) abgeschlossen haben müssen, da theoretische Grundlagen aus den ersten Studienjahren vorausgesetzt werden. 
Der Schwerpunkt des Moduls liegt auf der Verknüpfung interdisziplinärer Lehrinhalte, die durch begleitende Seminare und die selbstständige, praktische Umsetzung im Labor vermittelt werden. Den Studierenden wird Raum für Kreativität und eigene Entfaltung geboten, um ihre eigenen Ideen experimentell umzusetzen. Das gesamte Modul soll durch die Studierenden weitgehend selbstständig gestaltet werden, sodass sich ein vollständig abgeschlossenes Projekt ergibt. Die Studierenden sollen die Konzipierung bis hin zur experimentellen Umsetzung, Organisation und Finanzplanung selbstständig vorantreiben. Entsprechende Seminare durch Finanz- und Rechtswissenschaftler werden in das curriculäre Seminar integriert, um den Studierenden bei der Finanzplanung der Experimente zu helfen. 

Dieses in sich geschlossene Konzept, von der Entwicklung einer Idee über den experimentellen Nachweis bis hin zu ihrer Verteidigung und Präsentation sowie dessen finanzielle Verwaltung, stellt eine einmalige Konstellation einer Lehrveranstaltung dar, die folgende Effekte erreichen wird: 

  • Ausbildung fächerübergreifender Fähigkeiten
  • Förderung selbständiger experimenteller Arbeit 
  • Förderung von Kreativität und Verantwortungsbewusstsein
  • Vermittlung ergänzender Fähigkeiten, wie Konzept- und Finanzplanung, Teamarbeit, Präsentationstechniken und Wissenschaftskommunikation. 
  • Förderung der Innovativität und Etablierung nationaler und internationaler Bekanntheit, studentischer naturwissenschaftlicher Forschung und Lehre der Hansestadt Hamburg

Um die praktische Arbeit in einen wissenschaftlichen Kontext zu setzen, wird angestrebt im jeweiligen Sommersemester am internationalen iGEM-Wettbewerb teilzunehmen. Über 250 Teams von Studierenden aus der ganzen Welt treten jährlich in einem Wettbewerb gegeneinander an, um ihre innovative, experimentell getestete Idee zu präsentieren und zu verteidigen. Neben dem naturwissenschaftlichen Anspruch stimuliert dieser Wettbewerb die Koordination der Aufgaben sowie Teamarbeit und vermittelt Kernkompetenzen im Bereich der Präsentationstechnik und der medialen Aufbereitung.
Vorgesehen wird, dass die Studierenden, das Forschungskonzept und ihre experimentellen Ergebnisse auf nationalen Kongressen (z.B. der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Biochemie udn Molekularbiologie) präsentiert. Dadurch wird der Austausch mit jungen Wissenschaftlern bundesweit gefördert und zum anderen die Bekanntheit des Wissenschaftsortes Hamburg erhöht. 
Im Anschluss an den praktischen Teil der Projektphase sollen die Studierenden ihre Erfahrungen an diejenigen Studierenden weiter vermitteln, die im Wintersemester neu dazustoßen. Zu diesem Zweck sollen die erfahrenen Studierenden einige Seminare gestalten und Lehre von Studierenden für Studierende anbieten. Dieser horizontale Wissenstransfer wird die Kommunikation unter den Teilnehmern noch steigern und ermöglicht eine langfristige Qualitätssteigerung des gesamten Projektes, aufbauend auf den Erfahrungen der Vorgänger. Darüber hinaus wird auch hier wiederum den Studenten angeboten, Erfahrungen im Präsentations- und Lehrbereich zu sammeln.

3.   Zusammensetzung der Lehrveranstaltung

Das Modul wird sich aus einem begleitenden Seminar und einem Praktikum zusammensetzen. Im Rahmen des Seminars werden über das ganze Jahr folgende Themen erarbeitet:

  • Theoretische Grundlagen der synthetischen Biologie
  • Ethische Aspekte der synthetischen Biologie
  • Ideenentwicklung und Konzipierung der Experimentalphase
  • Finanzierungsplanung naturwissenschaftlicher Projekte
  • mediale Aufarbeitung des Projekts und Präsentation für Fach- und Laienpublikum

Das Seminar wird im Winter- und Sommersemester stattfinden, das Praktikum nur im Sommersemester. Die Seminare werden von dem verantwortlichen Dozent durch Kompetenzschulungen externer Fachreferenten in der synthetischen Biologie und im Finanz- oder Ethikbereich komplettiert. So wird eine vollwertige Lehrveranstaltung im Bereich der Synthetischen Biologie geschaffen. Im Rahmen des Seminars sollen alle Studierende Kurzreferate halten, um aktuelle Themen und Methoden der synthetischen Biologie vorzustellen. Diese sollen als Vorlage für ihre Ideenentwicklung und Auswahl eines experimentellen Projektes dienen. 
Im Praktikum wird nur eine Forschungsidee umgesetzt, die zuvor im Seminar in einer offenen Diskussion aus den studentischen Vorschlägen erarbeitet wird. Auswahlkriterien eines Themas für die experimentelle Projektphase sind die Innovation, Einzigartigkeit, Finanzierbarkeit und praktische Durchführbarkeit – im Zeitrahmen von drei Monaten – sowie Nachhhaltigkeit. Im theoretischen Teil der Lehrveranstaltung, dem Seminar, ist die Anzahl der Teilnehmer unbeschränkt, für das Praktikum sollen bis zu 20 Studierende zugelassen werden. Aus Sicherheitsgründen können im dafür zur Verfügung stehenden Laboratorium bis zu 20 Studierenden experimentell arbeiten. Diese Größe stellt eine optimale Gruppengröße dar, um die vielfältigen Aufgaben des Projektes umsetzen zu können und gleichzeitig produktiv und fokussiert experimentell zu arbeiten. Auch darf die Teamleitungskompetenz der Studierenden an dieser Stelle nicht überfordert werden. Durch ein überlappendes Veranstaltungsangebot (u.d. Finanz- und Ethikseminare, Gastvorträge udn Präsentiationen) könne sehr viele Studierende von diesem Konzept profitieren. Durch das nachhaltige Konzept dieses Modulas haben alle Studierenden während ihres Studiums die Möglichkeit, an dieser Lehrveranstaltung, im Bachelor- oder Masterabschnitt ihres Studiums teilzunehmen.
Die Auswahl der Teilnehmer erfolgt individuell anhand der Motivation und dem Ideenbeitrag zu der wissenschaftlichen Fragestellung in der 2. experimentellen Phase. Die jeweilige Teilnahmeoption für die Lehrveranstaltung wird mit ensprechenden Leistungspunkten abgebildet.
Die Vorträge sowie die dazugehörigen Diskussionen sollen auf Englisch stattfinden, um Präsentationstechniken und Sprachkenntnisse auf wissenschaftlichem Niveau zu verbessern. Die Vorträge, Tagunsteilnahme sowie die Präsentation des Projektes beim iGEM-Wettbewerb vermitteln Kernkompetenzen im Bereich der Präsentationstechnik und der medialen Aufbereitung.


4.   Einfluss und Nachhaltigkeit

Das Projekt fördert Engagement und Selbstständigkeit und bietet allen interessierten Studierenden im Bachelor- oder Masterabschnitt ihres Studiums Raum für Kreativität und Entfaltung. Die Studierenden werden motiviert über den „Tellerrand“ des Lehrplans hinauszublicken, eigene Ideen zu entwickeln und diese experimentell umzusetzen. Die Studierenden erlernen so neben praktischen Methoden auch Fähigkeiten, die aktuell nicht im Lehrplan enthalten sind, wie zum Beispiel Finanzplanung, Marketing, Projektplanung und Zeitmanagement. Darüber hinaus wird, im Rahmen der Tagunspräsentationen sowie des iGEM-Wettbewerbs, der Kontakt zwischen Studierenden deutschlandweit, aber auch international, vorangetrieben und die Attraktivität des Studienstandortes Hamburg maßgeblich gesteigert.
Die Ideen der Studierenden werden unmittelbar mit begrenzenden Aspekten (Finanzierbarkeit, zeitlicher Rahmen, Ethik) in Zusammenhang gebracht, um sie realitätsnah auf das spätere Berufsleben vorzubereiten. Dabei lernen die Studierenden auch Probleme zu erkennen und Lösungskonzepte zu erarbeiten. Dieses Jahr zum Beispiel haben sihc die Studierenden vorgenommen, ein kostengünstigeres Diagnoseverfahren für sexuell übertragbare Krankheiten zu entwickeln, um die betroffenen Personen in Entiwcklungsländern fianziell zu entlasten.
Rahmenveranstaltungen, wie zum Beispiel Vorträge von Gastwissenschaftlern, Diskussionsrunden zu ethischen Fragestellungen, Schulungen zur Arbeitssicherheit oder auch Fahrten zu Tagungen, können auch von anderen Studierenden genutzt werden und werden sich so positiv auf alle assoziierten Studiengänge auswirken.
Die Etablierung eines vollwertigen Moduls sowie der dazugehörigen, langfristig nutzbaren Laborräume ermöglicht eine, theoretisch, unbegrenzte Fortführung des Konzeptes. Langfristig kann eine Refinanzierung neuauftretender Kosten durch die Akquisearbeit der Studierenden erwartet werden. 

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Universität Hamburg: "It’s up to us! Selbstreflexionen zum medialen Umgang mit Kulturgütern in sozialen Netzwerken"

Projektleiterin: Prof. Dr. Martina Seifert
 

It’s up to us! Selbstreflexionen zum medialen Umgang mit Kulturgütern in sozialen Netzwerken

Prof. Dr. Martina Seifert, Universität Hamburg

  
1. AUSGANGSLAGE

Die Klassische Archäologie bietet als kleines Fach den Studierenden die vorteilhafte Möglichkeit des Wissenserwerbs in kleinen Lerngruppen in enger Kooperation mit den Lehrenden. Das Studium zeichnet sich durch einen hohen Theoretisierungsgrad bei gleichzeitig implementierten Praxisanteilen aus. Die zunehmende Technisierung des wissenschaftlichen Alltags durch Digitalisierung und die Verwendung sozialer Medien bietet aktuell eine große Chance für das partnerschaftliche forschende Lernen im Fach. Das Projekt „It’s up to us! Selbstreflexionen zum medialen Umgang mit Kulturgütern in sozialen Netzwerken“ will privates Film- und Fotomaterial von archäologischen Weltkulturerbestätten als eine bisher im Fach ungenutzte wissenschaftliche Ressource erschließen und ein interaktives, frei verfügbares Format mit Aktualitätsbezug unter Nutzung sozialer Netzwerke entwickeln.

Nach dem Prinzip des medialen Teilens sollen die Mitwirkenden Bildmaterial zu verabredeten Themenschwerpunkten bereit- oder herstellen, hierzu ebenfalls interessierte Dritte einladen und in dem entstehenden Netzwerk über die Bedeutung dieser Kulturgüter diskutieren. Ziel ist es, die Studierenden über die Vermittlung fachspezifischen Wissens und berufspraxisrelevanter Kompetenzen hinaus zur kritischen Reflexion über die eigene Teilhabe an und über den Umgang mit Kulturgütern in einer globalisierten Welt anzuregen und sie zu motivieren, aktiv an Meinungsbildungsprozessen der Gesellschaft mitzuwirken.

2. THEMA UND KONZEPT

Thema. Bereits 1972 hat die UNESCO das mittlerweile von 191 Staaten unterzeichnete „Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt“ – Welterbekonvention – verabschiedet. Das vorgeschlagene archäologisch-kulturwissenschaftliche Projekt konzentriert sich ausschließlich auf privates Film- und Fotomaterial von griechisch-römischen Ausgrabungsstätten des Weltkulturerbes, welche in der medialen Inszenierung gesellschaftlicher Ereignisse in den drei Themenfeldern Krisen, Klimawandel und Wirtschaftsfaktoren von Bedeutung sind.

Gegenstand. Gegenstand der Erforschung bilden die mediale Wirkungsmacht und die vielschichtigen semantischen Bezüge zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die sich beispielsweise an Bild- und Filmaufnahmen von den zerstörten römischen Ruinen von Palmyra (Krisen), an den abblätternden Wandmalereien in Pompeji (Klimawandel) oder an einer in Baugerüste gehüllten Athener Akropolis (Wirtschaftsfaktoren) herausarbeiten lassen. Der eigene Umgang mit Kulturgütern in sozialen Netzwerken und interaktiven Formaten, in denen Informationen nachweislich oft ungefiltert und gleichrangig nebeneinander stehen, soll problematisiert werden.

Fragen. Stammen die in den Medien und sozialen Netzwerken verbreiteten Aufnahmen von Kulturgütern überhaupt von den besagten Orten? Wer hat sie angefertigt? Wer war schon selber dort oder kennt jemanden, der diesen Ausgrabungsplatz besucht hat? Was zeigen die Bilder genau? Welche Funktion und Bedeutung hatten die gezeigten Kulturgüter in der Antike? Wie prägt ihre sichtbare Existenz unsere Gegenwart? Welche Ausschnitte werden mit den Bildern gezeigt, was wird ausgelassen, wie werden die Bilder bearbeitet? Wie, warum und zu wessen Nutzen werden die gezeigten Kulturgüter emotional aufgeladen?

Idee. Die Projektidee möchte sich einerseits die positiven Aspekte der Medien – einfache und großflächige Verbreitung von Informationen und eine Kommunikation innerhalb flacher Hierarchien – zunutze machen, andererseits die Kommunikationsprozesse und die Contents kanalisieren und kritisch hinterfragen. Wichtige Bausteine liefern der persönliche Wissenstransfer (mentoring) und der Wille der Mitwirkenden, Wissenschaft für die Gesellschaft zu öffnen und nutzbar zu machen (citizen science).

Methoden. Den Ausgangspunkt bilden bildwissenschaftliche Ansätze, die im Projektverlauf z. B. durch medienwissenschaftliche- und kulturanthropologische Zugänge erweitert werden sollen.

3. PROJEKTPARTNER UND ZIELGRUPPE

Team. Durch die Selbstverpflichtung auf das Prinzip des partnerschaftlichen forschenden Lernens und des Wissenstransfers über persönliche Beziehungen basiert das Projekt auf einer engen Zusammenarbeit zwischen Studierenden und Mitarbeiter/innen des Instituts. Außer M. Seifert begleiten das Vorhaben Prof. Dr. R. Krumeich, Dr. N. Leisner, J. Bracker, U. Oldewurtel, N. Babucic, L. Ziemer und F. Schwenn. Die technische Umsetzung und Implementierung der Datenbank mit dem Film- und Bildmaterial, einer dokumentierenden Website mit Tools für Facebook, Twitter und einem Blog unterstützen N. Thiele und F. Hilke (IT-Koordination Fachbereich). Bild- und medienwissenschaftliche Beratung zum Umgang mit digitalen Lernressourcen und sozialen Netzwerken werden von den Kollegen der Kunstgeschichte und der Sozialanthropologie sowie dem EW-Medienzentrum Hamburg eingeholt. Bei der Netzwerkbildung zur Gewinnung des Film- und Bildmaterials sollen als Schulpartner die Gelehrtenschule des Johanneums und andere Hamburger Schulen, unsere Erasmus- und Forschungskooperationspartner und die Arbeitsgemeinschaft „Archäologie und Fotografie“ des Deutschen Archäologenverbands e.V. mitwirken. Zur Einwerbung zusätzlicher fachlicher Expertisen bestehen Kontakte zu externen Experten aus dem Bereich Kulturgüterschutz und zu Vertretern der Film- und Fernsehbranche. Dr. F. Hildebrandt vom Museum für Kunst und Gewerbe unterstützt eine geplante Ausstellung mit thematischem Bezug. Für eine werbewirksame öffentliche Diskussionsveranstaltung soll der gesellschaftskritische Journalist R. D. Precht gewonnen werden.

Für die Koordination des Projektes mit seiner begleitenden Öffentlichkeitsarbeit und die fachliche Unterstützung ist eine halbe wissenschaftliche Mitarbeiterstelle für ein Jahr vorgesehen. Das Einpflegen der Contents in die Datenbank soll eine studentische Hilfskraft übernehmen.

Zielgruppe. Das Vorhaben richtet sich v. a. an Studierende der Klassischen Archäologie im B.A.-Studium der Aufbau- und Vertiefungsphase und im M.A.-Studium. Studierende des Fachbereichs Kulturgeschichte und Kulturkunde und der GW Fakultät sowie Interessierte anderer Fächer sind ausdrücklich willkommen.

4. PROJEKTPHASEN UND VERANSTALTUNGSFORMATE

Phasen. Die Vorbereitung und Bereitstellung der technischen Ressourcen (Anlage Datenbank und Website) erfolgen im Verlauf des WS 2016/17. Die zweisemestrige aktive Projektphase dauert vom SS 2017 bis zum WS 2017/18. Für die Implementierung der konzipierten Open-Source-Datenbank mit den Bild- und Filminhalten und die mögliche Einspeisung von Contents in ein E-Learning-Modul der ARIADNE-Plattform ist eine Nachbereitungs- und Verstetigungsphase von weiteren zwei Semestern vorgesehen.

Veranstaltungsformate. Das Vorhaben setzt an verschiedenen Schnittstellen des Projekt-orientierten forschenden Lernens an und verknüpft unterschiedliche Formate, in denen die Studierenden berufsrelevante Erfahrungen sammeln können und aktiv am Wissenschaftsbetrieb teilnehmen. Die wissenschaftliche Standortbestimmung des Projektes erfolgt durch zwei themenspezifische Seminare („Archäologische Kulturgüter und ihr Schutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ und „Bild- und medientheoretischen Ansätze in der Archäologie“). Zu einer begleitenden Ringvorlesung (z.B. „Medialer Umgang mit archäologischen Kulturgütern“) tragen Hamburger Kolleg/innen und auswärtige Gäste bei. Eine Zusammenstellung und Erschließung des Bild- und Filmmaterials wird im Rahmen einer Arbeitsgruppe zum Thema „Netzwerkbildung und Sammeln“ sowie in Übungen zur Herstellung und Bearbeitung von Contents und zur Vorbereitung einer Ausstellung durchgeführt. Eine Studierendentagung beschäftigt sich mit der kritischen Reflexion und Bewertung der persönlichen Teilhabe am Umgang mit Kulturgütern in sozialen Netzwerken und Medien und bereitet in Workshops die Themen für die interaktiven Plattformen der Website (Facebook, Twitter, Blog) vor. Die Website dient als Schnittstelle zur Öffentlichkeit und zur Dokumentation des Projektverlaufs. Sie wird durch ein studentisches Redaktionsteam gepflegt und redigiert. Mit der Ausstellung und einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung soll das Projekt werbewirksam in die außeruniversitäre Öffentlichkeit Hamburgs hinausgetragen werden und auf die Open-Source-Datenbank aufmerksam machen. Die Vorträge der Ringvorlesung und der Studierendentagung sollen in den institutseigenen Organen publiziert werden.

Die ECTS-Punkte für die Tutorien und Lehrveranstaltungen sind Curriculum-relevant. Sämtliche Veranstaltungsformate werden durch die Studierenden evaluiert.

5. NACHHALTIGKEIT

Formate wie die Open-Source-Datenbank und die Website werden fest an das Institut angebunden. Mittelfristig erfolgt eine Angliederung ausgewählter Inhalte an das E-Learning Modul ARIADNE. Eine Weiterentwicklung und Nachnutzung der Inhalte für weitere Formate und durch Dritte ist jederzeit möglich.

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Hochschule für Musik und Theater/Universität Hamburg: "Healing Soundscape"

Projektleiter: Prof. Dr. Georg Hajdu, Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Prof. Dr. Clemens Wöllner, Universität Hamburg, Prof. Dr. Eckhard Weymann, Hochschule für Musik und Theater Hamburg

Healing Soundscape

Prof. Dr. Georg Hajdu, Hochschule für Musik und Theater Hamburg
Prof. Dr. Clemens Wöllner, Universität Hamburg
Prof. Dr. Eckhard Weymann, Hochschule für Musik und Theater Hamburg

        
1. Einleitung und Vorgeschichte

Klänge und Musik sind in allen Kulturen der Welt integraler Bestandteil des Lebens (Brown & Jordania, 2013). Sie werden zudem „vermutlich seit Jahrtausenden und in verschiedenen menschlichen Kulturen als Heilmittel eingesetzt“ (Spahn et al., 2015). In der modernen Musiktherapie wird „der gezielte Einsatz von Musik im Rahmen der therapeutischen Beziehung zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit“ (DMtG) erforscht und praktiziert.  In der musikpsychologischen Forschung werden seit langem die gesundheitsfördernden Wirkungen des Musikhörens und aktiven Musizierens empirisch erforscht (eine Übersicht bieten MacDonald et al., 2012). Kognitive Ansätze unterstreichen zudem positive Effekte der Musik auf außermusikalische Bereiche (u.a. Schellenberg, 2016). Daher liegt es nahe, Musik und Klänge gezielt einzusetzen, um Menschen in ihrem Wohlbefinden zu stärken.

Im Krankenhaus können die Umgebungs-Qualitäten, denen Menschen ausgesetzt ist, das Wohlbefinden und die Funktionsfähigkeit entscheidend beeinflussen. Die Kranken befinden sich in einer ungewohnten und ungewollten Situation, ihre Autonomie und Intimsphäre sind eingeschränkt. Dazu kommen oft Schmerzen und Sorgen um die Gesundheit. Die äußeren Bedingungen sollten möglichst zur Genesung beitragen. Das Konzept des „healing environment“ (Stichler, 2001) fokussiert Umgebungsfaktoren im Krankenhaus wie Raum, Licht, Natur, Akustik, Sound etc., aber auch Organisations- und Kommunikationskultur. Diese Umgebungs-Qualitäten wirken gleichermaßen auf Patienten wie auf Mitarbeiter ein. Sie können als förderlich oder als stresserhöhend erlebt werden. 

Neben Licht- und Farbgestaltung sind auditiv wahrgenommene Einflüsse (Geräusche, Sounds, Musik) atmosphärisch hoch wirksam – unabhängig davon, ob diese unabsichtlich oder absichtsvoll gestaltet werden, ob sie bewusst wahrgenommen werden oder unbemerkt bleiben. Sie wirken sich direkt auf das Befinden der Menschen im Raum aus. Empirische Studien belegen die Wirkungen von Klängen und Musik im Hintergrund in Abhängigkeit von anderen Umgebungsvariablen, situativen Bedingungen und der Verfasstheit der beteiligten Personen (North & Hargreaves, 2008).

Im Rahmen der Hochschulkooperation zwischen der HfMT und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), die u.a. der Ausbildung von Musiktherapeuten und der Forschung in diesem Bereich dient, entstand zwischen Prof. Debus (Herzzentrum, UKE) und Prof. Weymann (Institut für Musiktherapie, HfMT) die Idee, den auditiven Umwelteinflüssen, denen Patienten wie Mitarbeiter im Krankenhaus ausgesetzt sind, verstärkt Aufmerksamkeit zu schenken. Es sollen die akustisch-atmosphärische Umgebungsbedingungen in ausgewählten Klinikräumen untersucht werden. Durch die Installation einer gezielt entwickelten interaktiven soundscape (frei übersetzt etwa „Klanglandschaft“, vgl. Schafer, 1977), einer elektronischen Klangkomposition, soll versucht werden, atmophärische Verbesserungen zu erzielen. Dazu wurden Prof. Hajdu (Zentrum für mikrotonale Musik und Multimedia, HfMT) und seine Studierenden ins Boot geholt. Prof. Wöllner (Systematische Musikwissenschaft/Musikpsychologie, UHH) wird mit Mitarbeitern und Studierenden an den Messungen der Auswirkungen der Intervention mitwirken. Weitere Partner werden unten genannt. 

Neben der multiperspektivischen Ausrichtung des Themas liegt die Besonderheit dieses Projektvorschlags in seiner Interdisziplinarität: Über Fachgrenzen hinweg  sollen Inhalte in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten von Studierenden und Lehrenden gemeinsam erarbeitet, Anwendungen erprobt und ausgewertet werden. 

2. Thema und Konzept

Den Kern dieses musiktherapeutisch-musikpsychologisch-künstlerischen Art-Research-Projekts bilden theoretische Überlegungen, empirische Untersuchungen und künstlerische Produktionen im Rahmen von interdisziplinären Seminaren, Workshops und Übungen. Die Ergebnisse dieser Lehrveranstaltungen sollen in der Praxis angewendet und empirisch ausgewertet werden.

Ziele des Projekts sind:

  • Wissen über die Wirkung akustischer Umgebungsfaktoren im Krankenhaus zu vertiefen (Stichworte: healing environment, Ökologische Musiktherapie, Ecomusicology).
  • Möglichkeiten der Beeinflussung der soundscape kritisch zu diskutieren und zu erproben (Stichworte: Klangökologie, Klangkunst)
  • Entwicklung und technische Realisierung interaktiver elektronischer Klangkompositionen und deren Installation und Erprobung in konkreten Praxisfeldern (Stichwort: Multimediale Komposition)
  • Erfahrungen sammeln und auswerten mit interdisziplinären Veranstaltungsformaten, die sich über Fachgrenzen hinweg relevanten Fragestellungen zuwenden
  • Praktische Erfahrungen sammeln mit einem art-research-Format
  • Forschendes Lernen: Adaptieren von Methoden aus vorherigen Studien und Anwendung in einer konkreten Situation
  • Reflexion über das Forschungsprojekt und Dokumentation der Arbeitsschritte (Stichwort: Forschungsreflexivität)

Die auditiven und atmosphärisch-ästhetischen Umgebungsqualitäten in ausgewählten Warteräumen im UKE werden zunächst atmosphärisch und akustisch untersucht. Dazu werden atmosphärische Analysen und Messungen in den Räumen durchgeführt und erste kreative Ideen für die zu komponierende Klanglandschaft entwickelt. Die Komponisten erarbeiten in engem Austausch mit den Musiktherapeuten auf dieser Basis für jeden Raum spezifisch interaktive soundscapes. In qualitativen und quantitativen Untersuchungen mit den Beteiligten (Patienten, Mitarbeiter) soll erforscht werden, ob durch diese Intervention die Atmosphäre in den betreffenden Räumen im Sinne eines healing environment positiv beeinflusst werden konnte. Lässt sich etwa darstellen, dass sich die Modifizierung der akustischen Umgebungsqualitäten stressreduzierend auswirkt? Finden sich bewusste oder unbewusste Auswirkungen auf das Wohlbefinden?

Die wissenschaftliche Herausforderung wird es sein, eigens für diese Zwecke komponierte Musik bzw. Klang-Umgebungen (soundscapes) auf ihre Effektivität zu untersuchen, um diese reproduzierbar und in ihrer Wirkung nachprüfbarer machen zu können. Die Ergebnisse aus den Evaluationsstudien können in die Umsetzung einfließen, möglicherweise lassen sich die Effekte dadurch weiter steigern.

Darüber hinaus werden die Arbeitsschritte des Projekts in regelmäßigen Treffen dokumentiert und reflektiert. In der Schlussphase soll aus diesen Materialien eine Videodokumentation erstellt werden, die Einblicke in das Projekt, die beteiligten Personen, die Wirkungen und Forschungsergebnisse ermöglicht. Diese Dokumentation soll nach Möglichkeit im Internet frei verfügbar sein.

3. Veranstaltungen, Beteiligte und Zielgruppen

Ein zentraler und innovativer Aspekt dieses auf vier Semester angelegten Projekts ist der interdisziplinäre Zugang zum Thema, der sich in der didaktischen Konzeption fundiert. Zentrale Lehrveranstaltungen werden gemeinsam geplant und durchgeführt. Im vierten Semester soll eine Ringvorlesung die Erkenntnisse zusammenfassend präsentieren und in einen fruchtbaren Austausch mit Experten aus dem In- und Ausland bringen. 

Das Projekt zeichnet sich durch einen hohen Grad an studentischer Mitverantwortung und Partizipation aus. Es wird im Gegensatz zu konventionellen Lehrveranstaltungen in Form einer Arbeits- oder Projektgruppe geführt, an der die Studierenden als vollwertige Mitglieder mitwirken.

Darüber hinaus sollen die Studierenden und Mitarbeiter, die im engeren Sinne das Projekt durchführen, wechselseitig Lehrveranstaltungen besuchen: So erwerben beispielsweise auch MusiktherapeutInnen Kenntnisse über Theorien, Methoden und Techniken elektronischer Klanggestaltung; KomponistInnen arbeiten sich in ästhetische, ethische, therapeutische Fragestellungen zur akustischen Umgebungsgestaltung ein; Studierende der Musikwissenschaft machen sich mit grundlegenden Fragestellungen der Musiktherapie und Erfordernissen in einem konkreten Anwendungsfeld vertraut. Bereichsübergreifende Veranstaltungen zwischen Musiktherapie und Multimedialer Komposition hat es bisher an der HfMT nicht gegeben. Die Einbeziehung der Systematischen Musikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Musikpsychologie und der Medizin fundiert und erweitert diese Zusammenarbeit. Aspekte der Interdisziplinarität und deren Bedeutung werden kontinuierlich unter hochschuldidaktischen Gesichtspunkten evaluiert.

Zielgruppen der Lehrveranstaltungen sind in erster Linie Studierende und DoktorandInnen der genannten Bereiche. Darüber hinaus sollen Lehrveranstaltungen des Projekts auch übergreifend von allen Studierenden der HfMT (Wahlmodule) und der UHH (Wahlbereich des Fachbereichs Kultur) besucht werden können. 

Es ist möglich und erwünscht, im Rahmen des Projekts wissenschaftliche Hausarbeiten, BA-, MA- und Dissertations-Arbeiten anzufertigen. Das Mentoring dieser Arbeiten durch die beteiligten Professoren und MitarbeiterInnen wird als wesentlicher Teil der Projektarbeit angesehen.

Getragen wird das Projekt von MitarbeiterInnen und Studierenden des Instituts für Musiktherapie und des Arbeitsbereichs Multimediale Komposition der HfMT und von MitarbeiterInnen und Studierenden der Systematischen Musikwissenschaft (UHH). Es wird von Prof. Dr. Sebastian Debus und weiteren MitarbeiterInnen und Studierenden der Universitätsklinik Eppendorf (UKE) unterstützt. In regelmäßigen Projekttreffen wird die Arbeit unter der Federführung von Prof. Dr. Eckhard Weymann koordiniert.

Für die Koordination des Projekts, aber auch für Öffentlichkeitsarbeit, Mitwirkung bei Lehrveranstaltungen, Organisation einer Ringvorlesung etc. soll eine Wissenschaftliche Mitarbeiterstelle (8 Stunden/Woche) für die Dauer von zwei Jahren eingerichtet werden.

Für einzelne Veranstaltungen, Wissenschafts- und Praxisbezüge werden weitere Partner hinzugezogen werden. Neben dem schon genannten Mitinitiator Prof. Dr. Sebastian Debus (UKE), der zugleich als Verbindungsperson zum UKE fungiert, haben bereits zugesagt Prof. Dr. Jan Sonntag (MSH), Prof. Frank Böhme (HfMT), John Groves (als assoziierter Partner aus dem privatwirtschaftlichen Sektor).


 

Gewinnerprojekte 2015

Universität Hamburg: "Go East – Go West! Transnationale und translinguale Identitäten zwischen Deutschland und Mittelosteuropa"

Projektleiterin: Prof. Dr. Anja Tippner
 

Go East – Go West! Transnationale und translinguale Identitäten zwischen Deutschland und Mittelosteuropa

Prof. Dr. Anja Tippner, Universität Hamburg


1. Ausgangslage 

Seit den Umbrüchen der Jahre 1989/1991 haben sich die Reise- und Migrationsbewegungen zwischen Deutschland und Mittlosteuropa verstetigt. Russland, Polen, die Ukraine, Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Serbien und Montenegro sind nach der Türkei Herkunftsländer der meisten Migrantinnen in Deutschland. Viele Studierende des Instituts haben einen "Migrationshintergrund", etwa als "Russlanddeutsche" oder "jüdische Kontingentflüchtlinge", andere sind wegen des Studiums, der Arbeit oder der Liebe hier. Für manche Studierende ist etwa Bosnisch, Polnisch, Russisch noch die Muttersprache, für andere ist es die zweite oder sogar dritte Sprache. Parallel dazu entdecken deutsche Studierende ihr Interesse für slavischen Sprachen und für das Leben in St. Petersburg, Prag oder Warschau. Das Leben zwischen den Kulturen, Übersetzen und eine mehrsprachige Textproduktion sind somit Teil slavistischer Alltagspraxis. Das Projekt "Go East - Go West! Transnationale und translinguale Identitäten zwischen Deutschland und Mittelosteuropa" will die vielfältigen Bewegungen zwischen Ost und West gerade in ihren kreativen, positiven Aspekten untersuchen. Ziel des Projekts ist, fachspezifisches Wissen, berufsrelevante Kompetenzen wie Übersetzen und kreative Praktiken wie literarisches Schreiben zu verknüpfen. Dabei wird die konkrete Lebenspraxis unserer Studierenden der Ausgangspunkt sein. Das Projekt soll eine Möglichkeit bieten, über die eigene Situation im Kontext der Theorien zu Migration und Mehrsprachigkeit nachzudenken. 

2. Thema und Konzept

Den Kern dieses literatur- und kulturwissenschaftlichen Projekts bilden verschiedene Textsorten, die transnationale Identitäten entwerfen. Zuerst wird es um literarische Texte etablierter Autorinnnen gehen: Die kulturelle Dynamik in und zwischen Mittelosteuropa und Deutschland hat dazu geführt, dass das deutsche "literarische Feld" (P. Bourdieu) vielfältiger geworden ist. Es hat sich eine reiche Literatur entwickelt, die unter dem Label transnationale oder exophone Literatur firmiert. Einige der bekanntesten AutorInnen sind: Wladimir Kaminer, Katja Petrovskaja, Natasza Goerke, Radek Knapp, Olga Martynova, Michael Stavarič, Jaroslav Rudiš, Snežana Minić. Das Projekt soll der Erforschung dieser "Literatur ohne festen Wohnsitz" dienen. Zweitens soll das Projekt einen Rahmen bieten, um die eigenen transnationalen Lebensgeschichten theoretisch-kritisch, aber auch ästhetisch-praktisch zu reflektieren. Drittens wird das Projekt durch Übersetzungen versuchen, die eigenen translingualen Erfahrungen umzusetzen und so einen interkulturellen Dialog zu initiieren. 

Ein Ziel des Projekts ist es, das Wissen über transnationale Literatur und Identitäten zu vertiefen. Diese Bestandsaufnahme findet im 1. und 2. Semester des Projekts statt und widmet sich folgenden Fragen: Welche Themen/Motive sind zentral für die Diskussion transnationaler Identitäten? Inwiefern ist diese Literatur ein Spiegel der "Kosmopolitisierung" (U. Beck) unserer Gesellschaft? Wie positionieren wir uns als Lehrende und Studierende in diesem Feld? Wie können wir als Slavistinnen zu einem intensiveren Austausch beitragen? 

3. Projektpartner und Zielgruppe Projektpartner

Das Projekt wird von Mitarbeiterinnen und Studierenden des Instituts getragen. Neben A. Tippner sind dies: Dr A. Artwinska und alle Lektorinnen des Instituts sowie Prof. Dr. M. Krause. Die Lektorinnen werden das Projekt mit ihren Übersetzungskursen begleiten. Prof. Krause (Forschungsschwerpunkt: Mehrsprachigkeit, Herkunftssprachen) wird die Ringvorlesung mitorgansieren und Dr. Artwinska wird ebenso wie Prof. A. Tippner ein Seminar zur transnationalen Literatur anbieten und das Projekt organisatorisch begleiten. Neben den festangestellten Mitarbeiterinnen sollen für die Schreibwerkstatt und die Übersetzungsworkshops Expertinnen hinzugezogen werden. Es bestehen bereits Kontakte zu Übersetzerinnen (P. Schulze, E. Profousová, B. Schulte) sowie AutorInnen (N. Goerke, S. Minic) aus dem Hamburger Raum. Für die Koordination des Projekts, aber auch die Öffentlichkeitsarbeit und eine Lehrveranstaltung soll eine halbe Mitarbeiterstelle für ein Jahr eingerichtet werden. Für einzelne Veranstaltungen (Autorengespräche, Übersetzungsworkshops) sollen externe Partner wie die H. Heine-Buchhandlung, das Polnische Konsulat oder das Tschechische Zentrum Berlin hinzugezogen werden. 

Zielgruppe

Das Projekt richtet sich v. a. Studierende der Slavistik im M.A.-Studium sowie der Vertiefungsphase des B.A., an Studierende des B.A. Osteuropa-Studien sowie anderer Fächer, sofern sie über ausreichende Sprachkenntnisse verfügen.  

4. Projektphasen und Veranstaltungformate 


Projektphasen


Die aktive Phase des Projekts beträgt zwei Semester plus eine mindestens vier Semester dauernde Dokumentationsphase. Die aktive Phase startet im SS 2016 und endet im WS 2016/17, die Dokumentationsphase geht darüber hinaus. Es wird angestrebt einige Formate des Projekts (Schreibwettbewerb, Homepager, Studierendenkonferenz) am Institut verankert werden und damit für Nachhaltigkeit sorgen. 


Veranstaltungsformate

Es wird einerseits in klassischen Lernformen (Übersetzungskurse, thematische Seminare, Ringvorlesung) gearbeitet, andererseits in innovativen Veranstaltungen (Studierendenkonferenz, Schreibwerkstatt, Workshops). Die unterschiedlichen Formaten erlauben einer möglichst großen Zahl von Studierenden am Projekt teilzunehmen. Studierende sollen einerseits auf das Berufsleben vorbereitet werden und Arbeitsfelder in der Praxis kennen lernen. Zugleich soll durch die wissenschaftlichen Formate, eine frühe Partizipation am Wissenschaftsbetrieb, etwa durch Vorträge, ihre Publikation und die Konferenzorganisaton erprobt werden. Alle Lehrveranstaltungen können mit ECTS-Punkten in das Studium eingebracht werden. Nach jeder Veranstaltung wird es eine Feedback-Runde geben. 


Kreative und praktische Formate 

Übersetzungsworkshops und -kurse

Viele Texte der slavischen Migrationsliteratur sind nicht übersetzt; zugleich ist das Übersetzen eine wichtige slavistische Kompetenz. In den Übersetzungsworkshops sollen die Studierenden eigene und fremde literarische und wissenschaftliche Texte übersetzen. Dabei soll nicht nur aus einer slavischen Sprache ins Deutsche und vice versa, sondern quer durch die Sprachen. Die Übersetzungskurse werden von den Lektorinnen des Institus durchgeführt, die workshops von professionellen Übersetzerinnen. Während des Übersetzens soll im Tandem gearbeitet werden, umso interkulturelle Kompetenzen zu stärken. Die Arbeit an den Übersetzungen wird durch Autorenlesungen und -gespräche unterstützt. 


Schreibwerkstatt 

Kreatives Schreiben ist im regulären Studienprogramm nicht vorgesehen, für die Studierenden aber von großem Interesse. Das kreative Schreiben wird in Form eines Seminars und eines Workshops angeboten, die die Studierenden zum Erzählen eigener transnationaler Lebensgeschichten motivieren soll. Die Ergebnisse werden in Lesungen und auf der Homepage präsentiert. 


Facebook-Seite und Homepage

Die von Studierenden betreute Facebook-Seite dient der zeitnahen Präsentation und Werbung für das Projekt. Gleichzeitig wird die Website "Go East - Go West!" gestartet, die das Projekt dokumentiert. Die Homepage wird auch ein Ort für die Veröffentlichung der Übersetzungen und der Lebensgeschichten sein. Hierzu wird eine studentische Redaktion ins Leben gerufen, die die Beiträge redigiert. 


Literatur/Übersetzungspreis

Die besten Übersetzungen und Texte werden von einer Jury, bestehend aus Studierenden, Lehrenden und einer Übersetzerin/Autorin prämiert. 


Wissenschaftliche Formate 

Zwei Seminare über die Poetik des transnationalen Schreibens ebenso wie die Ringvorlesung fundieren das Projekt wissenschaftlich. Zur Teilnahme an der Ringvorlesung "Go East - Go West! Literaturen und Sprachen zwischen Deutschland und Mittelosteuropa" werden neben Hamburger Kolleginnen auswärtige Wissenschaftlerinnen eingeladen. Diese interdisziplinäre Vorlesung soll den Studierenden einen Überblick über die neuesten Ansätze der Forschung zum Thema vermitteln. 

Studierendenkonferenz

Die Konferenz erlaubt es, Seminararbeiten in Form von Postern, Vorträge oder im Rahmen von Diskussionen zu präsentieren. Sie wird von den Studierenden des Instituts organisiert und ist für Studierende aus Deutschland und dem Ausland geöffnet. Für die Teilnahme sind Reisestipendien für Studierende aus Mittelosteuropa vorgesehen. Das Organisationsteam wird einen call for papers und ein Rahmenprogramm entwerfen, panels organisieren und einen key-note speaker auswählen. Ein Programmpunkt soll auch die Lesung zum Thema sein. Ausgewählt Vorträge werden auf der Homepage des Projekt veröffentlicht. Die Vorbereitung der Konferenz erfolgt im Rahmen einer Lehrveranstaltung, die von der Projektmitarbeiterin geleitet wird. 

5. Nachhaltigkeit

Einige Formate des Projekts (Schreibwettbewerb, Studierendenkonferenz, Homepage) sollen fest am Institut für Slavistik verankert werden und damit für die Nachhaltigkeit des Projekts sorgen. 

Universität Hamburg: "Recht & Netz"

Projektleiterin: Prof. Dr. Marion Albers

 

Recht & Netz

Prof. Dr. Marion Albers, Universität Hamburg


Projektidee

Rechtswissenschaft ist ein außerordentlich spannendes Studienfach: Es schließt wissenschaftliches Durchdenken und Praxisrelevanz gleichermaßen ein. Es spricht analytische und methodische Kompetenzen, Fähigkeiten zum vernetzten Denken und zum innovativen Arbeiten ebenso an wie die soziale und emotionale Intelligenz, etwa in Gestalt der Kommunikations- und Entscheidungsfähigkeit, der Empathie oder des Verantwortungsbewusstseins. Jura erscheint vielen Studierenden jedoch weit über die Anfangssemester hinaus als ein realitätsfernes, trockenes und viel zu abstraktes Fach, das vor allem Lernwissen abverlangt und mit ihrer Lebenswelt nichts zu tun hat. In späteren Phasen des Studiums, insbesondere beim Nachdenken über eine Promotion, haben viele Studierende dagegen das gegenteilige Problem: Die Bedeutung des Rechts und seine vielfältigen Bezüge zu gesellschaftlichen Fragen sind klar; alles erscheint aber überkomplex und kaum strukturierbar.

Das Projekt Recht & Netz soll den Studierenden, zugeschnitten auf verschiedene Phasen des Studiums, die Bedeutung des Rechts anschaulich vermitteln und damit das Studium in den jeweiligen Phasen erleichtern. Gleichzeitig wird es einen Praxisbezug herstellen und in einem gesellschaftlich hochaktuellen Feld für die Öffentlichkeit relevant sein. Dies gewährleisten zum einen die ausgewählten Inhalte, zum anderen die verschiedenen Beteiligungs-, Lehr- und Lernformen und die angebotenen Publikationsformate. Das Projekt knüpft an die Cyber Law Clinic an, die unter der Leitung meines Lehrstuhls im Bereich Internet und Social Media eine pro bono-Rechtsberatung für Bürger/innen anbietet. Das Jurastudium wird in der Cyber Law Clinic mit „echten“ Rechtsfragen aus der Gesellschaft ebenso wie mit der anwaltlichen Praxis verbunden und dadurch lebendig. Das Projekt Recht & Netz hat enge Wechselbezüge zur Cyber Law Clinic. Es ist aber ein eigenständiges Projekt.

Inhaltlich dreht sich das Projekt ebenso wie die Cyber Law Clinic um das Feld Internet und Social Media. Mit diesem Feld haben die Studierenden sowohl in ihrer persönlichen Lebenswelt als auch in späteren Berufen zu tun. Es zeichnet sich außerdem durch eine Vielzahl neuer Fragestellungen von hoher Aktualität und großer gesellschaftlicher Bedeutung aus. Einschlägige Rechtsfragen beschäftigen die Studierenden unmittelbar selbst oder ihren Bekanntenkreis. Beispiele sind das Herunterladen von Musikdateien oder das Hochladen personenbezogener Fotos, das Moderieren von Blogs, rechtliche Fragen rund um Facebook, Content-Diebstahl, Einträge in Bewertungsportalen, Shitstorms und Internetmobbing. Häufig fehlt aber ein „Internet Kompass“, der einem vermittelt, was im Internet eigentlich genau passiert und wie man sich verhalten soll.

Für das Projekt Recht & Netz sollen – in gemeinsamer Besprechung mit den teilnehmenden Studierenden – Fragen ausgewählt werden, die einen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad haben und in unterschiedlichen Formaten bearbeitet werden können. Manche Fragen können mit dem grundlegenden Wissen der Anfangssemester erschlossen werden. Beleidigende Äußerungen sind auch im Internet strafbare Beleidigungen (allerdings kann sich das Problem anonymer Äußerungen und die Frage nach der technischen und rechtlichen Aufhebbarkeit der Anonymität stellen). Andere Fragen verlangen die Auseinandersetzung mit Spezialmaterien (Datenschutzrecht, Presserecht, Telekommunikationsrecht). Inwieweit ist ein Provider Adressat von Rechtsansprüchen; wie weit reicht die Meinungsäußerungsfreiheit bei Bewertungsportalen? Manchmal muss man die traditionellen Teilrechtsgebiete zusammenbringen und neue Lösungen entwickeln. Muss man beispielsweise neben den Grundrechten des Grundgesetzes – Meinungsäußerungsfreiheit, Pressefreiheit, Rundfunkfreiheit, Telekommunikationsgeheimnis – ein neues einheitliches Grundrecht der Internetfreiheit entwickeln?  Manche Themen werfen komplexe, sich für eine Promotion eignende Probleme auf. Wer „regiert“ das Netz, und welche Möglichkeiten gibt es, der wachsenden Macht der "Internetriesen" wie Google oder facebook rechtlich, etwa durch kartellrechtliche Instrumente, zu begegnen? Lässt sich das Datenschutzrecht als Machtbegrenzungsinstrumentarium einsetzen, indem die Möglichkeiten von Internetdiensteanbietern, die personenbezogenen Daten ihrer Nutzer und Nutzerinnen zu verwenden, eingeengt werden? In der Cyber Law Clinic haben wir außerdem immer wieder die Erfahrung gemacht, dass eine gute rechtliche Lösung im Bereich Internet und Social Media ohne ein grundlegendes Verständnis der Datenverarbeitungs- und Informationstechnik oder der verschiedenen Interessen und Akteure kaum möglich ist. Zum Beispiel kann das Einbetten von Inhalten auf einer Website durch private Nutzer durch unterschiedliche Techniken erfolgen und zieht dann jeweils eine andere rechtliche Bewertung nach sich, je nachdem, ob es sich um ein Vervielfältigung von Inhalten oder um eine Weiterleitung handelt. Der Persönlichkeitsschutz im Internet hinkt der Technik nicht selten hinterher. Man muss deshalb die Fähigkeit entwickeln, sich das Wissen anderer Disziplinen anzueignen und es überzeugend mit rechtlichen Lösungen zu verknüpfen.

Im  Projekt Recht & Netz sollen unterschiedliche Beiträge im genannten Feld ausgearbeitet und als Ergebnis auch für die Öffentlichkeit sichtbar werden. Die Studierenden können wegen der Vielfältigkeit der denkbaren Themen allein oder gemeinsam verschiedene Beiträge verfassen, die das Projektteam jeweils betreut. Das kann ein kleiner oder größerer Beitrag auf der im Rahmen des Projekts angelegten Webseite, ein zusätzlicher Beitrag in dem durchgeführten Seminar und/oder eine Publikation in dem vorgesehenen Sammelband sein. Bereits jetzt betreuen Studierende auf der Webseite der Cyber Law Clinic die Sammlung aktueller Rechtsprechung und das Web 2.0-Glossar, das zentrale Begriffe oder Techniken im Bereich Social Media erklärt. Für die neue Projekt-Webseite in Betracht kommen kurze, für die Öffentlichkeit verständliche Aufbereitungen einer besonders relevanten Gerichtsentscheidung, Kurzkommentare oder auch Pro- und Contra Kontroversen, etwa zur Entscheidung des EuGH zum Recht auf Vergessenwerden. Denkbar sind auch längere Texte, die in ggf. interdisziplinärer Zusammenarbeit von Studierenden der Rechtswissenschaft und der Informatik das Spannungsfeld von Recht und Technik beleuchten. Anknüpfungspunkte können wiederum praktische Fragen oder Fälle sein, etwa: Wie werden Cookies rechtlich behandelt und sind sie technisch eigentlich noch relevant? Welche Rechte stehen mir auf Facebook zu, sind die AGBs rechtmäßig, wie kann ich die Einstellungen so gestalten, dass ich mich bestmöglich schütze, und habe ich technisch überhaupt eine solche Chance? Größere, gründliche und ggf. interdisziplinär erarbeitete Texte sollen in einem gesonderten Sammelband veröffentlicht werden. Dies bietet sich für Studierende am Promotionsbeginn an, zumal einer der beiden in Hamburg notwendigen Seminarscheine durch eine wissenschaftliche Veröffentlichung ersetzt werden kann. Diese unterschiedlichen Angebote und Beteiligungsergebnisse (kleine Webseitenveröffentlichung, Seminarschein, Publikation) sollen darauf reagieren, dass sich die Studierenden in unterschiedlichen Phasen des Studiums befinden und unterschiedlich viel Zeit investieren können.

Zielgruppe und Auswahl der Studierenden

Das Projekt richtet sich zunächst an Studierende der Rechtswissenschaft ab dem zweiten Semester, die Interesse und Engagement für rechtliche Fragen im Internet mitbringen. Adressaten sind weiter die Studierenden, die den Schwerpunkt „Information und Kommunikation“ absolvieren, und die Teilnehmer/innen der Cyber Law Clinic. Hinzu sollen Studierende kommen, die vor dem Beginn einer Promotion stehen, ein passendes Thema suchen und Interesse an einer wissenschaftlichen Publikation haben. Darüber hinaus sollen Studierende anderer Disziplinen mit Interesse etwa an Schnittmengen zwischen Recht und Technik angesprochen werden. Bereits jetzt kommen regelmäßig Informatik-Studierende zu Vorträgen oder Theorieterminen der Cyber Law Clinic. Die Diskussionen in diesen Terminen waren äußerst fruchtbar. Damit besteht die Zielgruppe aus Studierenden, die ein überdurchschnittliches Engagement und gegebenenfalls auch schon besondere Fähigkeiten zur Behandlung von Fragen im Bereich Internet und Social Media mitbringen.
 
Projektphasen

Das Projekt ist auf 18 Monate angelegt. Die Studierenden werden mit Rücksicht auf ihre zeitlichen Ressourcen 6 - 13 Monate aktiv beteiligt sein. Sie müssen sich ab Januar 2016 für die Teilnahme bewerben.

Im April 2016 findet die Auftaktveranstaltung statt. Dabei lernen die Teilnehmenden sich kennen; es werden gemeinsam Problemfelder und konkrete Bearbeitungsthemen herausgearbeitet. Dazu werden Teams gebildet, dies auch interdisziplinär. In einem Zwischentermin werden die Fortschritte der Arbeit sowie erste Entwürfe besprochen. In einem zweiten Jour Fixe am Semesterende sollten die ersten kleineren Beiträge fertiggestellt sein. Sie werden im Termin mündlich präsentiert und diskutiert. Anschließend werden sie redigiert und könnten dann Anfang Oktober auf der dann freigeschalteten Webseite veröffentlicht werden.

Etwa in der Mitte des SS 2016 startet der Aufbau der Internetpräsenz. Unter Begleitung einer Agentur für Webdesign sollen die Teilnehmer/innen daran aktiv teilhaben und sich mit den Möglichkeiten des Internets für aktives Publizieren auseinandersetzen. Überraschenderweise sehen sich Studierende bisher kaum als die oft proklamierten „Prosumer“ (Produzent und Konsument in einer Person), sondern eher als Rezipienten. Daher soll die Fähigkeit, mit rechtlichen und technischen Fragen im Netz umzugehen, gefördert werden.

Im WS 2016/17 soll ein Seminar stattfinden, auf dem längere Beiträge zum Erwerb eines Seminarscheins eingebracht werden können. Im Seminar wird die - schon vorher betreute - mündliche Präsentation eines Themas eingeübt, die im Studium oft zu kurz kommt, aber schon in den mündlichen Prüfungen und auch in jedem späteren Beruf sehr wichtig ist. Die Seminarbeiträge sollen nach einer betreuten Überarbeitung zusätzlich auf der Webseite veröffentlicht werden.

Außerdem findet im WS 2016/17 in den bearbeiteten Themenfeldern, vor allem denjenigen der Sammelband-Publikationen, eine auch für ein breites Publikum geöffnete Ringvorlesung statt, die 5 Veranstaltungen mit je 2 Referent/inne/n aus unterschiedlichen Disziplinen, v. a. Recht und Informatik, umfasst. Dies unterstützt die Arbeiten aller Studierenden und vertieft erworbene Kenntnisse.

Die für den Sammelband vorgesehenen Beiträge werden bis Mai 2017 begleitet und für den Druck fertiggestellt. Im Juni 2017 gibt es eine Abschlussveranstaltung und Evaluation des Projekts.

 
Erreichte Lernziele und Fähigkeiten

Am Ende werden die Teilnehmenden vielschichtiges Fachwissen zur Lösung konkreter Fragen, Problemwahrnehmungs- und -lösungsfähigkeiten, Analyse- und Argumentationskompetenzen, Fähigkeiten zur mündlichen Präsentation, interdisziplinäres Verständnis, Fähigkeiten zur verständlichen Vermittlung rechtlicher Lösungen und Medienkompetenz erworben haben.

Nachhaltigkeit

Die Webseiteninhalte sollen auch nach dem Projekt bestehen bleiben. In den angelegten Formaten sollen sie u. a. mit Hilfe der Teilnehmenden der Cyber Law Clinic weiter geführt werden. Auf diese Weise stehen anderen Studierenden ebenso wie der Öffentlichkeit hilfreiche Informationen zum Thema Recht & Netz zur Verfügung. 

Universität Hamburg: "M-Lab: Das Lehrlabor für die Entwicklung Mobiler Apps"

Projektleiter: Prof. Dr. Walid Maalej

 

M-Lab: Das Lehrlabor für die Entwicklung Mobiler Apps

Prof. Dr. Walid Maalej, Universität Hamburg

„Sage es mir und ich vergesse es, zeige es mir und ich erinnere mich, lasse es mich tun und ich behalte es“ – Konfuzius

Das ist der Leitsatz von M-Lab. In diesem Lehr- und Innovationslabor entwickeln Studierende des Fachbereichs Informatik in kleinen Teams unter realen Projektbedingungen und unter Termindruck innovative Apps für reale „Kunden“ aus Wirtschaft, Gesellschaft und der öffentlichen Hand. Dabei verwenden sie die neuesten Technologien und Entwicklungswerkzeuge und „erleben“ die Theorie und die Methoden des Software- Engineerings und Projektmanagements hautnah. Sie machen wertvolle Erfahrungen im Teamwork und in der Kommunikation mit „Kunden“.

M-Lab findet ein Mal pro Semester statt und besteht aus zwei Teilen: einem praktischen Teil (Projekt) und einem theoretischen Teil (Seminar).

Im praktischen Teil arbeitet jedes Studententeam an einem Softwareprojekt und durchgeht dabei alle Phasen der Softwareentwicklung, wie u.a. Problemdefinition, Anforderungserhebung, Analyse, Entwurf, Implementierung, Integration, Testen, Softwareübergabe und Präsentation. Pro Projekt werden die Projektziele von einem Unternehmen, einem Verein oder einer Behörde definiert. Ein Team besteht aus 4-6 Studierenden, die unterschiedliche Studienschwerpunkte aufweisen, wie beispielsweise Informatik, Mensch-Maschine-Kommunikation, IT Management und Consulting oder Wirtschaftsinformatik. Studierende aus anderen Fachrichtungen mit Informatik als Nebenfach können ebenfalls teilnehmen.

Der theoretische Teil findet im Rahmen eines wöchentlichen Seminars statt. Jede Woche wird eine Phase (bzw. ein Thema) im Softwarelebenszyklus durchleuchtet, reflektiert und diskutiert. Die Themen werden zeitlich so geplant, dass sie zu dem voraussichtlichen Projektfortschritt der Teams passen. Die Unterrichtsmaterialien werden den Studierenden vorab online in Form von Videos und Folien zur Verfügung gestellt. Das Seminar besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil präsentiert jedes Team, wie es das aktuelle Thema (z.B. Anforderungserhebung) ausführen will und welche theoretischen Elemente (Methoden, Werkzeuge, Vorgehensweisen) sich am besten für das Projekt eignen und warum. Im zweiten Teil wird allgemein über die Projektentscheidungen der Studierenden mit den Lehrenden und den anderen Teams diskutiert, Alternativen besprochen sowie Erfahrungen aus bisherigen Entscheidungen reflektiert.

Die Veranstaltung hat 3 Meilensteine:

„Problem Statement“ und „Hello M-lab“: Die Abgabe von einem kurzen Dokument, das die Ausgangssituation und die groben Projektziele beschreibt sowie die Erstellung eines Projektgerüsts inklusive der Kommunikations- und Entwicklungsinfrastruktur.
„Design Review“: Abgabe und Präsentation der detaillierten Spezifikation der Anforderung und Architektur der App.
Kundenakzeptanztest: die Abgabe der lauffähigen App (Prototyp), der finalen Dokumentation und des Trailers sowie die Präsentation der Ergebnisse im Rahmen eines öffentlichen Events.
Das Konzept von M-Lab wurde in den letzten zwei Jahren entwickelt und erprobt und das Feedback der Studierenden und die Erfahrung der Lehrenden immer wieder verbessert. Durch eine Förderung im Rahmen des Programms 'Unseren Hochschulen' wird die Fortführung dieses erfolgreichen und innovativen Lehr- bzw. Lernkonzeptes gesichert, was aufgrund diverser Sparmaßnahmen sonst nicht möglich ist. Zudem ermöglicht die Anschubfinanzierung die einmalige Erstellung von Lehrmaterialien (insbesondere Lehrvideos für den theoretischen Teil und Projektschablonen für den praktischen Teil) sowie die Entwicklung eines Rahmenwerks für die nachhaltige Förderung des Projektes durch die Beteiligung von Kooperationspartnern und öffentlicher Fördermaßnahmen für Innovation und Qualitätslehre.

Lehrmethoden

Die Veranstaltung setzt verschiedene Lehrmethoden ein.

Tutorials

Die wichtigen Technologien (z.B. iOS, Android) und Werkzeuge (z.B. Eclipse, Github) werden den Studierenden in 2-3 Tutorials vor dem offiziellen Projektbeginn nahe gebracht. Hier haben auch Studierende mit nur geringer Kenntnis im Bereich Softwaretechnik die Gelegenheit sich auf den Projektstart besser vorzubereiten. Ein Tutor erarbeitet „live“ ein kleines Demoprojekt und unterstützt die Studierenden in Zweierteams ihm zu folgen. Das Ziel des Tutoriums ist es, die Studierenden mit der Technologie vertraut zu machen sowie ihre Vorkenntnisse zu erfassen, um später ausgewogene Projektteams zu bilden.

Ice-Breaker

Dieses Gruppenspiel findet vor dem offiziellen Start des Projekts statt. Es soll die Studierenden für die anstehende Teamarbeit sensibilisieren, die Kommunikationshürden überwinden und eine offene Atmosphäre vermitteln. Die Studierende nehmen in Teams an einem „Bastelspiel“ teil: zum Beispiel, wer baut den höchsten Papierturm mit begrenzten Ressourcen. Dabei erleben sie im Blitzdurchlauf einige Projektschwierigkeiten (Anforderung, Entwurf, Realisierung, Kommunikation, Zeitmanagement...).

Flipped Class Room

Die Lehrziele des Seminars werden auf Basis des aktuellen Stands der Forschung im Bereich Softwaretechnik geplant. Die Themen (wie Anforderungserhebung, Systementwurf, Objektentwurf, Usability...) werden so gegliedert, dass sie zeitlich zum Projektverlauf passen. Dadurch sollen sich die Studierenden Gedanken zu den allgemeinen Softwareentwicklungsmethoden im Seminar machen und sie durch konkrete praktische Erfahrungen im Projekt verinnerlichen. Im Seminar müssen die Studierenden ihre Projektentscheidungen (z.B. welche Methode sie für die Anforderungserhebung verwendet haben, welches Testmuster und welche Werkzeuge sie für die Qualitätsüberprüfung verwendet haben) jede Woche präsentieren. Zudem diskutieren sie die Entscheidungen der anderen Teams mit und lernen dadurch auch von den anderen Studierenden.

Projekt

Im praktischen Teil setzen die Studierenden ihre Kenntnisse und Fertigkeiten ein, um die Software zu entwickeln sowie den Projektverlauf zu dokumentieren. Diese Ergebnisse können begutachtet werden und zeigen auf, inwieweit die Studierenden in der Lage sind die behandelnden (zum Teil abstrakten) Lehrinhalte konkret anzuwenden. 

Coaching und Meetings

Die M-Lab Teams treffen sich einmal pro Woche mit ihrem Betreuer (wissenschaftlicher Mitarbeiter), um den Projektstatus und eventuelle Probleme zu besprechen. Die Kundentreffen werden grundsätzlich von den Studierenden selbst organisiert und durchgeführt. 
Zu Beginn von jedem Treffen gibt es ein maximal 15-minütiges Standup-Meeting, in dem jedes Teammitglied drei Fragen beantwortet:
Woran habe ich in der letzten Woche für das Projekt gearbeitet?
Gibt es Probleme, die mich momentan aufhalten?
Welche Aufgaben stehen für die nächste Woche an?
Das Standup-Meeting soll alle Teammitglieder und den Betreuer auf den gleichen Stand bringen. Außerdem soll das Meeting frühzeitig Probleme sichtbar machen, die nach dem Standup-Meeting näher besprochen werden können. Die Studierenden haben die Gelegenheit Fragen zu stellen und mit dem Betreuer Ideen zu diskutieren.

Blended Learning

Die Lehrmaterialien für den Seminarteil werden als digitale Medien, insbesondere in Form von kurzen 20 minütigen Videos zur Verfügung gestellt. Zusätzlich werden die Projekte selbst mit einer Kombination aus einer E-Learning Plattform und einer digitalen Entwicklungsumgebung unterstützt. Dadurch kann eine maximale Lehr- und Vermittlungseffizienz durch die Kombination von digitaler und Präsenzlehre (Blended Learning Verfahren) erreicht werden.

Jedes Projekt wird in einem Versionskontrollsystem verwaltet, welches es ermöglicht, jede Veränderung im Projekt zu verfolgen. Das entspricht dem Stand der Technik in der Softwareentwicklung. Zu jeder aufgezeichneten Veränderung ist auch der jeweilige Student assoziiert, der sie verursacht hat. Dadurch kann der Betreuer den „Beitrag“ jedes einzelnen Studierenden näher beobachten und ggf. darauf in einem persönlichen Gespräch näher eingehen. Die aufgezeichneten Informationen können zum Verfolgen des gesamten Projektfortschrittes sowie zur Überprüfung des vorhandenen Wissens verwendet werden.

Wettbewerbe: spielerisch lernen

Ein Wettbewerb findet unter Teilnehmern des Ice-Breaker Events statt. Wer den höchsten Turm innerhalb von 15 Minuten baut, bekommt einen kleinen symbolischen Preis. Ein weiterer Wettbewerb findet im Rahmen des Tutorials statt. Das Team, das die Demoprojekte vollständig und rechtzeitig erstellt, gewinnt ebenfalls einen kleinen Preis und wird bei dem Kickoff Event vor den eingeladenen Kunden geehrt. Der wichtigste Wettbewerb findet bei dem Kundenakzeptanztest statt. Das Team mit der besten Präsentation wird öffentlich geehrt, bekommt eine Urkunde und eine zwei jährige Mitgliedschaft in der Gesellschaft für Informatik.
Bisherige Erfahrungen und Feedback von Studenten

Wir haben diese Veranstaltung in den letzten Jahren entwickelt und mehrmals mit großem Erfolg erprobt. Das Konzept, wie es in diesem Antrag genau beschreiben wird, ist neu und entstand aus den bisherigen Erfahrungen.

Auf der Webseite unserer Arbeitsgruppe können bisherige M-Lab Projekte eingesehen werden. Als Beispiel wird hier der Link zur M-Lab SoSe 2014 Webseite angegeben. Die Trailer der bisherigen Projekte sind auf unserem Youtube Channel zu sehen.
Die bisherige Erfahrung hat gezeigt, dass die Einstellung der Studierenden gegenüber dieser Lehrveranstaltung sehr positiv ist, was mit folgenden Faktoren zusammenhängt:
Die Erfahrungen, die Studierende in den Projekten machen, vermitteln die theoretischen Grundlagen zur Softwareprojektentwicklung und dem Management optimal.
Es handelt sich um reale Aufgabenstellungen und reale Projektrahmen (echte Daten, Deadlines, Infrastruktur...). Dies motiviert Studierende sehr und gibt ihnen ein Gefühl der Verantwortung und Herausforderung.
Das Projektkonzept ermöglicht Studierenden echte Teamarbeit zu erleben. Sie verbessern ihre Kommunikations- und Präsentationsfähigkeiten.
Zwischen den verschiedenen Teams entsteht ein gesunder Wettbewerb darüber, wer die besten Ergebnisse liefert und präsentiert.
Nicht zuletzt sind die Ergebnisse oft sehr brauchbar und können nach der Veranstaltung zu einem realen Produkt führen. Es können Startups, Jobangebote oder Open Source Lösungen, für z.B. benachteiligte gesellschaftliche Gruppen entstehen.
Bisherige Teilnehmer haben sich insbesondere gewünscht, den theoretischen Teil durch kurze, prägnante Lernvideos zu unterstützen, die sie Vorab anschauen können - bei Bedarf mehrfach. Zudem kam mehrfach der Wunsch von Lernenden und Lehrenden nach einem System zur Erstellung und Abnahme der Projektlieferungen inklusive Dokumentationsschablonen auf. Beides soll durch diesen Antrag realisiert werden. 


 

Gewinnerprojekte 2014

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Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg: "Virtuelles Hospital"

Projektleiter: Prof. Dr.-Ing. Boris Tolg

 

Virtuelles Hospital

Prof. Dr.-Ing. Boris Tolg, HAW - Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Das Projekt „Virtuelles Hospital“ soll im Rahmen der Förderung durch die Claussen-Simon-Stiftung um ein Modul „Rescue Engineering“ erweitert werden. Das Modul soll es Studierenden der HAW Hamburg ermöglichen, während ihrer Ausbildung in simulierten Szenarien erste Einsatzerfahrungen zu sammeln.

Kompetenzbasiertes Wissen lässt sich mit dem Medium Computersimulation mittlerweile in hervorragender Weise in komplexen Szenarien realitätsnah abbilden. Durch virtuelle Trainings lassen sich Handlungsabläufe und deren sichere Anwendung gut vermitteln. Grundvoraussetzung für die kompetente Vermittlung von Wissen ist die möglichst hohe Evidenz der Inhalte.

Das Projekt wird in einer Kooperation zwischen der HAW Hamburg (Entwicklung 3D Umgebung, Programmierung, Softwaredesign), dem Simulations-Patienten-Programm (SPP) der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (Kompetenzbereich didaktische Evaluation der Lernzielumsetzung und Usabilitytests) und der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Essen (medizinische Fach- und Leitlinienkompetenz) durchgeführt.

Für das Modul „Rescue Engineering“ (RE) sollen zusätzlich die Kompetenzen der Lehrenden des Studiengangs sowie die Erfahrungen der Studierenden in das Softwarekonzept einfließen. In mehreren Trainings soll ein Organisationsteam, bestehend aus RE Studierenden, zunächst die Fachkompetenz erwerben, um eigene Einsatzszenarien für die Simulation zu entwerfen und umzusetzen. Diese Einsatzszenarien sollen dann zunächst in der Realität umgesetzt werden, um die Nutzbarkeit der Simulation bewerten zu können. Dazu soll das Organisationsteam Studierende der HAW Hamburg einladen, als Schauspieler an den Einsätzen teilzunehmen. Die Studierenden bekommen Fallbeschreibungen sowie Handlungsvorgaben, die durch das Organisationsteam erarbeitet wurden.

Parallel zu der Planung der in der Realität durchgeführten Szenarien beginnt die Umsetzung in der virtuellen Realität. Diese wird ab einem bestimmten Zeitpunkt permanent durch das Organisationsteam getestet. Abschließend werden die Szenarien durch Studierende der HAW in der virtuellen Realität der Software durchgeführt um einen Vergleich der beiden Simulationsmethoden zu ermöglichen. Die Einsatzszenarien der virtuellen Realität stehen dann dauerhaft für die Ausbildung der Rescue Engineering Studierenden zur Verfügung.

Dieses Wissen und die gesammelten Erfahrungen des SPP in Essen und der Experten aus Hamburg sollen den Studierenden im Studiengang Rescue Engineering der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Form von Workshops vermittelt werden. Inhalt der Workshops sind Kurse zum realistischen Schminken von Verletzungen, Planung und Organisation von Einsatzszenarien, Grundlagen der Simulation in der virtuellen Realität, sowie Erstellung von Fragebögen für die Lehrevaluation.

Die Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen bildet im Lehr- und Lernzentrum Medizinstudierende an Simulationspatienten aus. Das SPP unter der Leitung von Fr. Merse verfügt bereits über eine langjährige Erfahrung in der Ausbildung in praktischen und kommunikativen Fertigkeiten der Ärzte von Morgen. Neben den Basistechniken wird das ärztliche Handeln im geschützten Rahmen unter Supervision mit Simulationspatienten vermittelt, um dann praktisch und kommunikativ gut vorbereitet unter realen Bedingungen in die Patientenversorgung übertragen zu werden.

Bestimmte Fertigkeiten lassen sich jedoch mit Simulationspatienten oft nur mit großem finanziellem und personellem Aufwand realisieren, sodass sie nicht im erforderlichen Umfang alle Studierenden in der Präsenzlehre zur Verfügung gestellt werden können. Im klinischen Alltag können z.B. nur Teilaspekte am Patientenbett vermittelt werden und abhängig vom aktuellen Patientenklientel und dem als Dozenten zur Verfügung stehendem ärztlichen Personal.

In der aktuellen Ausbildung gibt es keine Möglichkeit Stresssituationen als Teil der Ausbildung dauerhaft im geschützten Rahmen unter Supervision und fachlichem Feedback anzubieten. Eine Bewertung der Leistungen unter nicht standardisierten Bedingungen wäre schwierig und personell nicht abbildbar. Eine Prüfung im Format einer OSCE-Prüfung ist der aktuelle Standard der objektiven strukturierten Prüfung von praktischen und kommunikativen Fertigkeiten.

Die Dozenten erhalten die Möglichkeit durch reproduzierbare Szenarien und anhand identisch aufgezeichneter Parameter objektive Vergleiche bezüglich des Wissensstandes und der Prüfungsleistungen der Studierenden zu ziehen.

Mit der Entwicklung und Implementierung einer Computersimulation als Trainingsmedium soll allen Studierenden die Möglichkeit geboten werden, Grundlagen in der Erstbegehung eines Unfallortes durch die Anwendung des theoretischen Wissens lernzielorientiert anwenden zu können. Durch die virtuellen Trainingsbereiche kann dies individuell, zeitunabhängig und ressourcensparend angeboten werden.

Die Ziele des Projektes sind demzufolge:

Die Konzeption und Implementierung von selbsterklärenden, simulationsgestützten Trainingsszenarien auf der Basis einer 3D-Engine (HAW, Prof. Tolg) für die (Echtzeit- und Trainings-) Simulation. Die Studierenden erhalten die Möglichkeit in den unterschiedlichen Funktionsbereichen ihr theoretisches Wissen zu vertiefen und Handlungsroutinen erwerben und erproben zu können.

Literatur:

  • „Serious Games for Health – ernstzunehmende didaktische Konzepte im der medizinischen Ausbildung?“, Daniel Tolks, Martin. R. Fischer; GMS Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie 2013, Vol. 9(1), ISBN 1860-9171
  • „Didaktische Konzeption von Serious Games: Zur Verknüpfung von Spiel- und Lernangeboten.“, Kerres, M; Bormann M & Vervenne M; Zürich: MedienPädagogik, 2009, URL: www.medienpaed.com/Documents/medienpaed/2009/kerres0908.pdf [26.10.2013]
  • „Simulationen und simulierte Welten“; Susan Höntzsch; Uwe Katzy; Klaus Brendl; Frank Kappe; Dirk Krause; Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien 2011, URL: l3t.eu/homepage/das-buch/ebook/kapitel/o/id/32/name/simulationen-und-simulierte-welten [26.10.2013]
  • „Game Based Learning – Spielend Lernen?“; Son Le, Peter Weber, Martin Ebner; Lehrbuch für lernen und lehren mit Technologie 2011, URL: l3t.tugraz.at/index.php/LehrbuchEbner10/article/view/79/38 [26.10.2013]
  • „Design und Entwicklung eines Prototypen zur Simulation der Erstversorgung von Patienten in einer interdisziplinären Notaufnahme“, Arne Klingenberg, Masterarbeit, HAW Hamburg, Erstgutachter Prof. Tolg „Emotionen und Mimik in der digitalen Welt“, Jana Voth, Masterarbeit, HAW Hamburg, Erstgutachter Prof. Tolg

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Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: "Zahn- und Mundgesundheit im Alter: Jung lernt besser, Alt lebt besser."

Projektleiter: Prof. Dr. Guido Heydecke
 

Zahn- und Mundgesundheit im Alter: Jung lernt besser, Alt lebt besser.

Prof. Dr. Guido Heydecke, Universität Hamburg

Projektidee

Was ist das Problem?
In Deutschland sind rund 2,3 Millionen Menschen pflegebedürftig. Davon werden über 700.000 vollstationär in Pflegeheimen betreut (Quelle: Stat. Bundesamt 2011). Auf Hamburg bezogen betrifft es ca. 50.000 Pflegebedürftige, wovon ca. 20.000 in Pflegeheimen betreut werden. Um diese ist es laut Experten schlecht bestellt. „Wir wissen, dass viele Heimbewohner zahnmedizinisch unterversorgt sind (1). Regelmäßige Visiten von Zahnärzten bei Patienten, die nicht mehr mobil sind, sind eine Seltenheit“, berichtet ein Oberarzt aus unserer Abteilung.
Schlechte Mundgesundheit hat weitreichende Folgen. Wer ständig Schmerzen beim Kauen hat, kann kaum noch gesunde Nahrung zu sich nehmen, es drohen Mangel-und Unterernährung. Die Lebensqualität dieser Patienten ist dadurch deutlich eingeschränkt.
Ursachen dafür sind unter anderem Zeitmangel der Pflegekräfte, ungenügende strukturelle Voraussetzungen für die Erbringung von Gesundheitsleistung, aber auch unzureichende Betreuung alter und pflegebedürftiger Patienten durch Zahnärzte.
Studierende der Zahnmedizin werden nur unzureichend auf alte Patienten mit reduzierter Belastbarkeit und Eigenverantwortlichkeit vorbereitet. Das gehäufte gleichzeitige Auftreten verschiedener Grunderkrankungen (Multimorbidität) bedarf einer engen Zusammenarbeit von Medizin und Zahnmedizin. Bisher beruht die Vermittlung der wenigen Lehrinhalte im Bereich der Seniorenzahnmedizin hauptsächlich auf theoretischer Basis und beschränkt sich ausschließlich auf zahnmedizinische Aspekte.
Genau hier wollen wir mit unserem Projekt ansetzen und vorangegangene Ausbildungskonzepteum ein praxisorientiertes Ausbildungsmoduls erweitern und dieses darüber hinaus langfristig implementieren und verstetigen.
Ziel hierbei ist es, die bisher fehlende Ausbildung im Bereich der Seniorenzahnmedizin zu ermöglichen und mit einem interdisziplinären Ausbildungskonzept die Qualifikation unserer Studierenden nachhaltig zu stärken.
Was macht unser Projekt besonders? Was ist neu? Was zeichnet unser Vorhaben aus?
 

  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit von Medizin und Zahnmedizin
  • Praxisorientierte Herangehensweise(Patientenbehandlung vor Ort)
  • Optimierung der Lehre im Sinne der neuen Approbationsordnung Zahnärzte (AOZ, wird 2015 in Kraft gesetzt)
  • Innovative Lehr- und Lernform (Problemorientiertes Lernen am Patienten in Kleingruppen, gegenseitiges Lernen)
  • Besondere Herausforderung durch spezielle Patientengruppe und „erschwerte“ Behandlungsbedingungen

 
Im Rahmen eines Pilotprojektes in der Vergangenheit konnten wir die Realisierbarkeit unserer Initiative in Hamburg testen. Unter den Studierenden war ein außerordentlich hohes Maß an Engagement und Interesse festzustellen.
Die abgefragten Pflegeheime sind von unserer Initiative begeistert. Wir besuchten bereits zwei Einrichtungen von pflegen und wohnen.
Struktur des Projektes

Das Projekt ist jahresweise angelegt.

Theoriemodul (Vorlesungen und Seminare): WS 2014/2015 + SS 2015; Beginn: Dez. 2014
Praxismodul (Praktika und Behandlungen): SS 2015 + WS 2015/2016; Ende: Jan. 2016

Prognostiziert wird ein Start mit etwa 60 Studierenden, was sich auf etwa 120 Studierende im Laufe des Projekts steigern sollte. Alle Studierenden ab dem 4. Fachsemester können an dem Projekt teilnehmen, dessen Lehrveranstaltung einmal wöchentlich stattfinden soll. Dabei erhalten Vorkliniker die Möglichkeit das Theoriemodul vollständig und das Praxismodul in Form einer Hospitanz wahr zunehmen. Kliniker nehmen darüber hinaus aktiv am Behandlungsablauf teil.
Die Studierenden können ihre Teilnahme am Projekt jährlich, insgesamt bis zu drei Jahren, verlängern. So können die Studierenden ihre Patienten auch über einen längeren Zeitraum begleiten und einen besseren Einblick in Bedeutung und Erfolge zahnmedizinischer Betreuung gewonnen werden.
Die Studierenden lernen, ausgehend von gestellten Diagnosen, Belastbarkeitsstufen für die Patienten zu erstellen. So kann gleichzeitig ein theoretischer und einen auf der Belastbarkeitsstufe basierenden relativierter Behandlungsbedarf ermittelt werden. Der konkrete Therapieplan wird mit dem Zahnarzt und dem Arzt des Praktikums entwickelt. Als Referenten werden Mitarbeiter der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und dem Institutfür Allgemeinmedizin Vorträge halten. Externe Referenten werden diese im Bereich Geriatrie, Pflege und Seniorenmedizin ergänzen.
Theoriemodul

In den stattfindenden Vorlesungen und Seminaren werden die Studierenden hinsichtlich des  Betreuungsbedarfs von älteren und multimorbiden Patienten fachkundig ausgebildet. Dabei werden allgemeinmedizinische Aspekte eine starke Gewichtung finden. Da in den Heimen primär Bewohner mit stark eingeschränkter Selbstbestimmung (z.B. auf Grund von Demenz oder Wachkoma) betreut werden, ist dies oft mit erheblichen Herausforderungen verbunden.
Vorlesungen

Themen der Vorlesungen werden sein:
• Epidemiologie des Alters
• Soziale und ökonomische Aspekte des Alterns und des alten Menschen
• Physiologische und pathologische Veränderungen im Alter
• Multimorbidität und Medikamente im Alter
• Geriatrisches Assessment
• Physische und psychische Barrieren
• Betreuungskonzepte und Behandlungsstrategien
• Nachsorge
Seminare

In den Seminaren werden die Inhalte der Vorlesungen in Kleingruppen vertieft. Der Umgang mit Patienten mit eingeschränkter physischer und psychischer Gesundheit wird praktisch mit Hilfe von Simulationspatienten erprobt. Besonderes Augenmerk gilt dabei den dementiell erkrankten Patienten.
Allgemeinmedizinische Untersuchungsmethoden und Hintergründe der bei der klinischen Untersuchung der Senioren anzuwendenden Instrumente (Fragebögen) werden von Mitarbeitern des Instituts für Allgemeinmedizin praktisch mit den Studierenden angewendet. Die zahnmedizinische Untersuchung und Behandlung wird von Mitarbeitern der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik demonstriert und mit den Studierenden geübt.
Praxismodul

Nach den theoretischen Ausbildungseinheiten folgen die Praktika in den Pflegeeinrichtungen. Die Studierenden lernen hierbei die Pflegeheimbewohner zu untersuchen, den Behandlungsbedarf zu ermitteln, einen individualisierten Behandlungsplan zu erstellen und auf Wunsch der Patienten diesen mit erfahrenen Zahnärzten umsetzen.

Praktika

Als Kleingruppenunterricht mit je 4 Studierenden erfolgen die Besuche im Pflegeheim. Diese Gruppe wird dabei von einem erfahren Zahnarzt begleitet. Die Studierenden setzen die theoretischen Kenntnisse und Fertigkeiten in der Praxisum. Insgesamt ist eine Teilnahme der Studierenden an 6 aufeinander folgendenPraktika vorgesehen, zu denen immer dieselben Senioren untersucht werden, um etwaige gesundheitliche Veränderungen erfassen zu können.
Im Pflegeheim werden von jeder Gruppe etwa 4-6 Patienten hinsichtlich ihrer Mundgesundheitund des Ernährungszustands befragt. Des Weiteren erfolgt eine klinische Untersuchung hinsichtlich Zahn- und Prothesenstaus, Ernährungszustand (Body Mass Index, Mini Nutritional Assessment), neuro­muskulärer Defizite (Motilitätstest nach Tinetti) und ein psychosoziales Screening (Mini Mental Status, Hospitality Anxiety Depression Scale) wird durchgeführt.
Behandlungen

Wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind, erfolgt eine zahnmedizinische Behandlung der Patienten im Pflegeheim. Dazu sind wir durch unsere mobile Behandlungseinheit optimal ausgestattet.
Die zahnmedizinischen Behandlungen umfassen primär:
• Verbesserung der Mundhygiene
• Schmerzbehandlung
• Chirurgische und konservierende Sanierung
• Reparatur und Anfertigung von Zahnersatz
•  Nachsorge

Fallbesprechungen

Die Fallbesprechungen dienen der Aufarbeitung und gemeinsamen Diskussion der betreuten Patienten und deren Behandlung. Dadurch soll das von einzelnen Studierenden erworbene Wissen und die Erfahrungen mit anderen Studierenden geteilt werden. Hierbei kommt es zu einer „Multiplikation“ des Erkenntnisgewinns. Die Studierenden lernen von sich gegenseitig.
 
Einbindung der Studierendenvertretung

Die Fachschaft Zahnmedizin hat zur Unterstützung des Projektes "Zahn- und Mundgesundheit im Alter" projektbegleitende Informationen für Studierende erarbeitet, die für Interessierte im Büro der Fachschaft bereit gehalten werden.

Universität Hamburg: "Überlebensgeschichte(n): Trauma und Erinnerung als Gegenstand angewandter Romanistik"

Projektleiterin: Prof. Dr. Silke Segler-Meßner
 

Überlebensgeschichte(n): Trauma und Erinnerung als Gegenstand angewandter Romanistik

Prof. Dr. Silke Segler-Meßner, Universität Hamburg

1. Ausgangssituation

Zu den Besonderheiten des Instituts für Romanistik gehört der Dialog zwischen Studierenden und den Professoren bzw. Professorinnen. Bereits im Einführungsmodul lernen die Studienanfänger und –anfängerinnen ihre späteren Prüfer und Prüferinnen kennen. Insofern mangelt es an unserem Institut nicht an Möglichkeiten der Zusammenarbeit, wohl aber an anwendungs- und handlungsorientierten Projekten, die Theorie und Praxis miteinander verbinden. Häufig genug absolvieren die Studierenden in der vorlesungsfreien Zeit die gewünschten und notwendigen berufsorientierenden Praktika, während die Professoren und Professorinnen an ihren Forschungsprojekten arbeiten oder Publikationen vorbereiten.

Ziel des Projekts „Überlebensgeschichte(n): Trauma und Erinnerung als Gegenstand angewandter Romanistik“ ist es, ein neues Lehrformat zu entwickeln, das zum einen als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis fungiert und damit eine strukturelle Leerstelle schließt und zum anderen das gängige Vorurteil gesellschaftlicher Irrelevanz widerlegt, mit dem sich die Geisteswissenschaften und auch die Romanistik konfrontiert sehen. Ein Studium der Romanistik erschöpft sich weder im Erlernen der romanischen Sprachen noch in der Aneignung eines rein fachspezifischen Wissens. Im Gegenteil, es vermittelt eine Vielzahl an berufsrelevanten Kompetenzen und kann aktiv an der Gestaltung des kollektiven Gedächtnisses partizipieren, wie das folgende Projekt zeigen wird.

2. Gegenstand

Was passiert mit der Erinnerung, wenn die Zeitzeugen sterben und es keine Überlebenden mehr gibt, die von dem Grauen in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern Zeugnis ablegen können? Sie wird zu einem Gegenstand transgenerationeller Gedächtnisarbeit in Theorie und Praxis und das nicht nur in den Geschichtswissenschaften, sondern auch in der Romanistik bzw. in den romanischen Kulturwissenschaften. Seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts stehen die Wechselwirkungen von Gedächtnis, Erinnerung und Vergessen in ihren sowohl individuellen als auch kollektiven Dimensionen im Zentrum kulturwissenschaftlicher Forschung. So sind in der Romanistik zahlreiche Arbeiten und Beiträge entstanden, die sich mit dem Zweiten Weltkrieg als kollektivem Trauma und der Frage der Herausbildung und Gestaltung sowohl individueller als auch kollektiver Erinnerungsnarrative beschäftigen. Der Widerstand gegen die deutsche Besatzungsmacht ist in Frankreich und Italien von zentraler Bedeutung für das nationale Selbstverständnis. Die zahlreichen Zeugnisse der Überlebenden, die zum Opfer politisch oder ethnisch motivierter Gewalt geworden sind – zu den wohl bekanntesten Überlebensschriften gehören die Werke Primo Levis und Robert Antelmes -, besitzen nicht nur dokumentarischen Wert, sondern sind gleichzeitig auch Artefakte der romanischen Erinnerungskulturen, die es zum einen in ihrem Gemacht-Sein zu erforschen gilt und die zum anderen zu einer Auseinandersetzung mit der Erfahrung von Verletzbarkeit und systematischer Zerstörung menschlicher Existenz auffordern. Diese Beschäftigung mit dem Erbe von Verfolgung, Deportation und Vernichtung findet in zahlreichen Texten und Filmen der so genannten zweiten und dritten Generation statt und bildet den Ausgangspunkt der gemeinsamen Projektarbeit, die die Möglichkeiten der Aktualisierung des kollektiven Traumas der Gewalt ebenso wissenschaftlich wie praktisch erörtert.

3. Präsentation des Projektes

Das Projekt „Überlebengeschichte(n): Trauma und Erinnerung als Gegenstand angewandter Romanistik“ richtet sich an Bachelor of arts/of education-Studierende der Frankoromanistik und Italianistik ab dem 3. Fachsemester und an die Master-Studierenden „Romanische Literaturen“ mit den Schwerpunkten Französisch/Italienisch. In zwei Semestern erschließen sich die Studierenden in einer ebenso wissenschaftlichen wie anwendungsbetonten Perspektive die Überlebensgeschichte(n) in Frankreich und Italien. Das Projekt realisiert sich auf zwei Ebenen: einerseits haben die Studierenden die Möglichkeit, sich für eine Projektgruppe zu bewerben, in der sie praktische berufsorientierende Kompetenzen erwerben und sich zugleich aktiv an der Tradierung und Gestaltung der romanischen Erinnerungskultur beteiligen; andererseits nehmen die Studierenden begleitend an einem Seminar teil, in dem sie gemeinsam mit mir die konzeptuellen Grundlagen erarbeiten und innovative Forschungsfragen wie z.B. wodurch zeichnet sich ein kollektives bzw. kulturelles Trauma aus? diskutieren.

Folgende Projektgruppen stehen den Studierenden zur Auswahl:

Projektgruppe: Theater – In dieser Arbeitsgemeinschaft lesen die Studierenden unterschiedliche französische oder italienische Theaterstücke, die entweder im Lager entstanden sind wie z.B. die Operette Les Verfugbar aux enfers von Germaine Tillon oder das Überleben im Lager zum Thema haben, wie z.B. Charlotte Delbos Chi rapportera ces paroles? Sowohl Germaine Tillon als auch Charlotte Delbo waren Mitglieder der Résistance und sind nach Ravensbrück bzw. Auschwitz deportiert worden. Gemeinsam adaptieren die Studierenden das Stück für eine Aufführung, was auch heißt, dass sie den Text ins Deutsche übersetzen. In zwei Workshops mit einem Regisseur bzw. einer Regisseurin erhalten sie die notwendige fachspezifische Unterstützung für die Inszenierung. Sie müssen auch die Schauspieler und Schauspielerinnen auswählen und sich um das Bühnenbild kümmern.

Projektgruppe: Archivarbeit – Es existiert mittlerweile ein umfassender Korpus an Zeugnissen von französischen und italienischen Überlebenden der deutschen Konzentrationslager. Gleichzeitig befinden sich immer noch im wahrsten Sinne des Wortes „ungelesene“ Erzählungen und Gedichte in den Archiven der Gedenkstätten ehemaliger Konzentrationslager. Diese Arbeitsgemeinschaft setzt sich zum Ziel, wissenschaftliche Pionierarbeit zu leisten und in dem ehemaligen Frauenlager Ravensbrück ebenso wie in dem Männerlager Buchenwald bislang unbearbeitete Texte französischer und/oder italienischer Deportierter zu entdecken und wissenschaftlich zu erschließen. Die Studierenden bereiten gemeinsam die Reise in das jeweilige Archiv vor und treffen sich vor Ort mit der Leitung der Gedenkstätte. Sie lassen das gefundene Archivmaterial digitalisieren, um es vor Ort in Hamburg zu bearbeiten.

Projektgruppe: Topographie der Erinnerung – Bereits die Lektüre von Überlebensgeschichten setzt die imaginäre Vergegenwärtigung des Beschriebenen voraus. Insofern ist der Besuch der ehemaligen Orte und Räume systematischer Vernichtung ein wesentlicher und notwendiger Bestandteil einer transgenerationellen Gedächtnisarbeit. Die Studierenden bereiten in dieser Arbeitsgemeinschaft, die sich in erster Linie an Bachelor/Master of education-Studierende mit den Fächern Französisch und/oder Spanisch richtet, die Exkursionen nach Ravensbrück und Buchenwald vor und konzipieren eine Führung in der jeweiligen romanischen Sprache.

Projektgruppe: Begegnungen – Es gibt eine Vielzahl an französischen und italienischen Autorinnen und Autoren, die sich mit dem Verlust von Familienangehörigen in den deutschen Konzentrationslagern, mit der Frage der Weitergabe von traumatischen Erinnerungen oder mit der Zukunft der Gedenkkultur in ihren Texten auseinandersetzt. Diese Arbeitsgemeinschaft sondiert zunächst das literarische Feld der zweiten und dritten Generation, um sich dem Werk eines/einer Gegenwartsautors, -autorin zu nähern, den sie schließlich zu einem Workshop beispielsweise in Kooperation mit dem französischen Kulturinstitut in Hamburg einlädt.

Jede Projektgruppe setzt sich aus 5 bis maximal 8 Studierenden zusammen und hat einen Projektgruppenleiter bzw. –leiterin, der/die ein Master-Studierender oder ein Doktorand bzw. Doktorandin sein kann. Alle TeilnehmerInnen des Projekts inklusive der Gruppenleitungen treffen sich regelmäßig im begleitenden Seminar, das sich im Sommersemester 2015 mit der Frage der Beschaffenheit von individuellem und kollektivem Trauma innerhalb der französischen und italienischen Erinnerungskultur beschäftigt und im folgenden Wintersemester mir dem Aspekt der medialen Tradierung. So sind Theorie und Praxis eng miteinander verzahnt. Darüber hinaus bieten die organisierten Exkursionen nach Ravensbrück und Buchenwald, an denen möglichst alle Projektmitglieder teilnehmen, auch anderen Studierenden des Instituts die Möglichkeit der Teilnahme. Gleichzeitig liefert dieses Projekt den Prototypen eines anwendungsorientierten Seminars der romanischen Kulturwissenschaft, das auch auf andere Gebiete wie z.B. Gender oder Alltagskulturen adaptiert werden kann, so dass die Lehre nachhaltig von diesem Piloten profitiert. Voraussetzung dafür ist die Implementierung eines Projektseminars im regulären Curriculum unserer Bachelor-und Master-Studiengänge, das thematisch und konzeptuell eng mit studentischen Arbeitsgruppen verzahnt wird. Ab dem Wintersemester 2014/2015 können Master-Studierende der Romanistik im fachspezifischen Optionalbereich Übungen und/oder Seminare insbesondere für die BA-Studierenden anbieten. Insofern sind die formalen Voraussetzungen einer Verankerung von Veranstaltungen im Bereich der angewandten Romanistik gegeben, die sich als eigene Profillinie konstituiert. Durch die gezielte Vergabe von Lehraufträgen erhalten die Studierenden die notwendige fachliche Unterstützung z.B. im Bereich des Theaters, so dass die Nachhaltigkeit einer innovativen, gemeinsamen Projektarbeit garantiert ist. Eine enge Zusammenarbeit mit den Lektoren und Lektorinnen in Französisch und in Italienisch ist bereits für das Projekt „Überlebensgeschichte(n)“ geplant und wird auch zukünftig das Zusammenwirken von Fachwissenschaft und Sprachpraxis verstärken. Als Prodekanin für Studium und Lehre werde ich mich für die Fortsetzung dieser alternativen Arbeitsform an unserem Institut für Romanistik verantwortlich zeichnen und die Kollegen und Kolleginnen zu gewinnen suchen.

Unabdingbare Prämisse für das Gelingen dieser Pilotveranstaltung ist die Koordination der einzelnen Projekte durch einen wissenschaftlichen Mitarbeiter bzw. wissenschaftliche Mitarbeiterin (50 %, 18 Monate).

4. Multimediale Abschlussveranstaltung

Das Projekt „Überlebensgeschichte(n)“ startet im Dezember 2014 mit der Ausschreibung und Bewerbung für die Arbeitsgruppen und beginnt offiziell am 1. April 2015. Am Ende des Sommersemesters, d.h. in der ersten Juliwoche 2015 werden die Zwischenergebnisse in einem Workshop präsentiert. Auf diese erste Phase der konzeptionellen Vorbereitung des jeweiligen Vorhabens in den einzelnen Projektgruppen folgt die Ausarbeitung in Phase 2, in die auch die Exkursionen fallen. Die Ergebnisse des Projektes werden in einer multimedialen Abschlussveranstaltung der Öffentlichkeit präsentiert, die idealerweise Ende April/Anfang Mai 2016 stattfinden soll. Das inhaltliche Gerüst bilden hier Vorträge des wissenschaftlichen Nachwuchses und ausgewählter Experten und Expertinnen zu dem Themenbereich der „Überlebensgeschichte(n)“, die von Theaterstück und Workshop mit einem Autor/Autorin umrahmt werden. Alle Ergebnisse sollen schließlich in einer Publikation dokumentiert werden.


 

Gewinnerprojekte 2013

Universität Hamburg: "LAW - Lust auf Wissenschaft. Gemeinsam Forschen!"

Projektleiter: Prof. Dr. Matthias Klatt

 

LAW - Lust auf Wissenschaft. Gemeinsam Forschen!

Prof. Dr. Matthias Klatt, Universität Hamburg

1. Projektidee

 „LAW – Lust auf Wissenschaft“ bringt Studierende und Wissenschaftlerinnen zusammen. Die Studierenden setzen sich intensiv mit einem hochaktuellen rechtswissenschaftlichen Thema auseinander. Und erleben dabei einen tiefen Einblick in den Prozess der Wissenschaft selbst. Sie lernen die wichtigsten Facetten des wissenschaftlichen Alltags kennen: die Neugier und eine Idee für das eigene Thema. Den wissenschaftlichen Diskurs und die Präsentation im Rahmen einer selbst organisierten Konferenz. Die Zusammenführung aller Erkenntnisse im Beitrag für den Tagungsband. Wissenschaftliches Arbeiten sowie die Kommunikation und das Management von Wissenschaft trainieren übergreifende berufsrelevante Fähigkeiten. Eine Publikation als Ergebnis eines anstrengenden Arbeitsprozesses ist eine wertvolle Belohnung. Mit ihren Beiträgen beteiligen sich die Studierenden zudem gut sichtbar am wissenschaftlichen Diskurs. Wir machen den Studierenden Lust auf Wissenschaft.

2. Das Bermudadreieck: EGMR - EuGH - BVerfG

Inhaltlich geht es um den Schutz von Grundrechten in Europa. Mit dem Grundgesetz, der Europäischen Konvention für Menschenrechte und der Europäischen Grundrechtecharta gelten in Europa drei Grundrechtskataloge, die von drei verschiedenen obersten Gerichtshöfen kontrolliert werden. Das Verhältnis dieser drei Gerichte ist als Bermudadreieck beschrieben worden: Unklare Zuständigkeiten und divergierende Entscheidungen haben einen Kampf der Richter ausgelöst, der die Rechtssicherheit gefährdet.
 
Dieses Thema ist rechtsdogmatisch und rechtstheoretisch herausfordernd und in vielen Aspekten ungeklärt. Es besteht akuter Forschungsbedarf. In diesem dynamischen Kontext können die Studierenden ihr Wissen über die Grundrechte in einem europäischen und rechtsvergleichenden Kontext vertiefen. Zudem erlangen sie ein
Verständnis für die Einbindung der deutschen Rechtsordnung in das europäische und internationale Normengefüge. 

3. Hintergrund

In den Rechtswissenschaften gilt: Der Professor sitzt in seinem Büro. Die Studierenden sitzen in der Bibliothek. Die Erfahrungswelten von Wissenschaftlern und Studierenden sind im Fakultätsalltag
weitgehend getrennt und entfernen sich immer weiter voneinander.
 
Der Wissenschaftsrat fordert in seinem Bericht zu den Perspektiven der Rechtswissenschaft, Forschung und Lehre enger aufeinander zu beziehen und mehr Wissenschaft im Jurastudium zu verankern.
 
Gerade in Hamburg ist das Seminar als wissenschaftsnächste Lehrveranstaltungsform geschwächt, weil es nicht mehr Voraussetzung für das Staatsexamen ist. Tatsächlich begegnen Studierende ihren Lehrenden als Wissenschaftlern im Studium der Rechtswissenschaften selten oder nie. Die Wissenschaft als Arbeitsfeld bleibt Ihnen während des Studiums weitgehend verborgen. Doch gerade hier können Studierende von Lehrenden und Lehrende von Studierenden mehr voneinander lernen als in jedem anderen Lernkontext. 

4. Struktur des Projektes

LAW – Lust auf Wissenschaft besteht aus drei aufeinander aufbauenden Phasen:
 
Phase 1: Seminar und Workshop

In einem Seminar bereiten wir die Studierenden inhaltlich vor. Das Seminar wird mit 20 Studierenden durchgeführt. Die Auftaktveranstaltung findet im November 2013 statt. 
In der anschließenden Arbeitsphase konzentrieren sich die Studierenden auf ihre eigene wissenschaftliche Frage. Drei Jours Fixes führen die Forschungsgruppe wieder zusammen. Jeder Jour Fixe hat ein eigenes Thema: Rhetorik, Präsentation und Form des wissenschaftlichen Arbeitens. Eine Online-Plattform sichert die Zusammenarbeit auch zwischen den Präsenztagen. Im abschließenden Blockseminar am Ende des Wintersemesters 2013/14 präsentieren die Studierenden ihre Arbeitsergebnisse als Vortrag. Die Studierenden erhalten ein Feedback zu Rhetorik und Inhalt der Arbeit. Am Ende des Seminars formuliert die Arbeitsgruppe die offenen Forschungsfragen, die im Rahmen der Tagung bearbeitet werden sollen.
Im Anschluss an das Seminar entwickeln die Studierenden die Dramaturgie der Tagung. In einem eintägigen Workshop zum Thema „kommunikatives Konferenzmanagement“ lernen sie Methoden kennen, die eine Konferenz lebhaft gestalten, den Austausch erleichtern und das gemeinsame Arbeiten an relevanten Fragestellungen vor Ort ermöglichen.


Phase 2:Die Konferenz

Die Studierenden organisieren eine wissenschaftliche Tagung in Hamburg mit internationalen Gästen. Sie entwickeln das Tagungskonzept und übernehmen während der Konferenz tragende Rollen. Sie können beispielsweise Workshops oder Podiumsdiskussionen moderieren und gemeinsam mit ihrer wissenschaftlichen Tandem-Partnerin ihr weiter entwickeltes Seminarthema vortragen. Die Konferenzsprache ist Englisch. 
Mit dem Einsatz offener Konferenzmethoden wie „World Café“ oder Markt der Möglichkeiten wird in der rechtswissenschaftlichen Wissenschaftskultur Neuland betreten. Die offene Konferenzform soll sicherstellen, dass möglichst viele Menschen, die sich für das Thema interessieren, ihr Interesse auf der Tagung auch tatsächlich einbringen können.  
Studierende stehen im Rampenlicht der Konferenz und sitzen nicht wie sonst allenfalls in der letzten Reihe. Auf der Tagung wollen wir erfahrene Wissenschaftlerinnen mit Studierenden in engen Kontakt bringen. Studierende arbeiten mit dem Tagungspublikum in den kommunikativen Formaten an Fragestellungen, die sich nach dem Seminar als offen erwiesen haben, oder präsentieren ihr eigenes Forschungsthema. Sie sammeln finale Ideen, um ihre Seminararbeit druckreif zu machen.

Phase 3: Redaktion des Tagungsbandes

Die Studierenden lernen die Herausgabe eines Tagungsbandes kennen. Sie redigieren gegenseitig ihre Texte und führen sie zur Druckreife. Sie verfassen das Vorwort zum Tagungsband und arbeiten Beiträge der Referentinnen und Referenten der Tagung ein. Ein Projektbericht rundet den Tagungsband ab. Als gebundenes Ergebnis ihrer Arbeit stellen sie damit ihr Wissen anderen Lernenden zur Verfügung. An dieser Stelle schließt sich der Kreis: Die Studierenden haben den „Kreislauf der Wissenschaft“ einmal vollständig durchlaufen.

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HAW - Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg: "Studentisches Fachforum Soziale Arbeit" und "Projektwerkstatt Zukunft"

Projektleiter:rin: Prof. Dr. Carmen Gransee
 

"Studentisches Fachforum Soziale Arbeit" und "Projektwerkstatt Zukunft"

Prof. Dr. Carmen Gransee, HAW - Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Phase I: Studentisches Fachforum Soziale Arbeit

Studierende der Sozialen Arbeit können ein „StudentischesFachforum“ (in Form einer eintägigenFachtagung bis hin zu einer mehrtägigen Projektwoche) unter Anleitung von Prof. Dr. Gransee inhaltlichund organisatorisch selbstständig vorbereiten und durchführen.
Analog großer wissenschaftlicher Fachtagungen könnten Sektionen gebildet werden, die Foren für fachliche Disputationen und Expertisen aus der Praxis der Sozialen Arbeit zu aktuellen Themenfeldern bieten:
Sektion I: Soziologie 
Sektion II: Kriminologie
Sektion III: Soziale Arbeit
Sektion IV: Projektentwicklung: „Projektwerkstatt Zukunft“ (siehe dazu auch Phase II)

Rahmenbedingungen:

Die konkreten Tagungsthemen werden von den Studierenden festgelegt.Im Rahmen ausgewählter Lehrveranstal­tungen von Frau Prof. Dr. Gransee (Schwerpunkte: Sozialwissenschaften und Kriminologie) oder anderer potentiell mitwir­kender Kollegen und Kolleginnen können einzelne Themen inhaltlich vorberei­tet werden.Für diese Ausarbeitungen können je nach Workload entsprechend credit points erworben werden.Angesichts des flexibel gehaltenen Rahmens der Organisation und Durchführung der Veranstaltung kann die Mitwirkung der Studierenden individuell und zeitlich flexibel gestaltet werden:

  • Tagungsthemen inhaltlich vorbereiten
  • Vortragende/ExpertInnen aus dem In- und Ausland anfragen
  • eine Werbekampagne in der Fachöffentlichkeit für die Tagung entwickeln (zum Beispiel Flyer, Postkarten und Plakate entwerfen, Werbespot entwickeln etc.)
  • Konzepte für Workshops oder transdisziplinäre Werkstattgespräche in den Sektionen erarbeiten
  • eigene Beiträge in Form von Impulsreferaten, Vorträgen oder Moderationen vorbereiten
  • die Übernahme der Veranstaltungsleitungen in den Sektionen
  • Moderationen
  • Technikbetreuung
  • Vorbereitung einer Abschlussfeier

Die Auswertung und Dokumentation der Tagung kann unterschiedlich ausfallen (einen Dokumentarfilm drehen, eine Bachelorarbeit zu einem Thema der Tagung verfassen, eine mit Studierenden und ReferentInnen gemeinsam erstellte Publikation vorbereiten etc.)
Zeitplanung:Eine Förderung vorausgesetzt, würde die Vorbereitung der Veranstaltung (im Rahmen einiger ausgewählter Seminare) im Dezember beginnen und im folgenden Sommersemester im Juni 2014 durchgeführt werden. Die Auswertung/Dokumentation der Veranstaltung soll im Juli 2014 abgeschlossen sein.

Ziele der ersten Phase:

  • die Gestaltungsmöglichkeiten in der Lehre (Partizipation), die Eigenaktivität und den Teamgeist von Studierenden zu fördern
  • die Kooperation zwischen Lehrenden und Studierenden zu verstärken
  • Studierende befähigen, unter Anleitung eine wissenschaftliche Fachtagung/ein Fachforum selbstorganisiert zu leiten
  • den Transfer zwischen Lehre und Praxis, Wissenschaft/Expertise und Projektentwicklung im Studium zu fördern
  • im Dialog mit Experten und Expertinnen aus der Wissenschaft und Praxis den Studierenden Einblicke in fachliche Debatten mit Praxisbezug in potentiellen Tätigkeitsfeldern der Sozialen Arbeit zu vermitteln
  • eine wissenschaftliche Fundierung und Analyse von Praxisproblemen in Kooperation mit Experten und Expertinnen zu ermöglichen
  • die Phasen einer Projektentwicklung zu planen und durchzuführen (siehe dazu auch Phase II)
  • ggf. Netzwerkarbeit zwischen unterschiedlichen Hamburger Jugendprojekten zu leisten (siehe dazu auch Phase II)
  • Erfahrungen in einem konkreten Projekt in der Jugendarbeit zu sammeln und unter Anleitung zu reflektieren (siehe dazu auch Phase II)

Finanzbedarfe:Im Rahmen von  Werk-/Honoraverträgen für Studierende der Sozialen Arbeiit und mit Mitteln für studentische HiWi-Verträge könnten organisatorische Tätigkeiten, aber auch inhaltliche Vorbereitungen finanziert werden.

Weiterhin:
Honorar und Reise-/Unterbringungskosten für Gastvortragende,Catering während der Veranstaltung,Rahmenprogramm,Sachmittel (für Flyer, Plakate etc.)
 

Phase II: Projektwerkstatt Zukunft

An das Studentische Fachforum, Sektion IV: Projektentwicklung:„Projektwerkstatt Zukunft“ soll sich die zweite Projektphase anschließen.Die Idee zur Entwicklung eines schulbegleitenden Projekts beruht auf dem vielfach beklagten Mangel an Ausbildungsreife bei vielen Schülern und Schülerinnen.In einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer, an der über 200 Hamburger Ausbildungsbetriebe teilnahmen, werden die Probleme in den Betrieben deutlich: 74,7 Prozent der Unternehmen gaben an, dass „viele Schulabgänger“ nur über mangelnde Ausbildungsreife verfügen. Die größten Schwierigkeiten sehen die Befragten u. a. in fehlender Disziplin, Leistungsbereitschaft und Motivation sowie im Ausdrucksvermögen und in den Umgangsformen. „Unklare Berufsvorstellungen“ würden ebenfalls einen positiven Verlauf der Ausbildung behindern (46,8 Prozent) (IHK 2011: 15f.). Andere Jugendliche erhalten gar nicht erst einen Ausbildungsplatz, weil ihnen nötige Schlüsselkompetenzen fehlen. Im Sommer 2010 blieben allein in Hamburg 1441 Ausbildungsplätze offen (FHH 2011). Laut IHK-Umfrage konnten 2010 17,1 Prozent der zur Verfügung stehenden Plätze nicht besetzt werden. Der mit Abstand häufigste Grund (65,7 Prozent) war ein Mangel an geeigneten Bewerbungen (IHK 2011: 6f.).Die „Projektwerkstatt Zukunft“ zielt auf ein ganzheitliches Förderangebot für (bildungsferne) Jugendliche an der Schwelle von der Schule in die Berufsausbildung in Hamburg, das die Förderung von Sozialkompetenz, Ausbildungsreife und die Unterstützung bei der Berufsfindung miteinander verzahnt und ggf. vorhandenen Gewaltaffinitäten niedrigschwellig präventiv begegnen soll.
Die Idee eines schulbegleitenden Projektes soll durch HAW-Studierende weiter entwickelt und letztlich in enger Kooperation mit Lehrenden der HAW Hamburg durchgeführt werden. Bereits in Phase I sollen im Rahmen des „Studentischen Fachforums Soziale Arbeit“ vorbereitende Maßnahmen getroffen werden (inhaltliche Einarbeitung, Weiterentwicklung der Projektkonzeption, Kooperation mit den Lehrenden der entsprechenden Module (s.u.), Kontaktierung potentiell kooperierender Stadtteilschulen, Netzwerkarbeit zwischen unterschiedlichen Hamburger Jugendprojekten etc.). Perspektivisch würde eine Verstetigung des Projekts anvisiert werden.

Beteiligte: 
Prof. Dr. Carmen Gransee (Dep. Soziale Arbeit) (Leitung),mitwirkende Lehrende der HAW Hamburg der entsprechenden Module,
Studierende des Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit ab dem 2. Fachsemester

Zielgruppe: Das Projekt richtet sich an Hamburger Schüler und Schülerinnen der letzten beiden Schuljahre der Sekundarstufe I, die eine Stadtteilschule besuchen. Fokus: (bildungs-)benachteiligte Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund sowie mit und ohne Gewaltaffinitäten.

Ziele für die Schülerund Schülerinnen:
die Kompetenzförderung und Gewährleistung einer aktiven individuellen Bildungsbeteiligung
die Stärkung von Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
die Stärkung von Sozial- und Konfliktkompetenzen und Auseinandersetzung mit ggf. vorhandenen Gewaltaffinitäten
sowie eine frühzeitige Berufsorientierung für Jugendliche der 9. und 10. Klasse an Stadtteilschulen
Erhöhung der Partizipationschancen in Schule und Ausbildung.
 

Module des Projektes:

Modul I Coaching: ein Eins-zu-Eins-Coaching der Jugendlichen durch Studierende der HAW Hamburg (Studiengang Soziale Arbeit) zur Vorbereitung und Begleitung für den Übergang von der Schule in den Beruf.Das Coaching bietet Raum für die individuelle Förderung. Motivationen, Interessen und Kompetenzen der Jugendlichen werden individuell thematisiert und in Bezug zu möglichen Ausbildungs- und Berufswegen gesetzt, so dass langfristig eine Verbesserung der beruflichen Perspektiven der Jugendlichen angestrebt wird. Seitens der Studierenden wird das ehrenamtliche Engagement gefördert und sie sammeln bereits im Studium praxisrelevante Kompetenzen im Umgang mit Jugendlichen, die ggf. prekäre Lebenslagen aufweisen.Im Rahmen eines Seminars werden die Studierenden in die Grundlagen und Prozesse des Coachings eingeführt. Die Studierenden bestärken als Coaches die Jugendlichen darin, nähere Ziele sowie berufliche Zukunftsperspektiven zu entwickeln und zu verfolgen. Somit wird der Übergang von der Schule in den Ausbildungs- bzw. Arbeitsmarkt erleichtert. Die Studierenden treten mit den Jugendlichen in einen dialogischen Austausch, geben (Denk-) Anstöße und stehen als Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen zur Verfügung. Der geringe Altersunterschied zwischen den Jugendlichen und ihren Coaches schafft eine gute Basis für Vertrauen als Voraussetzung für einen erfolgreichen Verlauf des Coachings. Die Studierenden können eine Vorbildfunktion einnehmen und gleichzeitig AnsprechpartnerInnen auf Augenhöhe sein. 

Modul II Kommunikations- und Konflikttraining: innovative Verbindung von Kommunikations-, Bewerbungs- und Konflikttraining (in Kooperation mit Rückenwind e.V., Soziale Trainingskurse zur niedrigschwelligen Gewaltprävention),In diesem Modul geht es vor allem um das Erlernen von Verantwortung, die Aus­einandersetzung mit der Eigen- und Fremdwahrnehmung sowie die Reflexion des eigenen Konfliktverhaltens. Durch soziale Gruppenarbeit, Diskussionen, Rollenspiele und Einzel­gespräche wird eine individuelle und kritische Selbstreflektion der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ermöglicht und die Fähigkeit zur Kritikaufnahme und -verarbeitung unterstützt. Die Übernahme von Verantwortung kann im Rahmen von pädagogischen Wochenendfahrten oder durch erlebnispädagogische Einheiten eingeübt werden.

Modul III Kreativ-Workshops zur Förderung der Persönlichkeits­entwicklung sowie kreativer und sozialer Kompetenzen (Kunst, Theater, Medien, Musik, Abenteuerdidaktik) in Kooperation mit den Schülern und Schülerinnen, Studierenden und Lehrenden der HAW.In so genannten Kreativ-Workshops werden unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen in Kooperation mit Lehrenden und Studierenden der HAW Hamburg (Department Soziale Arbeit) angeboten (Musik/Trommeln, Theater, Film und Fotografie, Kunst). Diese Workshops sollen dazu dienen, die kreativen Potenziale der Schüler und Schülerinnen zu entdecken und zu entfalten. Umgang mit Erfolg und Misserfolg, Durchhaltevermögen und soziale Verantwortung für das gemeinsame künst­lerische Projekt werden gefördert. Zum Abschluss der etwa einjährigen Laufzeit des Sommerschuljahres kann (gemeinsam mit Studierenden der HAW Hamburg) eine Aufführung oder Ausstellung erarbeitet werden, die zu einer Steigerung des Selbstwertgefühls (Erfolgserlebnis) beitragen kann.

Ziele der zweiten Phase:

  • Studierende der HAW (Studiengang Soziale Arbeit) können in Kooperation mit Lehrenden erste praktische Erfahrungen im Umgang mit Zielgruppen der Sozialen Arbeit (hier: bildungsbenachteiligte Jugendliche) sammeln, auswerten und reflektieren.
  • Studierende können zielgruppenorientierte Beratungskompetenzen und Grundlagen des Coachings erwerben und im Austausch mit Lehrenden reflektieren.
  • Studierende machen Erfahrungen in der Projektentwicklung im Bereich der Jugendarbeit.
  • Studierende machen praktische Erfahrungen in der Projektorganisation.
  • Die Auswertung kann im Rahmen einer Bachelorarbeit stattfinden.

Aufgrund der (vorerst) einjährigen Laufzeit können studiengangsgenerationsübergreifende Kooperationen unter Studierenden eingeübt werden (Einarbeitung nachfolgender Generationen von Studierenden und "Staffelübergabe").
Es können kooperative Netzwerkstrukturen zwischen Studierenden der Sozialen Arbeit und der Praxis (SchulsozialarbeiterInnen, LehrerInnen, zu Projekten der Jugendarbeit etc.) aufgebaut werden.
 
Zeitplanung:
Der im Spätsommer 2014 startende einjährige Durchlauf des schulbegleitenden Projektes könnte ab Dezember 2013 im Rahmen des Studentischen Fachforums Soziale Arbeit von Studierenden und Lehrenden vorbereitet werden. Zu Semesterbeginn im März 2014 würde die Projektplanung konkretisiert werden. Das Schuljahr beginnt Ende August 2014 und endet Anfang Juli 2015 (voraussichtliche Entlassung der SchülerInnen). Häufigkeit und Rhythmus der Trainings, Coachings und Workshops wären auf die Seminarzeiten der HAW und die Hamburger Schulferien abzustimmen.

Finanzbedarfe:
Im Rahmen von Werk-/Honorarverträgen für Studierende der Sozialen Arbeit und mit Mitteln für studentische HiWi-Verträge könnten koordinierende Tätigkeiten (Kooperationen mit der Schule, mit den Lehrenden der HAW etc.), organisatorische Tätigkeiten (Raumplanungen, Veranstaltungsplanungen, Netzwerktreffen organisieren etc.), aber auch inhaltliche Vorbereitungen finanziert werden.
Die Lehrkapazitäten könnten im Rahmen regulärer Lehrveranstaltungen der HAW kostenneutral zur Verfügung gestellt werden.
Modul: Theorie und Praxis der Kommunikation und Beratung
Modul: Professionelles Handeln - Konzepte und Arbeitsformen
Modul: Kultur, Ästhetik, Medien - allgemeine Grundlagen kreativer Medien in der Sozialen Arbeit
Modul: Interdisziplinäre Betrachtungen des Lebenslaufs - Fokus: Kindheit, Jugend, Familie

Bei Nichtdeckung des Lehrbedarfs fallen Kosten für ein bis zwei Lehraufträge an.

TUHH - Technische Universität Hamburg: "Kooperatives Lernen in einer Großveranstaltung durch Just-in-Time Teaching"

Projektleiterin: Prof. Dr.-Ing. Heike Flämig
 

Kooperatives Lernen in einer Großveranstaltung durch „Just-in-Time Teaching“

Prof. Dr.-Ing. Heike Flämig, TUHH - Technische Universität Hamburg

Zusammenfassung

Die Vorlesung „Systemtechnische Grundlagen der Logistik“ ist eine Einführungsveranstaltung mit über 100 Erstsemester-Studierenden des Bachelor-Ingenieurstudiengangs „Logistik und Mobilität“ an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. In diesem Großveranstaltungsformat ergeben sich aus didaktischer Perspektive drei klassische Fragen: 

1.  Wie können die Studierenden trotz der hohen Teilnehmerzahl zur aktiven Mitarbeit motiviert werden?
2.  Wie kann ein kontinuierliches Selbststudium angeregt werden?
3.  Wie lassen sich das studentische Selbststudium und die Präsenzphasen so verknüpfen, dass die Vorlesung optimal auf die Verständnisprobleme der Studierenden eingeht?

Die Antwort auf diese Fragen soll im vorliegenden Konzept durch die Einführung des Konzepts des „Just-in-Time Teaching“ (JiTT) erfolgen. Dabei wird die „klassische“ Variante von JiTT ergänzt um zwei weitere Bausteine: einen mit Hilfe des Kurznachrichtendienstes Twitter realisierten „Backchannel“ in der Vorlesung, über den die Studierenden auch während der Veranstaltung ihre Fragen oder Anmerkungen an die Lehrende schicken können, sowie ein begleitendes Wiki, in dem die Teilnehmer ihre Selbststudienergebnisse vertieft ausarbeiten und den anderen Studierenden bereitstellen können. Darüber hinaus werden verschiedene aktivierende Elemente in die Vorlesung aufgenommen.

1.  Vor der Vorlesung: Das Just-in-Time Teaching bereitet die Studierenden und die Lehrende auf die Vorlesung vor. 
2.  Während der Vorlesung: Aktives Lernen u.a. mit Hilfe von Twitterwall, Clicker und Peer-Instruction.
3.  Nach der Vorlesung: Ein Wiki-System dient im Anschluss an die Vorlesung der nachhaltigen Wissensaufnahme und -weitergabe. 

Insgesamt wird so ein integriertes Lehr- und Lernkonzept geschaffen, welches sowohl zwischen der Lehrenden und den Studierenden als auch innerhalb der Gruppe der Studierenden einen kooperativen Austausch fördert.

Das Konzept soll bei erfolgreichem Einsatz in der Grundlagenvorlesung auch auf eine Baulogistik-Vorlesung des 3. Semesters mit bis zu 120 Studierenden übertragen werden.

Istzustand (Evaluationsergebnisse)

Aus den Ergebnissen der Veranstaltungsevaluation der Vorlesung „Systemtechnische Grundlagen der Logistik“ der letzten beiden Jahre wird deutlich, dass die Studierenden die Frage nach der Eignung der Lehrunterlagen und empfohlenen Literatur am schlechtesten bewerteten. Zudem wünschten sich mehr als die Hälfte der Studierenden einen stärkeren Einsatz von eLearning-Elementen.

In aktuellen Beobachtungen der laufenden Lehrveranstaltung wurde zudem deutlich, dass Begriffe und Inhalte der Vorlesung, die trotz des noch frühen Studienstadiums eigentlich als Bestandteile des Allgemeinwissens vorausgesetzt werden können, bei den Studierenden nicht immer vorhanden sind.

Dieses fehlende Allgemeinwissen und die nicht existierende Einführungsliteratur, die vor allem die Begriffswelt der verkehrsrelevanten logistischen Entscheidungen erschließen sollte, behindern die Aufnahme von tiefergehendem Stoff und das Verständnis der Zusammenhänge.

Veranstaltungskonzept

Bei der Umstrukturierung der Veranstaltung sollen die in der Evaluation geäußerten Wünsche bzw. Kritikpunkte der Studierenden und die aktuellen Beobachtungen aufgegriffen werden. Ziel ist es, die Wissenslücken der Kursteilnehmer/innen vor Beginn der Veranstaltung zu identifizieren und diese gezielt zu schließen.

a) Just in Time Teaching (JiTT)
Just-in-Time Teaching ist eine Methode, die an amerikanischen Universitäten entwickelt wurde und inzwischen weltweit verbreitet ist – in Deutschland allerdings noch recht wenig. Bei JiTT erhalten die Studierenden noch vor Beginn einer Veranstaltung über eine Online-Plattform (hier: Stud.IP) Fragen, die sie an den Stoff der nächsten Präsenzsitzung heranführen. Dabei geht es nicht um eine Wissensabfrage im klassischen Sinne, sondern darum, über Einstiegsfragen ein Bild vom Wissensstand und von grundlegenden Fehlverständnissen zu bekommen. Entsprechend sind die Studierenden auch aufgefordert, in Freitextfeldern ihre Fragen und Probleme zu erklären. Antworten werden nicht benotet, aber die Teilnahme an den JiTT-Aufgaben wird mit Bonuspunkten für die Prüfung honoriert. Die Lehrperson sichtet die eingegangenen Lösungen dann vor der Veranstaltung und macht diese zum Angelpunkt des eigenen Vortrags: Immer wieder wird auf die studentischen Fragen und Probleme eingegangen. Identifizierte Wissenslücken der Kursteilnehmer/innen können so gezielt geschlossen werden (Abbildung: Schritt 1-4). 

Auch in der gegebenen Veranstaltung sollen auf diese Weise die studentischen Anliegen Ausgangspunkt des Geschehens sein. Gleichzeitig soll den Studierenden aber auch die Möglichkeit gegeben werden, in der Veranstaltung selbst aktiv zu werden und Einfluss auf das Geschehen zu nehmen. Dies soll durch unterschiedliche Elemente möglich werden, von denen zwei herausgehoben werden sollen: 

-  Besonders interessante studentische Lösungen aus der JiTT-Selbststudienphase werden (anonymisiert) zur Diskussion gestellt. Die Studierenden sollen mit Hilfe von „Clickern“ ihre Meinung über die Richtigkeit von Lösungsvorschlägen abgeben und anschließend in kurze Diskussionsphasen mit ihren Sitznachbarn eintreten, um sich gegenseitig zu überzeugen (sog. Peer-Instruction). Anschließend wird erneut mit den Clickern über die Thesen abgestimmt und schließlich die Diskussion im Plenum abgeschlossen (Abbildung: Schritt 5).

-  Durch einen für die Vorlesung installierten Twitter-Kanal sollen die Studierenden die Möglichkeit bekommen, auf diesem anonymen und unauffälligen Weg per Smartphone oder Laptop direkt ihre ad-hoc auftretenden Fragen an die Lehrende zu stellen bzw. Anmerkungen zu schicken – wie z.B., dass das Lehrtempo zu schnell wird. Die Fragen werden von einer Hilfskraft gesichtet, auf Missbrauch geprüft und an die Lehrende weitergereicht, die sie entsprechend aufnehmen kann  (Abbildung: Schritt 6).
 
b) Wiki-System
Zum Ende der Vorlesung werden die als nicht ausreichend bekannt identifizierten sowie weitere zentrale Schlüsselbegriffe und logistische Grundkonzepte einzelnen Kursteilnehmern zugeordnet. Diese sind nach der Vorlesung dafür zuständig, den Begriff bzw. das Konzept wissenschaftlich aufzuarbeiten, mit dazugehörigen Literaturquellen zu versehen und in ein kurseigenes, über das Internet zugängliches Wiki-System einzutragen. Hierdurch werden die diskutierten Problemfelder aus der Vorlesung den anderen Kursteilnehmern transparent gemacht und diese erhalten die Möglichkeit, sich in der Nachbereitung noch einmal mit den Begriffen und Konzepten auseinanderzusetzen. Weiterhin werden die anderen Kursteilnehmer dazu motiviert, den veröffentlichten Beitrag selbständig, mit Ihrem dazu angeeigneten Wissen, zu erweitern. Die Lehrende hat mit Hilfe des Wiki-Systems und der Kopplung an die JiTT-Abfrage noch einmal die Möglichkeit zu prüfen, ob die Begriffe des Kurses verstanden wurden oder ob sie diese in der darauf folgenden Vorlesung wieder aufgreifen muss. In der Abbildung ist der beschriebene Lernprozess in den Schritten 7 und 8 abgebildet.

Gegenüberstellung von Soll-Zustand, Ist-Zustand und den Evaluationsergebnissen

Wie zu Beginn dargestellt, werden als allgemeine Herausforderungen der Veranstaltung die Aktivierung der Studierenden zur Mitarbeit, die Aktivierung zum Selbststudium sowie die Verbindung von Selbststudium und Präsenzphasen aufgefasst. Als spezielle Probleme wurden die fehlende Fachliteratur bzw. das fehlende Verständnis von Grundlagenbegriffen und der bisher unzureichende Einsatz von eLearning-Elementen benannt.

Das vorliegende Konzept greift diese Herausforderungen gezielt auf: Die JiTT-Aufgaben reizen zum Selbststudium an, wobei das unmittelbare Aufgreifen des im Selbststudium Erlernten in der Vorlesung der entscheidende Motivationsfaktor ist. In der Veranstaltung selbst dienen aktive Phasen mit Clickern und  Peer-Instruction sowie die Möglichkeit zur Rückmeldung über den Twitter-Kanal der Aktivierung und dem vertieften Lernen. Durch die Aufgabenstellung, sich selbstständig Begriffe wissenschaftlich zu erarbeiten, werden die Studierenden ermutigt, geeignete Literatur zu recherchieren und unbekannte Begriffe bzw. Konzepte unter Beachtung der Quellenangaben zu klären und in das Wiki-System einzupflegen. Sie können so selbst die Lücke in der Fachliteratur schließen. Insgesamt durchlaufen die Studierenden so wiederkehrende Zyklen, die vom Selbststudium über das aktive Lernen in der Vorlesung bis hin zur kollaborativen wissenschaftlichen Arbeit im Wiki führen.

Übertragbarkeit/Nachhaltigkeit

Die Struktur der umgestellten Lehrveranstaltung kann auch in den Folgejahren - nach der Förderung - aufrechterhalten werden, da der wesentliche Aufwand in der Umgestaltung von Unterrichtsmaterial und Veranstaltungsablauf sowie im Aufbau der technischen Infrastruktur liegt. Dies alles kann nach einer Umstellung mit geringem Aufwand gepflegt und aktualisiert werden. Zudem kann der neue Ansatz auch in weitere Vorlesungen übernommen werden, insbesondere in die Lehrveranstaltung Baulogistik für Bauingenieure. Das Ziel ist somit eine nachhaltige Veränderung der bestehenden Veranstaltungen mit dem Anspruch, den Studierenden ein anspruchsvolles und effektives Lehr-Lernszenario bieten zu können.

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