Projektvorschläge
Unseren Hochschulen

 

Projektvorschläge 2017

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Im April 2017 haben knapp 500 Hamburger Studierende Empfehlungen für mehr als 60 Professorinnen und Professoren abgegeben, die sie in besonderer Weise gefördert und gefordert haben.

10 Professorinnen und Professoren, die ganz besonders empfohlen wurden, wurden von der Claussen-Simon-Stiftung eingeladen einen Projektvorschlag für die weitere Verbesserung des Lernens und Lehrens an der jeweiligen Hochschule einzureichen. Diese Vorschläge wurden im Juni 2017 von mehr als 750 Studierenden online bewertet und kommentiert.

Prof. Dr. Regula Valérie Burri, HafenCity Universität Hamburg

PROJEKTIDEE 
Mit dem Studium Generale (Q Studies) bezweckt unsere Universität, den Studierenden nicht nur gesellschaftliches Orientierungswissen über den eigenen Studiengang hinaus zu vermitteln, sondern auch Reflexionsfähigkeiten, Kommunikationskompetenzen sowie Gestaltungskompetenzen zu fördern. Zur Unterstützung dieses Vorhabens soll das Projekt an der Schnittstelle von Studium Generale und den Forschungsaktivitäten der Professur das kunstbasierte Lehr-­ und Forschungslabor artLAB etablieren, an dem Studierende und Promovierende beteiligt sind.
Format: artLAB ist ein innovatives Lehr-­ und Forschungsformat, das Theorie und Praxis sowie Lehre und Forschung verknüpft und eine Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst schafft. Im Fokus steht die Auseinandersetzung mit Debatten um die künstlerische Forschung und deren Umsetzung in künstlerische Forschungsvorhaben. Künstlerische Forschung wird in artLAB als eine Praxis verstanden, die "mit Kunst" forscht. Eine bestimmte Fragestellung wird künstlerisch bearbeitet mit dem Ziel, neues Wissen zu generieren. In artLAB werden die Fragestellung und die Methodik von den Studierenden gewählt und weiterentwickelt. Am Schluss des Forschungsprozesses steht eine künstlerische Arbeit. In dieser ist das Wissen implizit, jedoch werden die Fragestellung, die Vorgehensweise und die erzielten Ergebnisse durch einen Begleittext reflektiert und explizit gemacht.
Die künstlerischen Arbeiten und die Begleittexte werden in einer öffentlichen Ausstellung zur Diskussion gestellt. Durch die Präsenz an Orten urbaner Wirklichkeit wird mit der Ausstellung gleichzeitig in diese interveniert. Für Studierende einer Universität für Baukunst und Metropolenforschung ist es von besonderer Bedeutung, den Lernprozess nicht nur im theoretischen Elfenbeinturm der Universität, sondern in einem weiteren städtischen Kontext zu realisieren. artLAB schafft ein Netzwerk zwischen den beteiligten Studierenden, Promovierenden, der Professorin sowie involvierten Künstler/innen und Kunstinstitutionen. Damit ermöglicht es einen engen Austausch zwischen den partizipierenden Personen, die gegenseitig Mentoren- und Tutorenfunktionen übernehmen können. Gleichzeitig eröffnet artLAB einen Raum für den inter- und transdisziplinären Dialog.
Didaktisch-methodische Schwerpunkte: Als didaktischer Schwerpunkt wird in artLAB "Forschendes Lernen" eingesetzt, das die Studierenden durch die Entwicklung und Umsetzung eines eigenen Forschungsprojekts an die Forschung heranführt und sie darüber hinaus durch das spezifisch künstlerische Forschungslernen mit künstlerischen Zugangsweisen als alternativen Erkenntnismodi vertraut macht.
Ein weiterer didaktischer Fokus ist das "Peer Learning", in dem durch die Diskussion der einzelnen Forschungsvorhaben im Plenum Feedbacks von Studierenden aller vertretenen Fachrichtungen eingeholt werden. Dadurch erfahren die Studierenden nicht nur eine gegenseitige Unterstützung, sondern werden in ihrem Lernprozess insofern gefördert, als ihre Forschungsideen vor dem Hintergrund auch anderer Studienrichtungen kritisch befragt und konstruktiv diskutiert werden. Die Studierenden agieren hier als gegenseitige Montoren/innen. 
Ergänzt werden diese didaktischen Methoden durch "Experten Feedback", d.h. die Diskussion der künstlerischen Forschungsvorhaben mit der Lehrperson und mit Promovierenden und/oder Kunstschaffenden.
(Lern-)Ziele: Spezifisch sollen folgende (Lern-­)Ziele in artLAB erreicht werden: 
(1) Die Studierenden kennen zentrale Aspekte der Debatte um künstlerische Forschung. 
(2) Sie sind in der Lage, ein eigenes künstlerisches Forschungsdesign zu entwickeln und dieses umzusetzen. 
(3) Sie sind fähig, ihre künstlerische Forschung zu reflektieren und textlich zu artikulieren. 
Kompetenzen: Durch die Reflexion und Realisierung künstlerischer Forschungarbeiten werden in artLAB folgende Kompetenzen gefördert: 
(1) die Schulung wissenschaftlich-­analytischer Reflexionskompetenzen durch die Erarbeitung von und die Auseinandersetzung mit theoretischen Texten zum Thema Forschung in Wissenschaft und Kunst und damit die Förderung einer (Selbst-­)Reflexion auf Forschung in wissenschaftlichen und künstlerischen Kontexten; 
(2) die Förderung ästhetischer Wahrnehmungs-­ und kreativer Gestaltungskompetenzendurch die Entwicklung und Umsetzung eines künstlerischen Forschungsprojekts; 
(3) die Förderung interdisziplinärer Kompetenzen durch die gemeinsame Diskussion der einzelnen Arbeiten; sowie 
(4) die Förderung von Handlungskompetenzen (Selbstmanagement, Projektmanagement)durch die Realisierung einer Ausstellung.
Impact: Der Erwerb und die Vertiefung dieser Kompetenzen erleichtert den Studierenden ihr Studium in den eigentlichen Studiengängen, in welchen die genannten Fähigkeiten von zentraler Bedeutung sind. Insofern erfolgt ein Wissenstransfer von artLAB in die Studiengänge. 
In epistemischer Hinsicht wird durch die enge Verzahnung von Forschung und Lehre bei den Studierenden ein Verständnis für die soziale Verfasstheit von Wissensinhalten gefördert, indem darauf hingewiesen wird, dass sämtliches in der Lehre vermitteltes Wissen zuvor durch entsprechende Forschung generiert wurde. 
In institutioneller Hinsicht stellt artLAB eine Plattform für künstlerische Forschung dar. Indem artLAB den Austausch zwischen Studierenden, Lehrenden und im künstlerischen Bereich tätigen Personen fördert, ermöglicht es ein inter-­ und transdisziplinäres Lernsetting und eine Form der Kommunikation an der Schnittstelle von Wissenschaft und Gesellschaft mit entsprechender Öffentlichkeitswirkung für unsere Universität.

UMSETZUNG 
Form der Lehrveranstaltung: artLAB wird als Lehrveranstaltung im Rahmen des Studium Generale (Q Studies) in Seminarform durchgeführt. Im Projekt sind zwei Durchführungen vorgesehen (SoSe 2018, WiSe 2018-­19). 
Zielgruppe und Ausschreibung: artLAB adressiert Master-­Studierende aller Studiengänge unserer Universität. Die Ausschreibung erfolgt im Rahmen der Bekanntmachung der Lehrveranstaltungen des Studium Generale (Q Studies), die jeweils rund einen Monat vor Semesterbeginn erfolgt. Die Ausschreibung wird auf den Websiten der Professur und der fachübergreifenden Studienangebote sowie in deren Vorlesungsverzeichnis (Q-­Heft) und im allgemeinen Vorlesungsverzeichnis veröffentlicht.
Lehrinhalte: Im theoretischen Teil beschäftigen sich die Studierenden anhand von ausgewählten Texten aus historischer, kunstwissenschaftlicher und wissenschaftssoziologischer Sicht mit den Schnittstellen von Wissenschaft und Kunst und lernen Konzepte und Positionen der Künstlerischen Forschung kennen. 
Der praktische Teil des Seminars ist der Entwicklung und Umsetzung eines eigenen künstlerischen Projekts gewidmet, das Kunst als Forschung beziehungsweise in der Forschung praktiziert. Ein Semesterthema soll die Studierenden bei der Entwicklung einer Forschungsidee inspirieren. Die Themen für die zwei Durchführungen sind: Technoworlds (SoSe 2018) und Digital Futures (WiSe 2018-­19). 
Die einzelnen Entwicklungsphasen der Forschungsprojekte – von der ersten Idee über das ausgearbeitete Konzept bis hin zur konkreten künstlerischen Realisierung – werden kontinuierlich diskutiert und begleitet (gegenseitiges Mentoring sowie Expert Feedback durch eine künstlerische Tutorin und die Professorin). Gegen Ende des Seminars verfassen die Studierenden einen kurzen Begleittext, der die Fragestellung, Methoden und Ergebnisse des Forschungsprojekts beschreibt. Der Verschriftlichungsprozess wird ebenfalls betreut (Mentoring/Expert Feedback durch Professorin und Promovierende der Professur).
Die Arbeiten (inklusive Begleittexte) werden am Ende des Semesters in einer öffentlichen Ausstellung gezeigt. An der Ausstellung erfolgt eine Abschlusspräsentation, an der die Studierenden ihre Arbeiten vor den Peers und einer Jury präsentieren.
Ausstellung und Dokumentation: Die geplanten Ausstellungen finden im Juli 2018 und Ende Januar/Anfang Februar 2019 in zwei unterschiedlichen Kunsträumen in Hamburg statt und werden mit einer Vernissage eröffnet. Die gezeigten Projekte werden fotografisch dokumentiert und die Fotografien anschließend in einem online Bilder-­Pool gesammelt. Sowohl die Studierenden als auch die künstlerische Tutorin, die studentische Hilfkraft und die Professorin laden Bilder hoch. Aus dem Bilder-­Pool und den Begleittexten entsteht für jede Ausstellung eine Dokumentation in Form eines Hefts (Booklet). Das Booklet wird von der Professorin herausgegeben und in Zusammenarbeit mit der studentischen Hilfskraft und aufgrund der studentischen Beiträge realisiert. Die Studierenden und Mitwirkenden erhalten je ein Exemplar.
Begleitveranstaltungen: Ergänzend werden folgende Veranstaltungen im Projekt durchgeführt: 
(1) Ringvorlesung: Zum Semesterthema des artLAB im SoSe 2018 (Technoworlds) findet im selben Semester unter dem Titel "Technikwelten" eine öffentliche Ringvorlesung mit 6 Gastreferierenden statt. 
(2) Die Ringvorlesung ist in ein Seminar zum selben Thema eingebettet, das im SoSe 2018 als weitere Lehrveranstaltung für Master-­Studierende im Studium Generale angeboten wird. Neben den Vorträgen der Ringvorlesung wird in diesem Seminar ergänzende Fachliteratur aus dem Forschungs-­ und Lehrbereich der Professur (Wissenschafts-­ und Technikforschung) zum Thema der Ringvorlesung diskutiert. Es ist vorgesehen, dass die Studierenden Tagebuch-­Einträge zu den einzelnen Gastvorträgen der Ringvorlesung für die Website der Stiftung verfassen. 
(3) Im WiSe 2018-­19 wird im Studium Generale eine weitere Lehrveranstaltung zum Thema "Wissenschaft und Kunst" für Master-­Studierende durchgeführt, die sich aus theoretischer Sicht mit dem Thema befasst. Die Studierenden werden unter anderem die artLAB-­Ausstellung ihrer Kollegen/innen besuchen und eine Peer-­Kritik verfassen. 
(4) Diese Lehrveranstaltung bereitet gleichzeitig vor auf ein Symposium, das im Wintersemester 2018-­19 zum Thema "Wissenschaft und Kunst" organisiert wird. Die Organisation des öffentlichen Symposiums, das an unserer Universität stattfinden wird, erfolgt primär durch die Professur. Die Studierenden der gleichnamigen Lehrveranstaltung bereiten sich durch Textlektüre und Gruppenarbeit auf das Symposium vor und beteiligen sich aktiv an diesem. 
(5) Im Anschluss an das Symposium wird an der Professur eine Publikation mit Beiträgen der Symposiumsteilnehmenden, einschließlich der Studierenden, erstellt.
Projektphasen und Meilensteine: Das Projekt umfasst 3 Semester (18 Monate) mit Projektstart am 1. April 2018 und Projektende am 30. September 2019. Das dem Projekt vorausgehende Semester dient als nicht kostenrelevante Vorbereitungsphase. Die Projektphasen und Meilensteine umfassen: 
WiSe 2017-­18: Planung der Ringvorlesung "Technikwelten" und der Lehrveranstaltungen für das Sommersemester 
SoSe 2018:
- Planung des Symposiums 
- Durchführung von artLAB (Semesterthema Technoworlds) mit Ausstellung und anschließender Dokumentation (Booklet)
> Meilenstein 1: Abgabe der Begleittexte (14 Tage vor Ausstellung)
> Meilenstein 2: Ausstellungseröffnung (Juli 2018) 
- Durchführung der Ringvorlesung "Technikwelten" 
- Durchführung der begleitenden Lehrveranstaltung "Technikwelten" 
- Planung der Lehrveranstaltungen für das Wintersemester 

WiSe 2018-­19:
- Fertigstellung der Ausstellungsdokumentation (Booklet) 
> Meilenstein 3: Druck des Booklet (Dezember 2018) 
-­ Durchführung von artLAB (Semesterthema Digital Futures) mit Ausstellung und anschließender Dokumentation (Booklet) 
> Meilenstein 4: Abgabe der Begleittexte (14 Tage vor Ausstellung) 
> Meilenstein 5: Ausstellungseröffnung (Ende Januar/Anfang Februar 2019) 
-­ Durchführung der Lehrveranstaltung "Wissenschaft und Kunst" 
-­ Durchführung des Symposiums 
- Planung und Erstellen der Symposiums-­Publikation 

SoSe 2019:
-­ Fertigstellung der Ausstellungsdokumentation (Booklet) 
> Meilenstein 6: Druck des Booklet (Juni 2019) 
-­ Fertigstellen der Symposiums-­Publikation 
> Meilenstein 7: Druck der Publikation (September 2019)

NACHHALTIGKEIT 
Das Lehr-­ und Forschungsformat artLAB wurde vor einigen Semestern erstmals entwickelt und erprobt. Dabei wurde das Konzept auf der Basis der Evaluation der Studierenden und der Praxiserfahrungen seither weiterentwickelt. artLAB ist bei den Studierenden bisher auf sehr gute Resonanz gestoßen. Die Teilnehmenden haben sich mit großem Interesse und Begeisterung an diesem innovativen Format beteiligt und beurteilten artLAB sehr positiv. Insbesondere wurde die Bedeutung hervorgehoben, die künstlerischen Arbeits-­ und Herangehensweisen gerade auch für eine auf Baukunst und Metropolenforschung fokussierte Universität zukommt. 
Aufgrund dieser ersten positiven Erfahrungen soll artLAB nun weiterentwickelt und längerfristig als Lehr-­ und Forschungslabor an unserer Universität etabliert werden. Die Förderung durch das Programm "Unsere Hochschulen" ermöglicht eine kontinuierliche Durchführung und längerfristige Sicherung dieses erfolgreichen Formats. Aufgrund der knappen finanziellen Ressourcen ist die kontinuierliche Durchführung und eine Weiterentwicklung des Formats andernfalls gefährdet. Die Anerkennung durch eine externe Institution verhilft artLAB auch zu einer besseren Verankerung innerhalb der Universität. Die Anschubfinanzierung ist zudem hilfreich, das Netzwerk zu lokalen Akteuren und potenziellen Kooperationspartnern entscheidend auf- und auszubauen und damit eine breitere Abstützung für die Zukunft zu erlangen.

Dr. Olivia Czerny, Bucerius Law School Hochschule für Rechtswissenschaft

A. Inspiration
E-Learning erhöht die Flexibilität, sowohl zeitlich als auch räumlich. Digitale Lehr- und Lernformate passen sich den Lebensgewohnheiten der Studierenden an, aus deren Leben Laptops, Tablets und Smartphones nicht mehr wegzudenken sind. Positiver Nebeneffekt ist, dass sich Studierende zusätzlich – „unterwegs“ und „nebenbei“ – mit den Inhalten befassen. Hauptvorteil ist, dass E-Learning-Formate die Chance bieten, Inhalte interaktiver zu vermitteln und unterschiedliche Quellen digital zu verknüpfen. E-Learning ist kein Bücher- oder Skriptersatz. Mit E-Learning können Formate kreiert werden, die einen echten didaktischen Mehrwert haben.
E-Learning im juristischen Studium ist v.a. dann besonders wertvoll, wenn zum einen das Klausurformat „Falllösung“ integriert und interaktiv aufbereitet werden kann und wenn zum anderen die Studierenden dazu animiert werden, den juristischen Primärtext, das Gesetz, tatsächlich zu lesen.

B. Das Projekt: Digitales Fallbuch
Mit dem digitalen Fallbuch können die Studierenden einen juristischen Sachverhalt anhand des Gesetzes eigenständig und aktiv lösen. Im Unterschied zu herkömmlichen Falllösungen wird die Lösung nicht nur durch passives Lesen lediglich konsumiert. Mit dem digitalen Fallbuch erhalten die Studierenden einen Sachverhalt, wie er auch Gegenstand einer Klausur sein kann. Anschließend klicken sich die Bearbeiter Schritt für Schritt durch eine geführte Lösung. Ein wesentliches Element des digitalen Fallbuchs ist es, dass die Studierenden Fragen gestellt bekommen, die dazu beitragen, den Sachverhalt zu erfassen, das Gesetz zu lesen und zu analysieren. An entscheidenden und v.a. schwierigen Stellen werden Hinweise als Denkanstoß gegeben. Die entscheidenden Gesetzestexte sind verlinkt und können ohne Aufwand mitgelesen werden.

C. Ausgangssituation
Das Studium der Rechtswissenschaft soll die Studierenden befähigen, Lebenssachverhalte anhand von Gesetzen zu lösen. Dabei müssen sie das Gesetz anwenden und interpretieren. Juristische Klausuren und auch das Staatsexamen bestehen aus Fallsachverhalten, die von den Kandidaten in Form einer Falllösung juristisch zu begutachten sind. Die Falllösung ist damit ein zentraler Aspekt der juristischen Ausbildung. Die universitären Angebote sind für die Studierende jedoch nicht ausreichend, so dass sie zusätzlich Fälle mit Lösungen aus Fall- und Lehrbüchern oder Ausbildungszeitschriften heranziehen. Gleichwohl führt die Arbeit mit gedruckten Fällen häufig dazu, dass die Studierenden die Fälle nur „lesen“ statt sie zu „lösen“. Das Ziel, eigenständiges Lösen von Fällen zu trainieren, wird aber durch bloßes passives Konsumieren von Fällen nicht erreicht. Das bloße „Lesen“ der Fälle führt auch dazu, dass der Blick ins Gesetz zu häufig unterbleibt und die Studierenden nicht erkennen, wie wertvoll und wichtig die Arbeit am Gesetzestext ist. 

D. Das digitale Fallbuch im Einzelnen
Diesen Problemen begegnet das neue Lernformat „Digitales Fallbuch“. 
I. Kernstück: Die geführte Lösung
Kernstück des Digitalen Fallbuchs ist die „geführte Falllösung“. Nachdem die Bearbeiter den Sachverhalt gelesen haben, bekommen sie Fragen gestellt, die der Strukturierung des Sachverhalts dienen und auf die einschlägige Anspruchsgrundlage, den Einstieg in den Fall, hinweisen. Beim nächsten „Klick“ erscheint die „Antwort“. Dieses Frage-Antwort-Prinzip zieht sich durch die ganze Lösung. Damit wird erreicht, dass die Studierenden lernen, welche Überlegungen sie anstellen müssen, um einen Sachverhalt zu bearbeiten und den Fall erfolgreich zu lösen. 

II. Ergänzung: Zusatzmaterialien
Die geführte Lösung wird von mehreren Zusatzmaterialen ergänzt. Ziel ist es, den Umgang mit dem Gesetz zu fokussieren und die Fallinhalte zu vertiefen und zu verfestigen sowie den Studierenden die Möglichkeit einzuräumen, selbst zu überprüfen, ob sie die inhaltlichen Aspekte verstanden haben. 

III. Markierte und aufbereitete Gesetzestexte
Im Mittelpunkt des Jurastudiums und auch des juristischen Arbeitens steht der Umgang mit dem Gesetz. Die Erfahrung zeigt aber, dass viele Studierende zu wenig ins Gesetz schauen und kaum mit dem Gesetzestext arbeiten. Im digitalen Fallbuch gibt es daher die Funktion, sich den Gesetzestext mit einem Mausklick sofort anzeigen zu lassen. Ziel ist es, die Hürde zu nehmen, im Gesetzbuch zu „blättern“ oder eine extra Website aufzurufen zu müssen. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass auch unterwegs leichter eine Übungseinheit eingelegt werden kann. 

IV. Urteilsauszüge
Eine wichtige sekundäre Quelle für Juristen sind Gerichtsurteile. Studierende, die Urteile oder Urteilsauszüge nachlesen, vertiefen materiell-rechtliche Fragen, bekommen einen Eindruck davon, wie Gesetze in der Praxis ausgelegt werden und lernen, aus welchem tatsächlichen Kontext die im Studium abstrakt vermittelten Probleme stammen. Häufig fehlt es den Studierenden aber an der Zeit, um die in Fallbüchern zitierten Urteile nachzuschlagen. Hinzu kommt, dass gerichtliche Entscheidungen häufig sehr lang sind und nur ein geringer Teil für die konkrete juristische Fragestellung relevant ist. Im digitalen Fallbuch gibt es die Funktion, sich für die konkrete Falllösung ausschließlich die relevanten Passagen der Entscheidung anzeigen zu lassen.

V. Videos
Eine weitere Funktion des digitalen Fallbuchs ist die Anzeige von Videos, die besonders wichtige Inhalte vertiefen oder wiederholen. Außerdem dienen die Videos der abstrakten Wissensvermittlung. Das Format des Videos stellt zudem einen methodischen Wechsel dar und soll andere Aufnahmekanäle ansprechen.

VI. Quiz
Die Einbettung von Multiple-Choice-Quiz in das digitale Fallbuch ermöglicht den Studierenden, sich interaktiv selbst zu überprüfen. Nachdem der Bearbeiter die seiner Meinung nach richtige Antwort ausgewählt hat, bekommt er sofort eine Rückmeldung, ob und warum seine Antwort richtig oder falsch war.

E. Einsatz
Ein wesentlicher Teil der Klausuren im Staatsexamen ist aktuellen Gerichtsentscheidungen nachgebildet. Daher werden im EVP II jede Woche im Anschluss an die Examensübungsklausuren aktuelle Urteile besprochen. Das aktuelle Format hat aber in seiner derzeitigen Ausgestaltung einige Nachteile. Zum einen sind die Teilnehmerzahlen in diesen Besprechungen gering. Zum anderen werden häufig nur die Kerngedanken der Entscheidungen referiert, ohne das Urteil so aufzubereiten, wie ein entsprechender Fall klausurmäßig zu lösen wäre. Ohne entsprechende Vorbereitung ist es jedoch gerade diese Transferleistung, die den Studenten in den Examensklausuren höchste Schwierigkeiten bereitet. Weiterhin sind die Studenten nur in geringem Maße dazu aufgerufen, sich selbst an der Lösung des Falls zu beteiligen. Hinzu kommt, dass viele Studierende sich erst am Ende des EVP oder gar erst vor der mündlichen Prüfung mit aktuellen Entscheidungen auseinandersetzen. Unsere Idee ist daher, die aktuelle Rechtsprechung in der Form des Digitalen Fallbuchs anzubieten. Den Studierenden wird damit eine größere Flexibilität gewährt, wann sie sich mit den aktuellen Entscheidungen auseinandersetzen. Viel wichtiger ist unseres Erachtens aber, dass man durch die Aufbereitung im Digitalen Fallbuch das aktive Arbeiten fördert. Die Studierenden werden dazu angehalten, das Problem selbst zu lösen und es in der Falllösung an der richtigen Stelle zu verorten. Weiterhin entsteht im Laufe der Zeit ein Pool an Fällen, die selbst dann noch sinnvoll zu Übungszwecken genutzt werden können, wenn die Entscheidungen nicht mehr aktuell sind. Dadurch wird nachfolgenden Jahrgängen ermöglicht, zu ausgewählten Fragestellungen gezielt Fälle zu wiederholen und damit ein zusätzlicher und erheblicher Mehrwert geschaffen. 

Neben den aktuellen Entscheidungen werden im digitalen Fallbuch auch Rechtsprechungsklassiker aufgenommen, die einen wichtigen Teil der juristischen Ausbildung darstellen und auch immer wieder Gegenstand in schriftlichen und mündlichen Prüfungen sind. Gerade diese Entscheidungen sind auch für Studierende in den kommenden Jahren besonders relevant, so dass dem Aufwand ein besonders hoher Ertrag gegenübersteht. Um den Studierenden die Möglichkeit zu geben, ihren Lernfortschritt festzuhalten, wird es die Funktion geben, bereits gelöste Fälle als solche zu markieren.

F. Verstetigung
Das digitale Fallbuch soll verstetigt werden, indem eine Software programmiert wird, die es allen Lehrenden ermöglicht, ihre Inhalte in kurzer Zeit in das Programm einzugeben. Die Idee des digitalen Fallbuchs ist an einzelnen Fällen in Form eines Prototyps bei den Studierenden getestet worden. Dafür musste jeder Fall einzeln programmiert werden. Damit wurde erprobt, ob das Projekt auf Zuspruch stößt. Für Lehrende ist das Fallbuch auf diese Weise aber nicht nutzbar, weil es keine Eingabemaske gibt, sondern jeder Fall einzeln programmiert werden muss. Das setzt zum einen Programmierkenntnisse voraus und ist sehr zeitaufwendig. Nur mit einer Eingabesofteware kann das digitale Fallbuch von verschiedenen Lehrenden genutzt werden. Dann kann der Einsatz von der aktuellen Rechtsprechung auch auf andere Formate erstreckt werden, etwa als Wiederholungseinheiten für Studierende im Grundstudium.

Für den Erfolg ist erforderlich, Zusatzstellen zu schaffen, die Inhalte in nicht unerheblichem Umfang produzieren. Ein neues Format wird sich kaum durchsetzen, wenn es nur ganz vereinzelt angeboten und dadurch kaum wahrgenommen wird. Wenn E-Learning nicht nur darin bestehen soll, vorhandene Skripte als PDF zur Verfügung zu stellen, bedarf es zusätzlichen Inhalts, der im Sinne der oben beschriebenen Einsatzmöglichkeiten das Lernangebot bereichert und den Studenten die Möglichkeit bietet, „on demand“ Aspekte zu vertiefen oder durch einen Medienwechsel besser zu verstehen. Langfristig ist das Ziel, dass die Lehrstühle die Eingabesoftware nutzen und sich so inhaltlich am Digitalen Fallbuch beteiligen. V.a. im Rahmen der aktuellen Rechtsprechung ist dieses Ziel schon mittelfristig realistisch, da der zusätzliche Zeitaufwand überschaubar ist. Ein Vorteil des Digitalen Fallbuchs gegenüber üblichen Fallbüchern ist, dass die Aktualisierung einfacher ist. Fälle und Lösungen stehen nicht auf unbestimmte Zeit in der ersten Fassung im Bücherregal, sondern können an aktuelle Entwicklungen angepasst werden.
 

Jesko Fezer, Hochschule für bildende Künste Hamburg

Zugegeben, der Grundansatz Design anhand realer Problemstellungen zu erlernen ist nicht neu. Dieses Prinzip künstlerischer und kunsthandwerklicher Ausbildung wurde bereits 2011 von Studierenden der Klasse Experimentelles Design weiterentwickelt: Menschen, die aus ökonomischen oder soziokulturellen Gründen üblicherweise nicht AuftraggeberInnen professioneller Gestaltung sind, können eine Gestaltungsberatung aufsuchen. In einem spezifischen lokalen Kontext arbeiten dann Studierende gemeinsam mit AnwohnerInnen an deren Alltagsproblemen. Diese Designunterstützung macht jegliche persönlichen oder gemeinsamen Themen, Probleme und Wünsche zum Ausgangspunkt von Designprojekten. Dieser Ansatz wurden an der HFBK bereits mehrfach an unterschiedlichen Orten mit je unterschiedlichen ProjektpartnerInnen erprobt. Anspruch war dabei immer, die hochschulische Auseinandersetzung mit Fragen des Designs nicht anhand selbsterdachter oder allgemeiner Fragestellungen zu üben, sondern mit wirklichen Problemen und mit PartnerInnen, die diese Themen aufwerfen und vertreten, zu arbeiten. In Hamburg St. Pauli gemeinsam mit dem sozialen Träger GWA, in Istanbul Kuzguncuk mit einer lokalen Park-Initiative, in Belgrad Savamala für eine obdachlose Roma-Familie, in Mardin mit türkisch-kurdischen Architekturstudierenden, in Mexiko-City mit dem Projektraum Muca Roma sowie mexikanischen DesignerInnen und schließlich in Kooperation mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ deutschlandweit – überall wurden unterschiedliche Erfahrungen zur problemorientierten Gestaltung in Bezug auf tatsächliche aufgeworfene Alltagsprobleme gesammelt.
Nach einigen experimentellen temporären Erprobungen dieser Herangehensweise hat sich gezeigt, dass die Öffentliche Gestaltungsberatung als Lehrformat im Design ein sehr produktives Werkzeug darstellt. Real-Life Erfahrungen, konkrete intersubjektive Auseinandersetzung mit großem gestalterischen Freiraum bei gleichzeitig intensiver Problemanalyse, (künstlerische) Erforschung sozial-räumlicher Kontexte sowie das Einüben kooperative Designprozesse und die Erprobung der Möglichkeiten wie auch der Grenzen gestalterischer Interventionen bildeten neuartige und sehr intensive Lernsituationen. 
Aber auch Schwächen dieses Arbeitsansatzes wurden deutlich. Der Mangel an personellen, ökonomischen und zeitlichen Möglichkeiten, eher spontane als systematisch angelegte Strukturen und eine teilweise zu intuitive Herangehensweise erschwerten die Projektarbeit. Eine funktionierende Gesamtorganisation war aufgrund mangelnder personeller Ressourcen nicht immer gegeben, elaborierte Werkzeuge der Gruppen und Projekt-Kommunikation fehlten, Input wie auch Kritik erfahrener EntwerferInnen oder ExpertInnen anderer Disziplinen wurden zu selten eingeholt und in die Arbeit integriert und die Evaluation der Arbeitsprozesse und -ergebnisse fiel meist völlig unter den Tisch. 
Die Neue Öffentliche Gestaltungsberatung, die nun als Lehrformat in das Bachelor- wie auch Masterstudium Design integrieren werden soll, wird hier ansetzen. Es geht einerseits darum, die bestehenden Infrastrukturen und Ansätze zu bündeln und in ein längerfristiges Projekt zu integrieren. Die bereits auch über die Hochschule hinaus eingeführte Überschrift „Öffentliche Gestaltungsberatung“ bleibt dafür erhalten. Andererseits soll die Arbeitsform aber grundlegend überarbeitet und aktualisiert werden. Die PartnerInnen und die institutionelle Anbindung der Projekte wird neu konfiguriert und verstetigt. 
Wesentliche Änderungen und Vertiefungen der Neuen Öffentlichen Gestaltungsberatung sind:

Dauerhafte Verortung
Der soziale Träger für Gemeinwesenarbeit GWA St. Pauli e.V. soll, als ein in der Zusammenarbeit bereits eingeführter Partner, eine längerfristige Basis für das Projekt schaffen und seine sozialarbeiterischen Kompetenzen und die intensive Vor-Ort-Vernetzung als Ressource für das Hochschulprojekt einbringen. Bei der GWA St. Pauli stehen auch Räume für eine wöchentliche von Studierenden zu betreibende Designsprechstunde zur Verfügung. Hier kann eine längerfristige Präsenz und der Aufbau von kooperativen Arbeitsstrukturen gewährleistet werden. Außerdem würde eine regelmäßige Sprechstunde niedrigschwelligen Zugang zum Projekt schaffen. Dafür soll das Projekt vor Ort für mindestens 5 Jahre angelegt werden. (beantragte Anschub-Förderung 2 Jahre) Diese neue Projektdauer ermöglicht einen tiefergehenden Erfahrungs- und Kompetenzaufbau in einer wechselnden Gruppe beratender und gestaltender Studierender.

Projektkoordination
Eine der Hauptschwierigkeiten einer solchen parallel laufenden dezentralen Projektarbeit ist. die Projekte zusammenzuführen, Überschneidungen und Konflikte im gestalterischen Prozess sichtbar zu machen, einen Gesamtüberblick zu behalten sowie die Abstimmung mit den ProjektpartnerInnen zu organisieren. Um zu gewährleisten, dass die Lernziele in den Einzelprojekten erreicht werden und dass in der gemeinsamen Auseinandersetzung ein übergeordneter produktiver Austausch stattfinden kann, soll eine studentische Hilfskraft vornehmlich Koordinationsaufgaben übernehmen und die studentischen Einzel- und Gruppenprojekte unterstützen. So können die teilweise unüberschaubaren Herausforderungen, in unbekannten Kontexten und komplexen Problemlagen und mit verschiedenen eigensinnigen Akteuren zu arbeiten, erleichtert werden. Dennoch bleibt eines der Lehrziele, der aktive und bewusste Umgang genau mit diesen Unwägbarkeiten.

Online-Tool zur Projektkommunikation
Neben einer personellen Unterstützung benötigen die sich überlappenden Formen von Gruppenarbeit in solchen Projekten ebenfalls strukturierte Arbeits- und Kommunikationsstrukturen, die über das persönliche Gespräch hinausgehen. Hintergrundinformationen, Projektmaterialien, Projektschritte, Entwurfsansätze, offene Fragen aber auch Zeitpläne und übergeordnete Informationen sollten projektweise und für das Gesamtvorhaben gesammelt, aufbereitet, archiviert und online nutzbar gemacht werden. Die Entwicklung eines einfachen und überschaubaren aber leistungsfähigen Online-Werkzeugs zu Projektkommunikation und Datenarchivierung, das Feedback und Zeitmanagement unterstützt, wäre ein weiterer wesentlicher Baustein der Neuen Öffentlichen Gestaltungsberatung.

Externe ExpertInnen einbinden
Um in komplexen sozio-kulturellen Kontexten tatsächlich offen wie auch zielführend an Gestaltungsfragen zu arbeiten und gleichzeitig in die Lage versetzt zu werden, Projekterfahrungen zu reflektieren, ist neben der praktischen Projektarbeit auch fachliche Kritik und Anregung anderer Disziplinen wichtig. Externe Experten, ob etwa aus dem Bereich der Stadtanthropologie, der Soziologie, der Kulturwissenschaft, des Managements, des Aktivismus, der Stadtpolitik oder der Gemeinwesenarbeit, wie auch der Bereiche Planung und künstlerischer Gestaltung zu den regelmäßigen Einzel- oder Gruppenbesprechungen Gäste einzuladen, soll eine Erweiterung des Blickes auf einzelne Problemstellungen ermöglichen. Zu einzelnen Projekten erfahrene Gestalter oder Forscher hinzuzuziehen, vertieft die interdisziplinären Lernerfahrungen und schafft Zugang zu weiteren Wissens- und Kompetenzfeldern – eine unabdingbare Grundlage von Gestaltung im sozialen Kontext der Gegenwart. Die Projektkoordination der studentischen Hilfskraft sowie das Tool zur Projektkommunikation bilden hierfür die organisatorische Grundlage.

Evaluation laufender und abgeschlossener Projekte
Ganz entscheidend für die Lernerfahrung sind Nachbetrachtungen abgeschlossener aber auch möglicherweise abgebrochener Projekte. Hierbei sind einerseits die systematischen Verfahren und Techniken der Sozialwissenschaften für die Designlehre von großem Interesse. Fragenbogengestützte Nachbesprechungen mit den beteiligten Akteuren, Langzeitbeobachtungen und Mediendokumentationen sollen dabei ebenso zum Einsatz kommen, wie künstlerische Formate der Dokumentation und Nachbetrachtung. Auch hierfür sind die anderen neuen Projektbestandteile wesentliche Werkzeuge. Die Evaluation soll in Kooperation mit externen Fachleuten stattfinden. Ihr Ziel ist die Aufarbeitung von Projektergebnissen, dem Projektverlauf, seinen Zielen und der Art der Zusammenarbeit. Dabei geht es weniger um die Sicherstellung der Projekterfolge als darum, die gemachte Erfahrung zu reflektieren und ggf. in der Nachbereitung den Gestaltungsansatz zu korrigieren.
Neben dem designimmanenten Ansatz der Gestaltungsberatung, möglicherweise Verbesserungen für einige Menschen zu erreichen und einen aktiveren Umgang mit der Gestaltung individueller Lebensumstände und des nachbarschaftlichen urbanen Umfeldes zu erleichtern, zielt dieses Hochschulprojekt auf sehr konkrete Lernerfahrungen anhand realer Probleme und daraus entwickelter und umgesetzter Projekte. Sie fordern und üben die ganze Bandbreite entwerferischer und planerischer Vorgehensweisen, Techniken und Kompetenzen. Darüber hinaus findet hierbei eine sehr konkrete Erforschung und kritische Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen des Designs statt: Was kann Design, was soll Design, was darf Design und was tut Design? 
Das Design – eine Disziplin im Umbruch, die immer von der Frage ihrer gesellschaftlichen Relevanz getrieben ist – kann sich in Praxis und Lehre nicht mehr auf einen veralteten Kanon von Fertigkeiten, Berufsvorstellungen und Methoden verlassen. Sie kann nicht anhand fiktiver oder aus dem klassischen Berufsfeld abgeleiteter Aufgaben erlernt oder praktiziert werden. Sie muss sich im Bezug zur gesellschaftlichen Wirklichkeit immer neu erfinden wie auch legitimieren und ihre Potentiale neu entdecken. Das Projekt der Neuen Öffentlichen Gestaltungsberatung will dazu in der praktischen wie auch forschenden Auseinandersetzung mit konkreten lebensweltlichen Problemen gemeinsam mit den davon betroffenen und damit befassten Akteuren vielfältige Möglichkeiten des gestalterischen Umgangs erarbeiten. Dafür soll eine neue Lernsituation geschaffen werden, die sich für die reichhaltigen Bezüge von Gestaltung öffnet und Erfahrungswissen generiert und reflektiert.

Prof. Dr. J. Otto Habeck, Universität Hamburg

Summary

This project aims to investigate citizens’ involvement in community development. Simultaneously, it is meant to foster innovative forms of teaching empirical methods, procedures, research ethics and public outreach in social sciences. These two aims will be combined through a study of social and cultural activists and their interaction with municipal administrations in four medium-sized cities in northeastern and central Europe. The project will facilitate exchange and cooperation between students, teachers, and local actors in the spheres of community work, culture and urban development. Local actors, both in NGOs and municipal administrations, will participate in the research process in their respective city and directly benefit from the results of the project. Moreover, the project will yield potential for all partners through jointly developed formats and strategies for media outreach. 

Rationale

It is often assumed that civil society is, as of yet, weakly developed in the "new" member states of the European Union, owing to the socialist past of these countries (Howard 2003; cf. Foa & Ekiert 2017). However, as to the EU's eastern member states, very few scientific studies have actually explored the ambitions and dynamics of non-governmental organisations, the conditions of success in promoting and implementing their ideas, and the interplay with experts in municipal administrations. The scarce number of researches conducted outside the metropolitan centres of the Baltic states (i.a., Putnina 2011) reveal changes in the ways municipal institutions respond to local initiatives, but what is still lacking is a careful examination of how actors of community-oriented social movements assess the preconditions and strategies for cooperation with planners and experts in their respective municipality. For students of social sciences, some of which are themselves engaged in voluntary work and local projects, it is of particular relevance and interest to explore the challenges and potentials of participatory approaches in community development.


References:
Foa, R.S. & Ekiert, G. (2017). “The weakness of postcommunist civil society reassessed”. European Journal of Political Research 56 (2): 419-439. 
Howard, M. M. (2003). The weakness of civil society in post-communist Europe. Cambridge University Press. 
Putnina, A. (2011). “Transformations of the House of Culture in Civil Society: a case study of rural women’s culture projects in Latvia”. In: Donahoe, B. & Habeck, J.O. (eds): Reconstructing the House of Culture, pp. 213-235. New York: Berghahn. 

Research Question

To what extent and in which ways are local, non-governmental initiatives willing and able to communicate and cooperate with municipal administrations in the domains of community work, culture and urban development? 
More specifically, the project will explore: 

What are the strategies of local NGO initatives to promote their ideas of urban development among urban residents and how do they position themselves vis-à-vis municipal administrations?

How do representatives of municipal administrations and experts (urban planners, architects, employees in cultural and social work) perceive and respond to local NGO initiatives, and how do they perceive the preconditions for dialogue and partnership?

Pedagogical Concept

BA and MA students in social sciences from the six universities listed above will participate in this project, to be conducted from BA and MA students in social sciences from the six universities listed above will participate in this project, to be conducted from April 2018 to September 2020 [Note: two preparatory courses – one on qualitative methods and one on Urban Anthropology – will already be offered in the winter term 2017-18]. While the project is mainly targeted at Social/ Cultural Anthropology along with Cultural Studies with an urban focus, students of related disciplines (sociology, urban planning, architecture, communication sciences, political sciences, Baltic Studies and others) can also be included. Courses at the participating universities will enable students to learn and apply ethnographic methods (first year); urban development, civil society, social exclusion and cohesion (first and second year) and anthropological approaches to institutional and organisational analysis (second year). Simultaneously, MA students will mentor BA students in research ethics and procedures in classroom and/or during field research. Seminars in the course of the project will be open for a large number of students (up to 25 in each participating university). From among these, a core team of students with sound methodological training will conduct field research in one of the targeted communities (Narva, Jelgava, Marijampole, Schwerin). Each of the students will be encouraged to work outside their respective home country. The core team will comprise approx. 10 students from UHH and HCU, and 3 students from each of the participating Baltic universities, i.e. a group of approx. 21 students in total. Students from Baltic universities will visit Hamburg for ten days in September 2018 with the aim to formulate a first, preliminary profile of NGOs in the Baltic region, taking a comparative view on initiatives in Hamburg. This visit and a workshop in Riga in February 2019 will also provide the forum for assessing and adjusting formats of learning, teaching, and research. During the two field research periods, each lasting four weeks, groups of 2 or 3 students will carry out participant observation among local NGOs and interviews with both local activists and experts in municipal administrations. Methods are to be adapted to the specific situation of each community in consultation between local actors, students, and their home-university supervisors with the aim to create palpable benefit for local actors. Moreover, students will consult and possibly cooperate with peers and teachers at the university next to their fieldsite (e.g., UHH students working in Jelgava will be in close contact with students and teachers in Riga). This is likely to result in tandems of students from outside and those from within the country. Finally, students, teachers, and key local actors will jointly design (1) public outreach, media presence and (2) detailed reports for the cities under study, analysing the local dynamics of civil society and assessing the basis for dialogue and cooperation between NGOs and municipalities. To summarise the innovative potential of the pedagogical concept, the project envisages (1) MA students mentoring BA students on research ethics, research procedures, and media output, (2) field research conducted by international teams of students in medium-sized communities of the Baltic region, working in tandem with local hosts. 

Goals (advancement of students' skills and competencies)

As an integrated research & teaching project ("Forschendes Lernen") Baltic MALIBU aims at: 
  • Improving and applying skills in empirical research methods;
  • Improving and applying competencies in research communication (i) among partner universities, (ii) with partner organisations in local communities, (iii) with the wider public in those communities and countries;
  • Improving and applying skills in the scientific anaylsis of institutions and organisations;
  • Charting and navigating a socio-political field of different actors and (possibly) divergent interests;
  • Identifying and communicating common ground for (possible) cooperation.

Towards the end of the project, students and teachers will write reports on their experience of the research and teaching process, explicitly assessing how and to what extent the above goals have been achieved. 

Choice of Fieldsites

NGOs are usually assumed to exist in relatively large numbers in capitals; the presence and dynamics of local initiatives outside the capitals is supposedly smaller and has thus far received much less scientific attention. Therefore, field research within this project should be conducted outside the capital area of the respective country, in communities with roughly 50,000-100,000 inhabitants. Being of this size, Narva, Jelgava and Marijampole expose certain historical and demographic particularities which will be useful for comparison of local conditions for community work. Schwerin will serve as a further site for comparison: it has also undergone a post-socialist transformation process and therefore can be fruitfully compared to the Baltic cities named above. 

Outcomes and Legacy

  • For Hamburg: exploring the interface between universities and civil-society actors in a comparative setting 
  • For UHH and HCU: acquaintance with teaching and research at Baltic universities
  • For all universities: new ways and formats of teaching and applying methods of social research in urban settings, especially of applied and participatory character
  • Possible presentation and dissemination of project results in Kaunas, European Capital of Culture in 2022  
  • Possible follow-up projects on joint teaching and research activities between Baltic universities, UHH and HCU, thereby strengthening exchange and mobility within the European Research Area

Prof. Dr. Grischa Perino, Universität Hamburg

In Kürze
Es werden studentische Studienlotsen für den B.A. Sozialökonomie ausgebildet und betreut. Die Studienlotsen helfen den Studierenden Klippen im Studium sicher zu umschiffen, indem sie als Ansprechpartner/innen auf Augenhöhe agieren und gezielt die Kooperation zwischen den Studierenden fördern. Zudem sind sie Multiplikator/innen für die ergänzenden Angebote des Fachbereichs. Durch gemeinsames Lernen steigern die Studierenden ihren Studienerfolg. Das Projekt adressiert insbesondere die Bedürfnisse der sehr heterogenen Studierendenschaft im B.A. Sozialökonomie und fördert die existierende kooperative Kultur am Fachbereich. Der B.A. Sozialökonomie ist mit etwa 2.600 Studierenden, seiner Interdisziplinarität und seiner Förderung von Studierenden ohne Abitur einer der größten und diversesten Studiengänge in Hamburg. Die Studienlotsen sind eng mit bestehenden und geplanten Initiativen am Fachbereich vertäut.

Die Ausgangslage
Der B.A. Sozialökonomie ist in seiner Form einmalig. Wesentliche Merkmale sind u.a.:

  • Mit etwa 2.600 Studierenden einer der größten Bachelorstudiengänge in Hamburg
  • Konsequent interdisziplinär ausgerichtet; verbindet die Disziplinen BWL, VWL, Soziologie und Recht
  • 40% der Studienplätze sind – bundesweit einmalig – für Studierende ohne Abitur reserviert
  • Hoher Anteil von Studierenden mit Migrationshintergrund; aktive Förderung des Studieneinstiegs von Geflüchteten
  • Größe und Vielfalt sind gleichzeitig Herausforderung und Chance. Die individuellen Stärken und Schwächen der Studierenden sind sehr unterschiedlich. Klassische Abiturient/innen sind oft vertrauter mit dem vorausgesetzten Schulwissen (z.B. in Mathematik) während Studienanfänger/innen ohne Abitur aufgrund ihrer mehrjährigen Berufserfahrung oft die Praxisrelevanz des Stoffes besser einschätzen können und über mehr Lebenserfahrung verfügen. Die Studienlotsen sollen helfen, diese unterschiedlichen Kompetenzen besser zu nutzen und einen Rahmen schaffen, in dem Studierende voneinander lernen können.

Das Konzept
Jedes Studienjahr hat seine Stromschnellen und Untiefen, d.h. spezielle organisatorische und curriculare Herausforderungen, z.B.:
1. Studienjahr: Erlernen selbstverantwortlichen Lernens, Schwerpunktwahl für 2. und 3. Studienjahr, Prüfungsanmeldung/-organisation, Anfertigen der ersten Hausarbeit, Kennenlernen interdisziplinärer Lehre
2. Studienjahr: Anforderungen der gewählten Schwerpunkte und die Verknüpfung der Perspektiven verschiedener Disziplinen
3. Studienjahr: Abschlussarbeit, Entscheidung für Masterstudium oder Berufs(wieder)einstieg
Das Bewältigen dieser Anforderungen, zusätzlich zu den Lehrinhalten, ist für viele Studierende eine Herausforderung, die durch ein gezieltes und koordiniertes Beratungs- und Betreuungsangebot erheblich gemildert werden kann. Aus studentischer Sicht sind die Beratung und Betreuung durch Studienlotsen wichtige Förderer der Studienqualität, da sie den gesamten Studienverlauf positiv begleiten. Im Rahmen des Projektes werden acht Studienlotsen ausgebildet, die Studierenden helfen sollen, Klippen im Studium sicher zu umschiffen. Zur Sicherstellung der Qualität werden die Studienlotsen umfassend geschult und begleitet. Die Schulung wird die folgenden Bereiche umfassen und definiert damit zugleich die vorgesehenen Aufgaben:
Leuchttürme: Kenntnisse über ergänzende Angebote des Fachbereichs und der Universität für die Unterstützung der Studierenden im akademischen Arbeiten: Schreibzentrum, Intensive Lernworkshops, Lange Nacht der Hausarbeiten, Deutsch als Wissenschaftssprache, Fremdsprachenkurse etc.
Rettungsanker: Kenntnisse über Beratungsangebote an der Universität Hamburg: Angebote des Studienbüros, des Familienbüros, des Campus Centers, des Career Centers, der psychologischen Studienberatung und der Refugee Law Clinic
Seekarte: Kenntnisse über die fachlichen Herausforderungen im Studienverlauf der Sozialökonomie: Mathematik und Englisch, Mikroökonomie, empirische Methoden, etc. und der zuständigen Lehrenden am Fachbereich
Kombüse: Die Fähigkeit einen Raum zum Austausch und zur Diskussion zu schaffen, in dem Studierenden sich gegenseitig beim Lernen und Lernen zu Lernen unterstützen und gemeinsam ihr Studium besser meistern können.
Die acht Studienlotsen stehen in regelmäßigem Kontakt mit der Leiterin des Studienlotsenprogramms und können sich bei Bedarf jederzeit weitere Unterstützung durch die Projektpat/innen, einer Gruppe von hauptamtlich Lehrenden der unterschiedlichen Disziplinen,  einholen. Das Lotsenprogramm wird mindestens einmal pro Semester durch die „Brückencrew“ evaluiert und ggf. eine Kurskorrektur vorgenommen.

Studierende, die an den von den Lotsen durchgeführten Peer-to-Peer Tutorien teilnehmen, erwerben Schlüsselkompetenzen, die ihnen nicht nur helfen Klippen im Studium zu umschiffen und sie für ihren weiteren beruflichen Werdegang wetterfest machen. Die Erfahrung im Studium sich gemeinsam durch Herausforderungen zu manövrieren, ist ein wertvolles Erlebnis im Sinne des Empowerments. 
Das Lotsenprojekt richtet sich insbesondere an den Bedürfnissen unserer sehr heterogenen Studierendenschaft aus. Das Peer-to-Peer Format der Tutorien eignet sich insbesondere dazu, dass Studierende wechselseitig aus ihren persönlichen Erfahrungen und Kompetenzen lernen können.

Beispiel 1: In einem Peer-to-Peer Tutorium treffen sich zwei Studentinnen. Eine hat gerade ihr Abitur bestanden und kann einer Mitstudentin, mit Realschulabschluss und 15 Jahre Berufserfahrung im Marketing eines Verlags, helfen sich erfolgreich auf die Mathematik oder Statistikklausur vorzubereiten. Im Gegenzug profitiert sie von den beruflichen Erfahrungen ihrer Mitstudentin im Marketingseminar.

Beispiel 2: Ein Studienlotse berät einen Studenten, für den Deutsch eine Zweitsprache ist und der Probleme beim Schreiben einer Hausarbeit hat. Der Studienlotse weist ihn auf den Kurs „Deutsch als Wissenschaftssprache“ des Fachbereichs und die Angebote des Schreibzentrums zu Mehrsprachigkeit hin, außerdem vermittelt er einen Kontakt zu einer Lerngruppe.

Auch wenn für Studierende ohne Abitur Mathematik, Englischkenntnisse oder das Erstellen akademischer Texte besondere Herausforderungen darstellen können, so bringen sie an anderer Stelle oft Schlüsselkompetenzen mit, die sich Studierende mit Abitur erst im Verlauf ihres Studiums aneignen müssen. Dazu gehören zum Beispiel Fertigkeiten aus den Bereichen Zeitmanagement, lösungsorientiertes Arbeiten, Stressresistenz, Konfliktmanagement, Entschlossenheit und professionelles Auftreten, sowie spezifische Fachkenntnisse aus ihrem beruflichen Hintergrund.

Die Heterogenität der Studierenden im B.A. Sozialökonomie ist eine Stärke. Das Studienlotsenprojekt eröffnet Studierenden mit unterschiedlichen Bildungsbiographien die Möglichkeit gezielt die eigenen Kompetenzen durch Austausch mit Peers zu ergänzen. Dieser Austausch wird gefördert und moderiert durch die geschulten Studienlotsen. Ebenso dienen die Lotsen als kompetente Ansprechpartner bei besonderen Herausforderungen im Studienalltag.

Verknüpfung mit bestehenden und geplanten Initiativen
Das Studienlotsenprojekt fügt sich in bestehende und geplante Aktivitäten des Fachbereichs ein. Insbesondere mit den folgenden Projekten gibt es Schnittstellen und Berührungspunkte:

Studium ohne Abitur: Die Förderung von verschiedenen Bildungsbiographien hat im Studiengang eine jahrzehntelange Tradition. Mit ca. 120 Studienanfänger/innen ohne Abitur pro Jahr ist die Zahl dieser Gruppe im B.A. Sozialökonomie im Vergleich zu anderen Studiengängen in Deutschland überdurchschnittlich hoch. Im Jahr 2016 hat ca. 1/5 aller Studienanfänger/innen ohne Abitur in Hamburg ihr Studium am Fachbereich Sozialökonomie aufgenommen. Die pro Jahr für Studierende ohne Abitur zur Verfügung stehenden ca. 240 Studienplätze werden z. Zt. nicht voll ausgeschöpft. Fachbereich und Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo) möchten dies ändern und setzen sich für soziale Mobilität und flexible Bildungswege ein. Dazu wurde die Stelle einer Referentin für „Studieren ohne Abitur“ eingerichtet, der Studienzugang ohne Abitur verstärkt beworben und die Aufnahmeprüfung überarbeitet.

Schreibzentrum: Das zum Jahresbeginn 2017 gegründete und am Universitätskolleg der UHH angesiedelte Schreibzentrum wird von der WiSo-Fakultät mitgetragen und wird spezielle Angebote für Studierende des Fachbereichs anbieten. Das Schreibzentrum hat ebenfalls ein Tutorienprogramm, in dem studentische Tutor/innen Schreibtrainingsworkshops und individuelle Schreibberatungen durchführen. Auf dieses Angebot soll im Rahmen der Studienlotsen hingewiesen werden und die Teilnahme an einem Schreibtraining kann Teil der Ausbildung der Studienlotsen sein.

Studentische Orientierungseinheit (OE): Die mehrtägige Veranstaltung liegt in der Verantwortung des Fachbereichs (OE-Beauftragte) und wird unter Mitwirkung des Studienbüros organisiert. In der Woche vor Semesterbeginn werden die neuen Studierenden am Fachbereich begrüßt und von studentischen OE-Tutor/innen betreut. Inhalte der OE sind u.a.: Studienaufbau, Studienorganisation, Vernetzung und Mitgestalten in Gremien- und Selbstverwaltungsstrukturen. Die Orientierungseinheit bietet den Studienanfänger/innen einen besonderen Einstieg ins Studium an den das Studienlotsenprojekt mit seinem Peer-to-Peer Ansatz inhaltlich und methodisch anschließt.

Beratungsstelle für Studieninteressente ohne Abitur (beantragt): Ein spezielles Beratungsangebot für Studieninteressierte dieser Zielgruppe ist in Vorbereitung und soll im Studienbüro der Sozialökonomie angesiedelt werden. 

Das Studienlotsenprojekt soll den Austausch zwischen Studierende ohne und Studierende mit Abitur fördern. Die Studierenden sollen mit Hilfe der Studienlotsen die Wogen und Stürme des Studiums sicherer durchsegeln und eine Erfahrung des Empowerments erleben.

Prof. Dr. Timo Reis, Universität Hamburg, Prof. Dr.-Ing. Robert Seifried, TUHH - Technische Universität Hamburg

Autonomes Fahren - Revolution des Individualverkehrs

Vor wenigen Jahren schien die wesentliche Entwicklung des Automobils an ein Ende gekommen zu sein. Hauptaugenmerk in der Industrie war nur noch die graduelle Entwicklung einzelner Fahrerassistenzsystemen, wie z.B. ABS, ESP oder Spurhalteassistenten zur Erhöhung der aktiven Sicherheit. Während dabei die Fahrsicherheit deutlich erhöht wurde, hat sich die Wahrnehmung des Fahrerlebnisses nicht wesentlich verändert.
Diese Wahrnehmung unterliegt momentan einem dramatischen Wandel und ist bedingt durch zwei Megatrends: dem elektrifizierten Antriebsstrang und dem autonomen Fahren. Was bis vor kurzem wie eine Utopie klang, scheint auf schnellem Wege zur Realität zu werden. Bezeichnend ist hier die Aussage des Tesla-Gründers Elon Musk aus dem Jahr 2016: „I really consider autonomous driving a solved problem. ... I think we are probably less than two years away." Auch wenn diese Aussage sehr optimistisch ist, so zeigt es, dass sich in Zukunft durch das autonome Fahren der Individualverkehr revolutionär verändern wird. Die manuellen Fahrtätigkeiten der Einzelnen werden durch "Computer auf Rädern" teilweise oder komplett übernommen und Fahrer werden sich als passive Passagiere anderen Tätigkeiten widmen können.

Bevor diese Vision jedoch flächendeckend Realität werden kann, sind noch viele interessante Fragestellungen zu klären. Technisch stellt das autonome Fahren eine große Herausforderung dar. Hierbei ist es unabdingbar, bekannte Wege zu verlassen. Es müssen hochmoderne Methoden aus verschiedenen Disziplinen verwendet, kombiniert und weiterentwickelt werden. Erst durch den hierbei gerade entstehenden technischen Fortschritt wird autonomes Fahren unter realen Bedingungen möglich werden. Hierzu ist es jedoch notwendig, dass zukünftig noch stärker disziplinübergreifend gearbeitet wird und Verständnis für die Denkweisen der anderen Disziplin geschaffen wird. Dass hier ein sehr großer Bedarf an jungen NachwuchswissenschaftlerInnen aus Mathematik und Ingenieurwissenschaften besteht, zeigt die gerade gestartete "Cyber-Valley" Initiative in Baden-Württemberg, welche sich auf autonome Systeme konzentriert. Die Entwicklung autonomer Fahrzeuge erfordert neben den mathematisch-technischen Herausforderungen auch die Behandlung zahlreicher zusätzlicher Fragestellungen: Etwa müssen EthikerInnnen das grundsätzliche Fahrverhalten in sich anbahnenden Unfallsituationen diskutieren, JuristInnen müssen die Haftungsfrage klären und PsychologInnen müssen die Akzeptanz und das Vertrauen der Fahrer analysieren. Im Rahmen des Lehrprojekts möchten wir uns vorrangig, jedoch nicht ausschließlich, mit den mathematischen und ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen des autonomen Fahrens beschäftigen. Hierbei stehen die Gebiete der Mehrkörperdynamik und der mathematischen Systemtheorieim Fokus, welche Grundlagen des autonomen Fahrens bilden.

Beteiligte Disziplinen und Lehrende

Das Lehrprojekt wird gemeinsam von den Professoren Timo Reis (Fachbereich Mathematik, Universität Hamburg) und Robert Seifried (Institut für Mechanik und Meerestechnik, Technische Universität Hamburg) geleitet, deren Arbeitsgebiete jeweils die mathematische Systemtheorie und die Mehrkörperdynamik bilden.
Die Mehrkörperdynamik ist ein Teilgebiet der Mechanik. Hier beschäftigt man sich mit dem zeitlichen Bewegungsverhalten von mechanischen Systemen welche große Bewegungen ausführen. Die Fahrzeugdynamik ist dabei eines der Paradebeispiele. Hierbei wird das Fahrzeug mittels starrer Körper, Massen, Federn und Dämpfern modelliert. Neben der Bereitstellung von Regelungsmodellen und der Simulation am Computer im Sinne des "Virtual Prototypings" ist hier auch die experimentelle Verifikation und Regelungsimplementierung ein integraler Bestandteil in Forschung und Lehre. Hierzu stehen das Labor des Instituts für Mechanik und Meerestechnik zur Verfügung.
Die mathematische Systemtheorie ist das theoretische Pendant zur Ingenieurdisziplin Regelungstechnik. Hier werden mathematische Grundlagen zur Steuerung und Regelung allgemeiner dynamischer Systeme vermittelt. Hierbei versteht man unter "Regelung", dass ein gegebenes System anhand von Messdaten beeinflusst wird, so dass ein gewünschtes Verhalten erzwungen wird. Ein Beispiel eines geregelten Systems ist etwa der Tempomat im Fahrzeug: Ist die Geschwindigkeit zu niedrig, so wird eine Beschleunigung erzwungen, ist die Geschwindigkeit zu hoch, so wird ein automatischer Bremsvorgang eingeleitet. In der mathematischen Systemtheorie geht es naturgemäß nicht um die technische Konstruktion von Reglern, sondern um eine fundierte theoretische Analyse des Reglerentwurfproblems. Etwa werden hier neue Reglerformeln entwickelt und deren theoretische Funktionstüchtigkeit mittels mathematischer Beweise nachgewiesen. Nur durch die Zusammenarbeit von Mathematikern und Ingenieuren ist dann die technische Umsetzung solcher neuen Regelungsformeln möglich.

Das Lehrveranstaltungskonzept
Im Rahmen der Lehrveranstaltung sollen vornehmlich Regelungsprobleme behandelt werden, welche beim autonomen Fahren auftreten: Etwa sollen Regelungssysteme wie Spur- und Abstandshaltung in Projektarbeit von IngenieurInnen und MathematikerInnen gemeinsam konzipiert und konstruiert werden. Dabei werden wechselseitig die mathematischen und mechanischen Grundlagen vermittelt.
Die Lehrveranstaltung soll jährlich in der Vorlesungszeit des Wintersemesters stattfinden; sie besteht jeweils aus drei Phasen: Im ersten Teil werden etwa vier jeweils zweistündige "Impulsvorlesungen" über die systemtheoretischen und mechanischen Grundlagen der Fahrzeugregelung von den beiden Dozenten aus Mathematik und Maschinenbau gehalten.
In der zweiten Phase werden – begleitet von den Dozenten - in Projektarbeit von interdisziplinären Kleingruppen mathematische Modelle für Fahrzeuge entwickelt sowie Regelungsverfahren etwa für Spur- und Abstandshaltung angewandt und an Minifahrzeugen technisch implementiert. Hierfür sollen Bausätze für computergesteuerte Minifahrzeuge zum Einsatz kommen, welche für diese Lehrveranstaltung individuell maßgeschneidert werden. Die Zwischenergebnisse sollen von Studierenden gemeinsam mit den Dozenten in Text- und Videoform in einem dafür vorgesehenen öffentlich zugänglichen Blog dokumentiert werden.
Die dritte Phase besteht aus einer Vortrags- und Diskussionsreihe. Zum Einen werden die Projektgruppen über Ihre Ergebnisse referieren, welche gemeinsam validiert werden sollen. Ergänzt soll diese Reihe durch Vorträge zu autonomen Fahren aus gesellschaftswissenschaftlicher Sicht durch eingeladene Gastwissenschaftler, inklusive anschließendem Diskurs mit und unter den Teilnehmern. Diese Vorträge sollen sich jeweils auf die Ethik sowie juristische und psychologische Grundlagen des autonomen Fahrens beziehen. Eine intensive Validierung soll den Schlusspunkt der Lehrveranstaltung bilden. Neben der üblichen Lehrveranstaltungsumfrage sollen die Teilnehmer insbesondere angeregt werden, Vorschläge für zukünftige Modifikation und Erweiterung dieser Lehrveranstaltung zu geben und somit in die Konzeption der zukünftigen Ausrichtung dieser Veranstaltung eingebunden werden.
Die Lehrveranstaltung wird so implementiert sein, dass sie von Studierenden des Maschinenbaus und der Mathematik zu Beginn des Masterstudiums besucht werden kann. Insbesondere richtet sich diese Veranstaltung an Studierende der "Technomathematik", welcher interdisziplinär zwischen Mathematik, Informatik und Ingenieurwesen angesiedelt ist, sowie der Studiengänge "Theoretischer Maschinenbau" und "Mechatronik", welche Ingenieurstudiengänge mit verstärkter mathematischer Ausrichtung sind.

Vorraussetzungen und Anmeldung

Da die Lehrveranstaltung sich primär an Masterstudierende im ersten Fachsemester wendet, werden keine Vorkenntnisse aus Lehrveranstaltungen im Masterbereich vorausgesetzt. Die teilnehmenden Mathematiker sollten über fundierte Grundkenntnisse über Stabilität von Differentialgleichungen verfügen, welche bspw. im Rahmen der Bachelorveranstaltung "Differentialgleichungen und Dynamische Systeme" an der Universität Hamburg vermittelt werden, und Freude und Interesse an Fragestellungen der technischen Mechanik mitbringen. 

Die teilnehmenden Ingenieure sollten über fundierte Grundkenntnisse über Mehrkörperdynamik verfügen, welche bspw. im Rahmen der Bachelorveranstaltung  "Mechanik IV" an der TU Hamburg vermittelt werden, und Freude und Interesse an der mathematischen Modellierung und der Regelungstechnikmitbringen.

Der Besuch der Vorlesungen "Mathematische Systemtheorie" (für Mathematiker) und/oder "Regelungstechnik II" (für Ingenieure) im gleichen Fachsemester ist sicherlich synergetisch, jedoch keine Voraussetzung zur erfolgreichen Absolvierung der Lehrveranstaltung über autonomes Fahren.
Die Veranstaltung wird für etwa 28 Studierende Platz bieten, jeweils zur Hälfte für Studierende der Mathematik und des Ingenieurwesens. Die Anmeldung soll, wie bei den Lehrveranstaltungen der Universität Hamburg und der TU Hamburg üblich, über die Registrierungsportale STiNE und Stud.IP erfolgen. Hierbei soll es insbesondere, ebenfalls wie bei den Lehrveranstaltungen der beiden beteiligten Hochschulen üblich, kein gesondertes Auswahlverfahren geben.

Priv.-Doz. Dr. Daniel Reißmann, Universität Hamburg

Projektidee

Warum ist das Projekt notwendig?

Während in den vorklinischen Semestern des Zahnmedizinstudiums ein starker Fokus auf den Erwerb manueller Fähigkeiten gelegt wird, kommt es beim ersten Patientenkontakt zusätzlich auf soziale Kompetenzen an. Die hohen Anforderungen an Kommunikation sowie der Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen und gesundheitlich beeinträchtigten Menschen können dazu führen, dass sich Studierende zu Beginn des klinischen Abschnitts ihres Studiums stark gefordert und vielfach sogar überfordert fühlen. Dies kann nicht nur zur Frustration aller Beteiligten, sondern unter bestimmten Umständen sogar zu einer Gefährdung der Gesundheit der Patienten führen. Eine der wesentlichen Ursachen für diese Defizite ist die fehlende Möglichkeit, in einer geschützten Umgebung diese Fähigkeiten zu erlernen und zu üben. Genau hier soll unser Projekt ansetzen: Die permanent verfügbare Online-Lernumgebung soll dabei helfen, die kommunikativen, klinischen, allgemeinmedizinischen, psychosozialen und organisatorischen Kompetenzen der Studierenden zu verbessern.

Wie sieht das Projekt aus?

Das Projekt umfasst die Entwicklung und Implementierung der web-basierten Lernplattform „Die virtuelle Zahnklinik“. Diese soll einen umfassenden Überblick über die zahnärztliche Patientenbehandlung geben. Die wichtigsten inhaltlichen Elemente der Lernplattform sind:

  • Arzt-Patienten-Kommunikation
  • Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen und Notfällen
  • Behandlung von gesundheitlich beeinträchtigten Patienten

Bei der Arzt-Patienten-Kommunikation liegt der Fokus auf der Anamnese, Aufklärung, Entscheidungsfindung und Patientenführung. Studierende sollen lernen, wie man bei Patienten durch eine gezielte Anamnese die wichtigsten Informationen zum medizinischen Hintergrund des Patienten sowie zu Präferenzen und möglichen Ängsten erfährt. In der Aufklärung soll insbesondere auf die Kommunikation von Risiken und Nebenwirkungen Wert gelegt werden. Bei Entscheidungsfindungen wird angestrebt, dass die Patienten gleichberechtigt in den Prozess eingebunden werden, was dem Konzept Shared-Decision-Making entspricht.
Beim Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen und Notfällen stehen insbesondere medizinische Komplikationen im Vordergrund. Dazu zählen insbesondere der anaphylaktische Schock, die akute Hypoglykämie bei Diabetes mellitus, der epileptische Anfall sowie kardiopulmonale Komplikationen im Allgemeinen. Nicht alle Patienten kennen ihren Allergien und Vorerkrankungen. Daher müssen die Studierenden lernen, auf mögliche unvorhergesehenen Ereignisse und Notfälle adäquat und medizinisch versiert reagieren zu können. Diese erhöht zum einen die Patientensicherheit und reduziert zum anderen die Ängste auf Seiten der Studierenden.
Dies steht im direkten Zusammenhang zum dritten Element, der Behandlung von gesundheitlich beeinträchtigen Patienten. Da die Patienten in den klinischen Kursen meist älter und häufig multimorbide sind, ist ein fundiertes Wissen zu Wechselwirkungen von Medikamenten und Erkrankungen erforderlich. Darüber hinaus stellen auch psychische Beeinträchtigungen wie beispielsweise eine fortgeschrittene Demenz die Behandelnden vor große Herausforderungen. Daher wollen wir unsere Studierenden optimal auf ihre Patienten im Studium sowie im späteren Praxisalltag vorbereiten und gleichzeitig den Patienten eine sichere und angenehme Behandlung gewährleisten.
Diese Kernelemente sollen in virtuellen Patientenbehandlungen integriert werden. Ein besonderer Augenmerk wird auf der Praxisnähe liegen. Aus einem Pool von Patientenfällen (Fallvignetten) können je nach Lehrfortschritt unterschiedliche Behandlungsfälle mit angepasstem Schwierigkeitsgrad und Komplexität ausgewählt werden. Daher werden in dem Projekt weitere Kompetenzen vermittelt:

  • Planung der Behandlung
  • Organisation der Behandlungsabläufe
  • Zahntechnische Umsetzung
  • Abrechnung
  • Darüber hinaus sollen Informationen zur Verfügung gestellt werden, die das Verständnis für die Behandlung der Patienten vertiefen. Dazu zählen:
  • Interdisziplinäres Hintergrundwissen 
  • Klinische Aspekte der zahnärztlichen Behandlung
  • Zusatzinformationen wie z.B. aktuelle Studienergebnisse

Was macht unsere Projektidee so besonders?

  • Digitale und permanent verfügbare Online-Lernumgebung
  • Game-based Learning
  • Selbstgesteuertes Lernen
  • Adaptivität durch Anpassung des Schwierigkeitsgrads und Umfang der Hilfestellungen
  • Einbindung der Studierenden in die Planung und Umsetzung des Projektes
  • Früher Kontakt mit klinischen Patientenfällen
  • Vermittlung von praxisrelevantem Wissen
  • Wissenschaftliche Evaluation der Akzeptanz und des Effekts (z.B. Doktorarbeiten)
  • Modularität für spätere Erweiterungen und Anpassungen (z.B. Modellstudiengang oder Medizin)
  • Methodik

Für wen ist die Lehrplattform?

In erster Linie ist das Projekt für die Studierenden der Zahnmedizin in den vorklinischen Semestern gedacht, die kurz vor dem Eintritt in den klinischen Studienabschnitt stehen. Dies betrifft pro Semester ca. 70 bis 80 Studierende. Darüber hinaus sollen zudem Studierenden in den klinischen Semestern davon profitieren können. Es wird mit insgesamt über 200 potentiellen Nutzern pro Jahr gerechnet. Perspektivisch soll die Plattform auch für Studierende der Humanmedizin geöffnet werden. Dies erfordert zunächst die Etablierung im Bereich Zahnmedizin sowie die Erstellung von angepassten Fallvignetten. Die Struktur der Plattform wird dahingehend bereits aufgebaut.

Wie ist die Struktur der Lernplattform?

Die Lernplattform ist modular aufgebaut. Die Module bestehen im Wesentlichen aus drei Komponenten:

  • Theoretische und praktische Grundlagen als digital dokumentierte Patientenbehandlungen
  • Interaktive Elemente beispielsweise in Form von interaktiven Anamnesegesprächen und Lernerfolgskontrollen
  • Zusätzliche Informationen (z.B. Inhalte des Notfallkoffers, Nebenwirkungen von Medikamenten, Studienergebnisse von Behandlungen)

Lernen muss nicht monoton sein. Dieses Konzept wird beim problemorientierten Lernen (POL) umgesetzt. Entsprechend werden Fallvignetten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden erstellt, die vollständige Behandlungen von zahnmedizinischen Patienten umfassen. Die Studierenden beginnen mit der Anamnese, gefolgt von der Bestimmung der notwendigen Diagnostik, Planung und definitiven Versorgung. Dabei gibt es keine Vorgabe von Seiten der Lehrplattform, sondern ist rein fallspezifisch. Diese hohe Patientenorientierung ist erwünscht und entspricht dem klinischen Alltag.
Lernen kann Spaß machen. Daher werden Elemente des Game-based Learnings eingebaut. Durch die Bewältigung von Herausforderungen werden Erfolgserlebnisse eingebaut, die sich positiv auf den Lernprozess auswirken. Der Schwierigkeitsgrad und eventuelle Hilfestellungen werden dabei an den Lernfortschritt angepasst, um Frustration oder Langeweile zu vermeiden. Der Ablauf der Anamnese wird dabei beispielsweise nicht linear festgelegt, sondern kann durch Auswahl der Fragen individuell gestaltet werden. Ziel dabei ist, spezifische vorab definierte Informationen zu erhalten.
Die Lernplattform soll als möglichst realistische Simulation aufgebaut werden. Daher wird die Benutzeroberfläche einer Zahnarztpraxis ähneln. Studierende können Patienten aus dem Wartezimmer in ein Behandlungszimmer setzen und ein Anamnesegespräch durchführen. Auch weitere diagnostische Maßnahmen sowie die Planung und Durchführung der Behandlung sind hier möglich. Die Einführung in die zahnärztlichen Behandlungseinheiten oder ein Blick in den Notfallkoffer ergänzen das Angebot. Spezifische Aufgaben wie Arzt-Patienten-Kommunikation, Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen und Notfällen sowie Behandlung von gesundheitlich beeinträchtigten Patienten können separat vertieft werden. Zur optimalen Visualisierung und um einen realistischem Eindruck zu vermitteln werden beispielsweise alle Anamnesen mit einigen Variationen als Videos vorgehalten. Die Behandlungen werden über Kurzfilme oder Fotos der klinischen Situationen dokumentiert. Notwendige Röntgenbilder können ebenfalls eingesehen werden.

Wie ist die technische Umsetzung geplant?

Die Inhalte des Lernprojektes werden auf einem zentralen Server vorgehalten, auf den mittels der gängigen Webbrowser (z.B. Firefox, Safari, Chrome, Opera) über ein interaktives Webinterface zugegriffen wird. Dazu wird eine bereits bestehende Games-Engine der HAW Hamburg nach entsprechender Anpassung genutzt. Dies bedeutet, dass keine neue Software installiert werden muss. Die Inhalte sind somit von allen internetfähigen Geräten abrufbar. Das Projekt ist unabhängig von bestehenden Lehrplattformen (z.B. OLAT, Moodle), da diese zu viel Restriktionen hinsichtlich Inhalt, Aufbau und Adaptivität aufweisen. Dies sichert eine optimale Nutzerfreundlichkeit. Auf dem Server können die Inhalte gepflegt und ständig aktualisiert werden. Durch die Kooperation mit der HAW Hamburg stehen uns die notwendigen technischen Voraussetzungen zur Umsetzung des Projekts zur Verfügung. Nach Abschluss des Projekts steht die Lernumgebung weiterhin zur Verfügung. Dies bedeutet, die Lernumgebung kann auch von den folgenden neuen Studierenden genutzt werden. Der Wartungsaufwand ist minimal und wird durch uns sichergestellt. Dies sichert die Nachhaltigkeit und Weiterführung des Projekts.

Prof. Dr.-Ing. Shahram Sheikhi, HAW - Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

1)  Projektbeschreibung
Kurzfassung: Schweißtechnisches Fachpersonal hat ausgezeichnete Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Das Fach Fügetechnik, ein sehr beliebtes Modul des Studiengangs Maschinenbau an der HAW Hamburg, beinhaltet vorwiegend Themen der Schweißtechnik. Fast jedes Produkt (von Textilien bis zum Flugzeug) hat einen direkten oder indirekten Bezug zur Fügetechnik. Daher ist der Bedarf an entsprechend qualifizierten Absolventen sehr groß. Fügetechnik ist ein Wahlfach, welches von Studenten verschiedenster Fachrichtungen und Hochschulen belegt wird. Die hohe Attraktivität des Faches liegt vor allem an der Möglichkeit, dort die Schweißfachingenieurausbildung als Zusatzqualifikation zu absolvieren, welche für HAW-Studenten sogar mit 50 Prozent subventioniert wird.

Ziel dieses Projektes ist es, den Studierenden durch die Anschaffung und den Einsatz virtueller Schweißtrainer, die in der Industrie bereits erfolgreich eingesetzt werden, die Schweißtechnik effektiver vermitteln zu können. Der spielähnliche Charakter der Schweißsimulatoren ist besonders für junge Leute interessant, da sie dadurch ohne Scheu auf eine spielerische Art und Weise das Schweißen ausprobieren und die Wechselwirkungen kennenlernen. Berührungsängste mit der Schweißtechnik können durch die Nutzung dieser Schweißtrainer abgebaut werden, da insbesondere zusätzlich die Möglichkeit des Übens ohne Lehrende/Aufsicht ermöglicht wird. Auch wird die Genauigkeit und Effektivität des Schweißens durch diese Programme verbessert. Insgesamt steht somit eine Verbesserung der Lernsituation für Studierende im Fokus der Projektidee. 

Einleitung
Das Fach Fügetechnik ist ein interdisziplinäres Modul, welches auf Kompetenzen aus den Fächern Werkstoffkunde, Elektrotechnik und Konstruktion aufbaut. Diese werden entsprechend der fügetechnischen Verfahren vertieft und ergänzt. Zusätzlich lernen Studierende Inhalte, die sich aus dem Bereich der Qualitätssicherung ergeben. Das Modul Fügetechnik beinhaltet vorwiegend Themen der Schweißtechnik. Gleichwohl das Modul zu den umfangreicheren Fächern des Studiengangs Maschinenbau gehört, wird von Studierenden verschiedener Departments gewählt. Der Grund für das hohe Interesse am Fach Fügetechnik ist unter anderem mit der Möglichkeit der Schweißfachingenieurausbildung als Zusatzqualifikation verbunden. Diese zusätzliche Qualifikation wird in Kooperation mit der schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt Nord gGmbH durchgeführt. Aufgrund einer Kooperation zwischen der HAW Hamburg und der SLV Nord wird diese Zusatzausbildung für Studierende der HAW Hamburg für die Hälfte der regulären Kosten angeboten. Fügetechnik zählt mit ca. 90 Studierenden je Semester zu den beliebtesten Fächern und erfüllt gleichzeitig die Forderung der Hochschule nach Interdisziplinarität und einer Departments übergreifenden Vernetzung. Derzeit können nur wenige Studierende sich für die Ausbildung zum Schweißfachingenieur qualifizieren, da als Zulassungsvoraussetzung die Klausur „Fügetechnik“ mit der Note 2,0 oder besser absolviert werden muss. Im letzten Semester hatten nur wenige Personen die Möglichkeit, die mit 50 % subventionierte Zusatzqualifikation zum Schweißfachingenieur zu starten. Der Grund für die geringe Anzahl der Kandidaten liegt zum einen in der Komplexität des Faches und zum anderen in der traditionellen Art der Vermittlung der Lehrinhalte. Fügetechnik wird als eine Kombination aus Vorlesung und Laborübungen angeboten. Aus Kapazitäts- und Kostengründen können die Studierenden die Lehrinhalte nicht eigenständig in Laborübungen vertiefen. 

Im Rahmen dieses Projektes soll den Studierenden durch den Einsatz moderner Medien die Schweißtechnik effektiver vermittelt werden. Die Studierenden sollen die Möglichkeit erhalten, in Kleingruppen die Wechselwirkungen (Werkstoff, Prozess, Parameter und Nahtvorbereitung) in der Schweißtechnik auszuarbeiten und nachhaltig zu verinnerlichen. Somit wird eine Ergänzung bzw. Erweiterung der aktuellen Vorlesung und Laborübungen erreicht, ohne die Kapazitäts- oder Kostengrenzen zu sprengen. Ferner werden durch die Einführung der modernen Technologie Berührungsängste mit der Schweißtechnik abgebaut werden, da insbesondere zusätzlich die Möglichkeit des Übens ohne Lehrende/Aufsicht ermöglicht wird. Insgesamt steht somit eine Verbesserung der Lernsituation für Studierende im Fokus der Projektidee. Dadurch würden auch mehr Studierende die Möglichkeit erhalten, diesubventionierte Zusatzausbildung zum Schweißfachingenieur in Anspruch nehmen zu können. Gleichwohl die Projektidee einen sehr fokussierten Bereich des Ingenieurstudiums adressiert, hat das Fach eine sehr hohe Bedeutung für die Industrie. Fast jedes Produkt (von Textilien bis zum Flugzeug) hat einen direkten oder indirekten Bezug zur Fügetechnik. Daher ist der Bedarf an entsprechend qualifizierten Absolventen enorm hoch.

Ausgangssituation
Das Fach Fügetechnik besteht zu 90 % aus der Schweißtechnik und befasst sich mit den Grundlagen und Anforderungen an die verschiedenen Schweißprozesse, der Metallurgie (Werkstoffkunde), der Nahtausführung (Konstruktion) und der Qualitätssicherung. Fügetechnik wird im Bachelorstudium Studienrichtungsübergreifend angeboten. Studierende der unterschiedlichsten Fachrichtungen und Departments, wie z. B.
 - Energie und Anlagensysteme, 
 - Entwicklung und Konstruktion,
 - Produktionstechnik und -management,
 - Mechatronik,
 - Fahrzeugbau und Flugzeugbau 
belegen Fügetechnik als Wahlfach. Bei den Studierenden handelt es sich überwiegend um männliche Personen. Der Anteil an Studentinnen beträgt etwa 20%. Je Semester nehmen zwei bis vier Studierende mit Hör- und Sprachbeeinträchtigungen an der Veranstaltung teil. Diese werden durch Dolmetscher entsprechend begleitet. Darüber hinaus wird das Modul von bis zu drei Studierenden der HafenCity Universität und der Technischen Universität Hamburg-Harburg besucht. 

Somit handelt es sich bei dem Fach Fügetechnik um ein Modul, welches über die Grenzen des Departments und der Hochschule hinaus auf Interesse von Studierenden stößt. Es ist dabei zu betonen, dass es sich hierbei um ein Wahlfach handelt. 

Problemstellung
In der Vorlesung wird die Theorie der Fügetechnik traditionell (derzeit keine Gruppenarbeit oder projektbezogenes interaktives Lernen) vermittelt. Die Laboreinheiten tragen mit praktischen Übungen zur Anwendung und Vertiefung der Theorie bei, um die Materie dieses Prozesses besser verstehen zu können. Aufgrund der Anzahl der Studenten und der begrenzten Ressourcen erfolgt die praktische Wissensvermittlung nicht für alle Teilnehmer in der gleichen Qualität. Studentengruppen von bis zu 15 Personen bilden eine Laborgruppe. Diese Gruppe wird von einem Labormitarbeiter in die praktische Schweißtechnik eingeführt. Die  Abbildung stellt eine typische Situation während einer Laborübung dar. Es ist dabei zu beachten, dass der Labormitarbeiter während der Vorführung die Handhabung des Schweißbrenners erläutert und dabei auf die Wechselwirkungen zu Schweißfehlern hinweist. Fraglich ist, wieviel von seinen Erläuterungen aufgrund der hohen Gruppengröße die Teilnehmer erreicht. Dabei sollen die künftigen Ingenieure die Wechselwirkung zwischen Prozess, Handhabung und Fehlerarten anschließend durch das praktische Üben selbst erfahren. Während der Laborübung werden die Studierenden und Lehrenden mit folgenden Problemstellungen konfrontiert:

Behinderung der Sicht

Die Studierenden können aufgrund der Gruppenstärke die praktische Demonstration nicht vollständig erfahren. Nur die wenigen, die ganz vorne beim Schweißen eine freie Sicht haben, sind in der Lage, die Übung zu verfolgen. Während des Schweißens muss zum Schutz der Augen ein Schweißspiegel oder ein Schweißhelm getragen werden. Dadurch kann zwar der Lichtbogen ohne Gefahr für die Augen beobachtet werden, jedoch sind die Phänomene, wie zum Beispiel Brennerabstand und Brennerführung, nicht ausreichend erkennbar. Die Sicht wird ferner durch die Rauchgasentwicklung beim Schweißen erschwert. Somit können wichtige Erläuterungen nur unvollständig von den Studierenden aufgenommen werden. 

Akustik

Für die Durchführung der Laborübungen muss zur Abführung der Rauchgase die Lüftungsanlage eingeschaltet werden. Die dadurch auftretende Geräuschkulisse und die beim Schweißen auftretenden Geräusche erschweren das Verstehen der Erläuterungen und belasten den Lehrenden. Der Lehrende erläutert während des Schweißens die wichtigen Aspekte. Dabei trägt er zum Schutz der Augen einen Schweißhelm. Seine Erläuterungen werden durch den Helm gedämpft und durch die Geräuschkulisse überlagert. Demnach können nur die ganz aufmerksamen Studenten in unmittelbarer Nähe des Lehrenden alle wichtigen Hinweise akustisch aufnehmen.

Sprache

Bei vielen Kursteilnehmern handelt es sich um Studenten mit Migrationshintergrund. Einige Erklärungen können von diesen aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht vollständig erfasst werden. Dies wird durch die für das Schweißen typischen Fachbegriffe noch weiter erschwert. Im Falle der Studierenden mit Hör- und Sprachschäden muss der Lehrinhalt durch den Dolmetscher übersetzt werden, so dass die Vollständigkeit und Aktualität der übersetzten Information vom Dolmetscher abhängig ist. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Sichtbehinderung sowie die akustischen und sprachlichen Problemstellungen die effektive Aufnahme und Vermittlung des Wissens erschweren. Die Reflexion der Laborübungen innerhalb der Studentengruppen sowie mit dem lehrenden Professor ist derzeit nicht möglich. Ferner sind Laborübungen kostenintensiv; daher können nur wenige Proben je Laborgruppe verarbeitet werden. Ein individuelles Üben mit unterschiedlichen Werkstoffen ist derzeit nicht möglich. Die dargestellten Problemfelder erhöhen die Hemmschwelle insbesondere für Studentinnen sich mit dem Gebiet der Schweißtechnik zu befassen. 

Geplante Lösung
Der Einsatz computerbasierter Wissensvermittlung entspricht in vielen Bereichen dem Stand der Technik. Für die Schweißtechnik hat sich der Einsatz von sogenannten virtuellen Schweißtrainern bewährt. Dabei lernen und erleben die Anwender durch den Einsatz der Augmented Reality (Kombination von realen Videoaufnahmen durch virtuelle Objekte und Zusatzinformationen) eigenständig die Wechselwirkung zwischen Schweißprozess, Handhabung und Fehlerentstehung. Das System verfügt über mehrsprachige Erläuterungen und erlaubt eine nachträgliche Bewertung der durchgeführten Schweißaufgabe. Der Lehrende hat die Möglichkeit, seine Erläuterung jedem Teilnehmer in gleich guter Qualität zu vermitteln und kann in Reflexionsphasen das Erläuterte durch die Studenten vorführen und erklären lassen. Dadurch wird die Distanz zwischen Theorie und Praxis deutlich reduziert. Ferner haben die Studierenden die Möglichkeit, sich unabhängig von festen Vorlesungs- und Laborzeiten jederzeit mit dem Thema zu befassen. Diese Technologie wird seit einigen Jahren in Firmen wie VW, ArcelorMittal, Daimler AG Bremen GSI Gesellschaft für Schweißtechnik International mbH u. a. in der Ausbildung vom schweißtechnischen Personal  erfolgreich eingesetzt. Die GSI und Institut für Werkstofftechnik und Schweißtechnik der Fakultät Maschinenbau an der Universität Danzig werden sind Schweißsimulatoren Bestandteil der Ausbildung von Schweißfachingenieuren. Derzeit wird der Einsatz dieser Technologie auch im Bereich des roboterbasierten Schweißens bei der Firma Fanuc geprüft. 

Augmented Reality beruht ähnlich wie moderne Videospiele auf dem Prinzip eines Eintauchens in eine 3D-Simualtion mit eingebetteten Interaktionsmöglichkeiten des Bedieners. Dieser spielähnliche Charakter der Schweißsimulatoren ist besonders für junge Leute interessant, denn sie können dadurch ohne Scheu auf eine spielerische Art und Weise das Schweißen ausprobieren und die Wechselwirkungen kennenlernen. Auch die Gefahrenpotenziale des realen Schweißens wie Verbrennungsgefahr und Schädigung der Augen durch den Lichtbogen sind ausgeschlossen. Ferner können alle möglichen Schweißpositionen geübt bzw. untersucht werden, die in den realen Schweißübungen aus Gründen der Sicherheit und Ressourcenknappheit nicht möglich sind. Die ersten Schweißversuche können in der sauberen Umgebung eines Schulungsraums durchgeführt werden und ermöglichen einen angstfreien Einstieg in die Thematik. Ein weiterer Aspekt, der die Attraktivität des virtuellen Schweißtrainers erhöht, ist die Entstehung von gruppendynamischen Effekten. Das Lernen mit den virtuellen Schweißtrainern findet in Gruppen von bis zu vier Personen statt. Der Austausch über die Qualität der Schweißnaht, mögliche Fehlerquellen und vor allem die Ausführung des Schweißprozesses wird maßgeblich durch entstehende Gruppendiskussionen gefördert und kann von dem Lehrenden mit Fachwissen ergänzt werden. Wartezeiten, die beim Arbeiten mehrerer Personen an einem Trainer entstehen, können für das Selbststudium der Theorieinhalte oder das Beobachten und Unterstützen des Ausführenden genutzt werden. Durch das Erklären der Sachverhalte in Gruppen erlernen Studierende die Zusammenhänge besser. Ein Vorteil für die Studenten besteht darin, dass im Vergleich zur Realität deutlich mehr Schweißnähte produziert werden können. Somit erhalten die Studierenden die Möglichkeit, sich spielerisch länger mit der Materie zu befassen und sind so besser für die Durchführung der tatsächlichen realen Laborübungen vorbereitet.

Eine weitere Verbesserung stellt die objektive Bewertung der Schweißnaht dar. In der aktuellen Ausbildung der Studenten erfolgt die Bewertung eines Lernenden ausschließlich durch die subjektive, optische Betrachtung der Schweißnaht durch den Schweißlehrer, sofern dies aus zeitlichen Gründen bei jedem Studenten überhaupt möglich ist. Beim Einsatz von virtuellen Schweißtrainern wird nicht nur die fertige Schweißnaht bewertet, sondern der gesamte Schweißprozess. Jeder Schweißparameter wird während des Schweißens überwacht, aufgezeichnet und objektiv bewertet. Das Ergebnis kann durch den Lernenden im Anschluss einzeln nachvollzogen werden, sodass er dadurch selbstständig Fehler erkennen und Korrekturmaßnahmen einleiten kann. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, das Ergebnis mit dem anderer Teilnehmer zu vergleichen und miteinander zu diskutieren. 

 

Der Lehrende bekommt durch den virtuellen Schweißtrainer die Möglichkeit, gezielt zu lehren und auf Wechselwirkungen aufmerksam zu machen, da er diese direkt und ohne Einschränkung während des Schweißprozesses beobachten kann. Die freie Sicht war ihm bisher wegen der Verdunklung durch den Sichtschutz verwehrt. Beim Schweißen mit dem virtuellen Schweißtrainer kann der Lehrende schon während des Schweißprozesses den Lernenden auf Fehler hinweisen und korrigierend eingreifen. Diese umgehende Rückmeldung an den Studenten verbessert dessen Lernerfolg. Darüber hinaus können andere den Sachverhalt über einen Bildschirm verfolgen und dadurch aus Fehlern lernen. 

 

Die Videoanalyse schafft zudem weitere effektive Möglichkeiten zur Prozessverbesserung und Fokussierung der Aufmerksamkeit des Studierenden auf wichtige Details bzw. Positionen während des Schweißvorgangs. Beispiele hierfür wären die Vergrößerung von Details, vor- und zurückspulen einer bestimmten Videosequenz oder die Kennzeichnung von bestimmten Bildbereichen. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass virtuelle Schweißtrainer einen großen Beitrag für eine effiziente und moderne Lehre in der Schweißtechnik leisten können. Insbesondere kann die Materie ohne störende Einflussfaktoren wie Rauchentwicklung, Geräuschkulisse und Sichtbehinderung spielerisch vermittelt und erlernt werden. Zusätzlich wird durch die Mehrsprachigkeit des Systems die sprachliche Unzulänglichkeit reduziert. Die virtuellen Schweißtrainer sollen die vorhandenen Laborübungen ergänzen, nicht jedoch diese ersetzen. Durch das geführte und eigenständige Trainieren kann die Materie aus der Vorlesung besser in den realen Laboren nachvollzogen werden. Somit werden durch die Umsetzung dieser Projektidee folgende Ziele realisiert: 

1.  Die eigenständige und selbstständige Übung der Lerninhalte wird gefördert. 

2.  Die Möglichkeit zur Selbstreflexion von studentischen Laborübungen wird angeboten. 

3.  Optimierung des Zugangs zum Fach Schweißtechnik für Studenten und insbesondere Studentinnen. 

4.  Erhöhung des Lernerfolges durch das forschende Lernen. 

5.  Die nichttechnischen Kompetenzen für die Durchführung von Projekten werden eigenständig trainiert und optimiert. 

6.  Optimierung der Wissensvermittlung für hörgeschädigten Studenten und Studentinnen. 

7.  Reduzierung von Berührungsängste im Umgang mit dem Fach Schweißtechnik 

8.  Die fachübergreifende Netzwerkbildung zwischen den unterschiedlichen Departments und Hochschulen wird deutlich verstärkt. 

9.  Schaffung von Schnittstellen zum Modul „Virtuelle Produktentwicklung“. 

10.  Ausarbeitung von studentischen Projekten zum Studienfach Mechatronik. Für die Umsetzung des Projektes sind folgende Meilensteine vorgesehen:

 

Meilenstein 1: Beschaffung der Anlagen 

Für die praktische Durchführbarkeit der neuen Lehr- und Lernmethode müssen mindestens drei virtuelle Trainer erworben werden. In der Literatur wurden verschiedene am Markt erhältliche Systeme (Soldamatic, Fronius Virtual Welding, GSI SLV Welding Trainer , EWM Virtual Welding Trainer) getestet und miteinander verglichen. Dabei wurde festgestellt, dass Soldamatic hinsichtlich der technischen Ausstattung, der Lernsoftware, der Bedienbarkeit und Wirtschaftlichkeit die Anforderungen am besten erfüllt. Ferner sind jedoch entsprechende Peripheriegeräte und Anlagen wie ein Beamer oder ein großer Bildschirm sowie drei 24-Zoll-Monitore erforderlich. Darüber hinaus müssen die einzelnen Schweißsimulatoren über einen Server mit einer vernetzt werden, um strukturierte Übungen in Kleingruppen durchführen zu können. Dadurch kann die Augmented Reality von einem Gerät auf den Bildschirm/Beamer für alle Teilnehmer übertragen werden. Die Teilnehmer sehen exakt das, was der Lehrende erläutert und vorführt. Ferner können bei Kleingruppenübungen die nicht aktiv übenden Studenten über die jeweiligen Monitore das Schweißen des aktiven Gruppenteilnehmers beobachten und analysieren. Damit wird in der späteren Diskussionsphase qualifiziert und faktenbasiert auf die Wechselwirkungen eingegangen. Darüber hinaus wird das Department Maschinenbau und Produktion die Umnutzung des Raumes für die Aufstellung und Inbetriebnahme der Trainer im Gebäude D (Berliner Tor 11) ermöglichen. Dadurch ist eine Beeinträchtigung der virtuellen Trainer durch Schweißemissionen nicht zu befürchten und die Studenten können den Raum ohne Gefährdung benutzen. Der Raum wird derzeit verwendet um Reinigungsversuche durchzuführen. Aufgrund der Bedeutung der Projektidee haben das Department und das Institut einer Umnutzung des Raumes und der dafür erforderlichen Baumaßnahmen zugestimmt. Im Falle einer Bewilligung des Projektes werden seitens des Departments die erforderlichen Monitore, der Beamer und der Server finanziert. 

Meilenstein 2: Erarbeitung eines alternativen Lehrkonzeptes

Das Lehrkonzept mit den virtuellen Trainern wird zweistufig entwickelt und eingeführt. In der ersten Stufe werden die Mitarbeiter des Institutes im Umgang mit den Geräten geschult und mit der neuen Methode der Wissensvermittlung vertraut gemacht. Die Schweißtrainer sollen sowohl in der Vorlesung als auch in den Laborübungen eingesetzt werden. Die Laborübungen sind unterteilt in realen Ausführungen des Schweißprozesses und in die der virtuellen Ausführung über die Schweißtrainer; somit werden die realen Schweißversuche durch die virtuellen ergänzt und deutlich erweitert. Zusätzlich werden die virtuellen Trainer den Studierenden des Kurses zum Eigenstudium außerhalb der Laborzeiten zur Verfügung gestellt, bzw. die Räumlichkeit ist innerhalb der Öffnungszeiten der Hochschule für die Studierenden des Moduls Fügetechnik frei zugänglich. Hierzu werden Problemstellungen/ Aufgabenstellungen definiert, um den Lernerfolg der Studierenden gezielt zu steigern. Die nächste Stufe wird gemeinsam mit Studentengruppen realisiert. Hierzu werden sowohl studentische Hilfskräfte des Institutes als auch Studentengruppen im Rahmen von Bachelorprojekten involviert. Die studentischen Hilfskräfte werden im ersten Schritt eine vereinfachte Bedienungsanleitung für den Umgang mit dem Trainer erstellen. Dadurch soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass künftige Studentengenerationen auch ohne Aufsichtspersonen eigenverantwortlich das Gelernte an den Geräten üben können. Im Rahmen von Bachelorprojekten gilt es, Aufgabenstellungen wie z. B. unterschiedliche Schweißpositionen oder unterschiedliche Zugänglichkeitsprobleme oder verschiedene Grundwerkstoffe mit den virtuellen Schweißtrainern zu erproben, umzusetzen und zu optimieren. Dabei sollen Problemstellungen sowohl aus der Sicht der Mitarbeiter als auch aus der Sicht der Studenten erarbeitet werden. In regelmäßigen Feedbackrunden werden die Erfahrungen der Studierenden diskutiert und ausgewertet. Ziel ist es, ein neues Lehrkonzept zu entwickeln, welches den Anwender spielerisch und intuitiv durch die Materie begleitet und dessen Neugierde fördert. Ferner sollen Tutorien auf Web-Basis entwickelt werden, damit künftige Studierende sich im Vorfeld mit dem Thema befassen. Das Ziel der Tutorien ist es, die Studenten mit der Technologie vertraut zu machen, um ausgewogene Projektteams bilden zu können. 

Meilenstein 3: Umstellung auf das neue Konzept 

Das Fach Fügetechnik wird entsprechend ergänzt. Die Studierenden des Wahlfaches werden nach dem folgenden Konzept unterrichtet: 

1.  Die Einführung und die Vermittlung der grundlegenden Wechselwirkungen erfolgt seminaristisch. Hierzu werden die Möglichkeiten des Trainers in der Vorlesung berücksichtigt. Hierbei handelt es sich um die interaktive Lehre, welche im Wechsel aus kurzweiliger Theorievermittlung und praktischer Vorführung und Analyse besteht. 

2.  Studentengruppen von vier bis sechs Personen befassen sich mit unterschiedlichen Problemstellungen und erarbeiten Lösungsvorschläge durch die Anwendung der virtuellen Schweißtrainer. 

3.  Die Ergebnisse der Studentengruppen werden innerhalb des Kurses durch die jeweiligen Gruppen vorgestellt und mit Studenten anderer Gruppen diskutiert. Diese Veranstaltung wird durch den Lehrenden moderiert. Dieser Schritt hat den Ansporn, einen Charakter in Form von Meetings und Coachings entstehen zu lassen und den Studierenden mit einer aktiven Auseinandersetzung der Ergebnisse zu motivieren. 

4.  Im theoretischen Teil werden weitere Aspekte unterrichtet und Projekte für die nächste praktische Phase definiert. Die Projekte werden derart definiert, dass die Erkenntnisse aus dem Meilenstein 2 kontinuierlich berücksichtigt und falls erforderlich angepasst und optimiert werden. 

5.  Reale Ausführung und Bewertung von Schweißnähten (konventionelle Laborübungen). 

6.  Studentenwettbewerbe dienen der spielerischen Vertiefung der Materie, da es im Unterschied zur Prüfungssituation nur Gewinner geben kann. Misserfolge haben keinen Einfluss auf die Benotung des Moduls. 

Meilenstein 4: Schweißfachingenieurausbildung

Ziel ist es, durch die Einführung des neuen Lehr- und Lernkonzeptes die Anzahl der Studierenden, die sich für die subventionierte Schweißfachingenieurausbildung qualifizieren, um mindestens 50 % zu steigern. Somit wird durch dieses Projekt die Qualität der Lehre deutlich verbessert. Meilenstein 5: Definition von Abschlussarbeiten (Bachelor- und Masterarbeiten) Durch Bachelor- und Masterarbeiten soll das Lehrkonzept weiterentwickelt bzw. die virtuellen Trainer in andere Fächer und Disziplinen eingebunden werden. Erste Ansatzpunkte bieten sich derzeit im Bereich der Konstruktion, der virtuellen Produktentwicklung und des Gesundheitsmanagements an. Ferner sollen dadurch Grundlagen für Forschungsvorhaben realisiert werden. Insbesondere der Einsatz der Schweißsimulatoren in der Robotertechnologie bietet ein sehr großes Potenzial in der Zusammenarbeit mit der Studienrichtung Mechatronik des Departments Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau. 

 

Nachhaltigkeit
Die Nachhaltigkeit des Projektes ist durch die Integration der Anlagen ins Curriculum des Faches Fügetechnik gesichert. Ferner wird durch den Meilenstein 4 die kontinuierliche Verbesserung der Lehre angestrebt. Die Durchführung von Forschungsvorhaben und die Einbeziehung von Studierenden motiviert diese und ermöglicht die Aktualität der Aufgabenstellungen für die Lehre. Ferner sind die virtuellen Schweißtrainer hervorragend geeignet, um Schüler, insbesondere Schülerinnen, frühzeitig für Technik zu begeistern. Die Begeisterung der Schüler für Technik wird durch zwei Aspekte gefördert. Erstens entstehen keine Gefahren, da keine Rauchgase, Spritzer oder Lichtbogen im Umgang mit den Simulatoren vorhanden sind. Dadurch sinkt die Hemmschwelle, sich mit der Technik auseinanderzusetzen. Zweitens erinnert der Umgang mit dem Trainer an ein Computerspiel und somit an eine den meisten Schülern/Jugendlichen bekannte Umgebung. Somit handelt es sich um eine Technologie mit der die meisten Modulteilnehmer aufgewachsen und vertraut sind. Für die eigenständige Anwendung der virtuellen Schweißtrainer wird in Zusammenarbeit mit dem Team StudienEinstieg (TSE) an unserer Hochschule ein Konzept erarbeitet, wie ein Fachtutorium eingeführt werden kann (am Bsp. des „Fachtutorium plus“ (FT+) s. (www.haw-hamburg.de/studium/bachelor/erfolgreicherstudieneinstieg/studieneinstieg/ft-fachtutorien-fuer-studierende-in-der-studieneingangsphase.html“). Beim Fachtutorium handelt es sich um ein spezielles Angebot im ersten Semester, in dem fachliche und überfachliche Kompetenzen unter studentischer Anleitung vermittelt und geübt werden. Die studentischen Hilfskräfte, die an der Ausarbeitung des neuen Unterrichtskonzeptes beteiligt sind, wären für die Umsetzung/Lehre o.ä. die geeigneten Kandidaten. 

Prof Dr. med. Christoph Schramm, Universität Hamburg

Projektbeschreibung

Ausgangslage
In Modellstudiengängen wird Studierenden der Medizin praxisnah die Versorgung von Patienten mit häufigeren Erkrankungen unterrichtet. In Deutschland leiden jedoch auch ca. 4 Millionen Menschen an seltenen Erkrankungen, die selbst für erfahrene Kliniker schwierig zu diagnostizieren sind.

Ziele des Projekts
Ziel ist es, Studierende für das Thema „Seltene Erkrankungen“ zu interessieren. Zu diesem Zweck soll eine Studierendenklinik etabliert werden, die einzelnen engagierten Studierenden die Möglichkeit gibt, unter persönlicher Anleitung erfahrener Kliniker Patienten vom Erstkontakt bis zur Therapieempfehlung zu betreuen. Diese Studierenden werden differenzialdiagnostisches Denken erlernen und in Methodenseminaren die systematische Herangehensweise an Patienten mit unklarer Diagnose aus somatischer und psychosomatischer Sicht üben. Darüber hinaus sollen Studierende gemeinsam mit Dozenten in interaktiven „Grand Rounds“ die spannendsten Patienten der breiteren Studentenschaft präsentieren, und somit das Gelernte über die Studierendenklinik hinaus verbreiten.

Einleitung
Als selten wird eine Krankheit definiert, wenn weniger als 5 von 10.000 Menschen das spezifische Krankheitsbild aufweisen. Etwa 7.000 der bekannten 30.000 Krankheiten sind selten, etwa 80% der seltenen Erkrankungen sind genetisch bedingt. Allein in Deutschland sind ca. 4 Millionen Menschen von einer seltenen Erkrankung betroffen, die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. Selten ist also gar nicht so selten. Patienten mit seltenen oder noch undiagnostizierten Erkrankungen stellen für Ärzte aller Fachrichtungen eine große Herausforderung dar. Oft dauert es mehrere Jahre, bis diese Patienten eine Diagnose erhalten, denn die Symptome führen in der Regel zu einem sehr komplexen Krankheitsbild, was die Ursachenfindung enorm erschweren kann. Für die Diagnosefindung - des Rätsels Lösung - bedarf es häufig nicht nur sehr viel Ehrgeiz und einer fachübergreifenden Zusammenarbeit, es erfordert auch ein gewisses detektivisches Feingespür. Durch die verständliche Fokussierung der Modellstudiengänge auf die häufigeren Erkrankungen erscheint es daher sinnvoll, für das Thema der seltenen Erkrankungen unter den Studierenden zu sensibilisieren und interessierten Studierenden unter direkter und persönlicher Anleitung von erfahrenen Klinikern die Möglichkeit zu geben, schon früh im Studium das differenzialdiagnostische Denken an realen Patienten mit seltenen und komplexen Erkrankungen zu lernen.
Das Martin Zeitz Centrum für Seltene Erkrankungen (MZCSE) im UKE wurde 2013 gegründet und ist Kontaktstelle für Patienten, bei denen trotz jahrelanger Facharzt-Odyssee bislang keine, die Symptome umfassende und erklärende, Diagnose gestellt werden konnte. Im MZCSE werden pro Jahr ca. 200 Anfragen von Patienten mit komplexen und bislang undiagnostizierten Erkrankungen aus Hamburg und der Metropolregion bearbeitet, die von Kollegen der Inneren Medizin, der Neurologie, der Humangenetik und der Psychosomatik in enger Zusammenarbeit behandelt werden. 
Medizin auf höchstem Niveau erfordert erstklassig ausgebildete Ärztinnen und Ärzte. Die Lehre von Studierenden hat sich im UKE in den letzten Jahren von der klassischen Wissensvermittlung gelöst und setzt zunehmend auf eine fachübergreifende Ausbildung unter frühzeitiger Vernetzung der Grundlagenfächer mit der klinischen Praxis. Dieses neue Lehrkonzept wird im UKE seit 2012 als integrierter Modellstudiengang Medizin Hamburg (iMED) erfolgreich umgesetzt. 

Programm des Projekts
Das hier vorgestellte Projekt „Seltenen Erkrankungen auf der Spur – Detektive im Medizinstudium“ soll sich an dem neuen Lehrkonzept des UKE orientieren und speziell im Bereich der seltenen Erkrankungen die fachübergreifende Denk- und Herangehensweise der Studierenden zur Diagnosestellung fördern.

Studierendenklinik
Das Tüfteln und detektivische Vorgehen zur Diagnosefindung gleicht in vielen Fällen der Suche nach der Nadel im Heuhaufen und weckt zunehmend das Interesse und den Ehrgeiz der Studierenden. Die Mitarbeit der Studierenden im MZCSE soll deshalb im Rahmen einer „Studierendenklinik für Seltene Erkrankungen“ angeboten werden. Die Studierenden der klinischen Semester können als „Fallmanager“ die Betreuung eines Falls übernehmen – von der Sichtung der eingereichten Patientenunterlagen bis zur Diagnosefindung und Therapieempfehlung. Zur Verbindung von Theorie und Praxis werden sie unter persönlicher Anleitung gemeinsam mit den erfahrenen Klinikern des MZCSE die Patienten in der Spezialambulanz für Seltene Erkrankungen untersuchen und in den interdisziplinären Boards mit den Spezialisten die ungelösten Fälle diskutieren. Die Studierenden gehen ganz unvoreingenommen und mit einem „besonderen Blick“ an die Aufarbeitung der Unterlagen heran, recherchieren intuitiv, mit viel Spürsinn und ohne Scheu vor neuen Medien. Dies, in Kombination mit dem sehr spezialisierten Wissen der Fachärzte, ist eines der Potentiale des Projekts. 
Für die Teilnehmer der Studierendenklinik, jedoch auch für Studierende, die sich darüber hinaus im Bereich der seltenen Erkrankungen weiterbilden möchten, soll eine Seminarreihe (Labor)Methoden, Techniken & Soft Skills angeboten werden, in der die Studierenden u.a. modernste Labormethoden und –techniken zur Diagnostik, aber auch zur Erforschung seltener Erkrankungen kennenlernen, an Seminaren zu seltenen Erkrankungen in den Kliniken teilnehmen oder Präsentations- und Kommunikationstechniken üben können. Diese Seminare sollen alle zwei Monate stattfinden und werden in das bestehende Ausbildungsprogramm für „Clinical Specialists for Rare Disorders“ eingebunden. Diese Fortbildung soll vom MZCSE gemeinsam mit der Studierendenklinik organisiert werden und sich an den Wünschen der Studierenden orientieren.
Besonders motivierten und an seltenen Erkrankungen interessierten Studierenden bietet das MZCSE außerdem die Möglichkeit zur Anfertigung einer Studienarbeit an, die mit einer eigenen Publikation (z.B. Case Report im Hamburger Ärzteblatt) abgeschlossen werden soll. 

Dissemination unter den Studierenden
Wir halten es für wichtig, das erlangte Wissen über seltene Erkrankungen einer breiteren Öffentlichkeit von Studierenden zugänglich zu machen. Daher werden Studierende der klinischen Semester, die sich im Rahmen der „Studierendenklinik für Seltene Erkrankungen“ aktiv in die Arbeit des MZCSE einbringen, zusammen mit den Ärzten des MZCSE für alle interessierten Studierenden eine „Grand Round for Rare Diseases“ zur Wissensweitergabe von Studierenden an Studierende durchführen. Vor der Grand Round wird eine kurze Fallvignette über das elektronische eLearning Portal veröffentlicht, um Studierende für das Thema zu begeistern und den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, sich auf die Fälle vorzubereiten. Die Grand Round soll unter Nutzung eines von der TU München entwickelten webbasierten Abstimmungssystem durchgeführt werden. Dieses System kann während der Veranstaltung zu unterschiedlichen Zeitpunkten/Schritten eingesetzt werden. Die Abstimmungsergebnisse werden in Echtzeit angezeigt. Am Ende wird der Fall von den Dozenten aufgelöst und ergänzende Informationen gegeben. Aufgrund der sehr zeitintensiven Vorbereitung dieser Grand Rounds sollen diese max. 4x im Jahr angeboten werden. 

Nach unserem Wissensstand wird ein kompaktes Lehr- und Projektkonzept für seltene Erkrankungen in dieser Form in keiner weiteren universitären Einrichtung angeboten und stellt damit ein innovatives und nachhaltiges Pilotprojekt dar.

Das Projektkonzept soll nach 1,5 Jahren von den Studierenden und dem MZCSE evaluiert und nach positiver Bewertung weitergeführt werden.
Unterstützt und befürwortet wird das Projekt vom Dekan der Medizinischen Fakultät und dem Prodekanat für Lehre des UKE. Alle hier vorgestellten Module sind zunächst fakultative Lehrveranstaltungen. Langfristig ist eine Einbindung von Lehrveranstaltungen zu seltenen Erkrankungen in die curriculare Lehre des UKE geplant. 
 

 

Professor Reinhard von der Thannen, HAW - Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

An einer schier endlos langen Tafel, die den Aufführungsort gleichsam in zwei Teile schneidet (trennt),  sitzt sich - einsam und verstaubt (wie ein Relikt aus einem vorigen Jahrhundert) - das greise „Kommentarpaar“ in großer Distanz bei einem obskuren Abendessen gegenüber. Ihre maskenhaften Köpfe tauchen schildkrötenartig aus ihren panzerartigen Kostümen auf, wenn sie in ihrer Unterhaltung innere und äußere Bilder familiärer Situationen einer siebenköpfigen Familie (Vater, Mutter, fünf Kinder, ein Enkel) heraufbeschwören und für den Zuschauer optisch errichten. Während sie über die Dauer der performativen Veranstaltung versuchen ihr obskures Abendessen einzunehmen, entstehen über ihre inhaltlichen Monologe seltsam verrätselte Bildwelten einer Familienkonstellation und hindern sie daran, ihre Mahlzeit einzunehmen. Sie moderieren und kommentieren gleichsam das Geschehen, ohne sich untereinander auf einen Dialog einzulassen, wobei - gesellschaftlich betrachtet – auch die weibliche und die männliche Meinung und Rolle thematisiert werden.

Generationenkonstellation:
Das „Kommentarpaar“ („Wächter der Erinnerung“, aus einem vorigen Jahrhundert
Die Eltern Jahrgang 1965
Die Kinder Jahrgang 1990, 92, 94, 96, 98 (parallel zum Alter der Studierenden selbst) 
Ein Enkelkind

Die klassische „Familienaufstellung“ bezeichnet ein Verfahren, bei welchem Personen stellvertretend für die Mitglieder einer Familie und einer bestimmten Person „X“ konstellativ gestellt und angeordnet werden, um aus einer dazu in Beziehung gesetzten Wahrnehmungsposition gewisse Muster und Verstrickungen innerhalb des familiären Systems erkennen zu können und zu lösen. Im Unterschied und in der Weiterentwicklung dazu handelt es sich bei dem performativen Projekt „ALLE VERSAMMELT!“ um Rollenspiele mit einer dramaturgisch „skizzativ“ vorgegebenen Familienstruktur. (Beispiel: Eltern Jahrgang 1965). Das therapeutische Verfahren der „Familienaufstellung“ dient den Studierenden als ein vorgelagerter wesentlicher Arbeitsschritt  zur inhaltlichen Text- und Rollenfindung. Ausgehend von der Familie als Kern der individuellen Entwicklung ist es das Ziel, an der subjektiven Individualität der Studierenden anzuknüpfen, was zu einer höheren Motivation und Identifikation führen soll. Die Darsteller und Darstellerinnen (Schauspiel- und Musiktheaterstudierende der Theaterakademie Hamburg) spielen in unterschiedlichen Szenen die einzelnen Familienmitglieder. Jedem einzelnen Darstellenden ist eine überlebensgroße Puppe zugeordnet, welche die szenischen Abläufe begleitet, optisch vergrößert und überhöht. Die „Puppenobjekte“ sind in großen, schwarzen Kisten gelagert und werden mittels konstruierter Seilzüge unter die Decke des Aufführungsortes gezogen - schweben bisweilen aktionistisch auf einer anderen Ebene über den Köpfen der Protagonisten und der Zuschauer und greifen je nach Szenerie und nach Bedarf ins Geschehen ein. Die „Puppenobjekte“ werden von den Schauspielern in Szene gesetzt. 

Die „Puppenobjekte“ (Vater, Mutter, Kinder, Enkel) verkörpern in ihrer „Überhöhung“ einmal sehr expressionistisch die Charaktere der einzelnen Rollen aus der Sichtweise des „Kommentarpaares“ und beschreiben zum anderen sehr detailliert die Beziehung der einzelnen Rollen innerhalb der konstruierten Familienstruktur und ihrem gestischen Verhalten untereinander.
Komödie, Tragödie und Drama finden sich gleichermaßen in den einzelnen Szenen wieder; Text, Musik/Ton und das Medium Film untermauern dramaturgisch den Aufbau der performativen Veranstaltung. Um die Intimität der Texte intensiv an den Zuschauer zu vermitteln, tragen alle Darsteller Mikroports. Das Medium Film/Video bietet die Möglichkeit mittels Projektionsebene einmal die räumliche Dimensionen zu errichten und zum anderen in virtuellen Rückblicken wirksam und mit großem Einfühlungsvermögen biographisch auf die Lebenssituation jeder einzelnen Rolle (Vater, Mutter, Kinder, Enkel) einzugehen. Das performative Projekt „ALLE VERSAMMELT!“ bietet die Kooperationsmöglichkeit der Studienrichtung Kostümdesign des  Departments Design der HAW Hamburg mit dem Department Medientechnik der HAW Hamburg  (Die Vielfalt der modernen Medienwelt eröffnet neue Schaffensgebiete – bei Film und Fernsehen, Funk und in Verlagen, Theater und in der Gamesbranche. Ideen technisch professionell umzusetzen, die hohen Anforderungen der Medientechnik zu beherrschen – das ist das Metier des Departments Medientechnik der HAW Hamburg), dem Studiengang Kommunikationsdesign der HAW Hamburg (Intermediale Arbeiten: Die Kommunikations- und Medienbereiche in Kultur, Bildung und Wirtschaft verlangen nach fachlich kompetenten, sich ihrer Verantwortung bewussten Designerinnen und Designern. Um für eine hochgradig bildbestimmte Gesellschaft Informationen strukturieren und als Botschaften vermitteln zu können, planen, entwerfen und realisieren Kommunikationsdesignerinnen und Kommunikationsdesigner Produkte mit den Ausdrucks- und Gestaltungsmitteln der visuellen Kommunikation - mit Text, Bild und Ton.) und der Theaterakademie Hamburg. (Unter der gemeinsamen Dach des Studiendekanats/der Theaterakademie Hamburg befinden sich die achtsemestrigen Bachelorstudiengänge Regie Schauspiel und Regie Musiktheater, die ebenfalls achtsemestrigen Bachelorstudiengänge Schauspiel und Gesang, und die jeweils viersemestrigen Masterstudiengänge Gesang, Oper, Liedgestaltung und Dramaturgie in einem dialogischen Mit- und Nebeneinander. Die Hamburger Staatstheater (Deutsches Schauspielhaus, Thalia Theater und Staatsoper) sowie Kampnagel sind als Kooperationspartner Teil dieser neuen Hamburger und bundesweit in dieser Form einzigartigen Institution.).
Von der dramaturgischen und literarischen Erarbeitung von Sprechtexten (der Anfertigung einer professionellen Stückvorlage und deren Fassung), über die Personenfindung („Rollen“) innerhalb der Stückvorlage, der Besetzung dieser durch Studierende  Schauspiel/Musiktheater der Theaterakademie Hamburg, der Erarbeitung einer räumlichen Dimension („Bühnenbild“, „Raumkunst“) in Einbeziehung von erarbeiteten Projektionsmaterialien (Film, Foto, Hörspiel/Ton) mit Studierenden von Kommunikationsdesign, der technischen Erarbeitung dieser Produkte mit Studierenden von Medientechnik, derkonventionellen Lichtgestaltung des performativen Projektes über Probenarbeit in der Umsetzungsphase bis hin zur Aufführung des fertigen Produktes in der Aula der Armgartstraße und Gastspielen an anderen Hochschulen im deutschsprachigen Raum, Partner-Hochschulen im Ausland, Theatern in anderen Bundesländern.
Studierende haben die Möglichkeit interdisziplinär mit den genannten Studiengängen und Studienrichtungen zusammen zu  arbeiten und gemeinsam den Prozess eines Projektes von der Entstehung bis zur Aufführung zu durchlaufen.
In zusätzlichen Lehraufträgen, in eingerichteten Workshops in den Theorie-, Labor- und Designfächern, sowie durch Gastvorträge wird die Qualität der Lehre intensiviert und gefördert.  Im Anschluss an die Aufführung wird eine Broschüre bzw. Dokumentation mit Beiträgen aller an dem performativen Projekt Beteiligten erarbeitet und editorial bearbeitet. Die dokumentarischen Filmaufzeichnungen werden zu einem professionellen Filmbeitrag über die Arbeit zusammengefügt, Standfotografie und dokumentarische Fotografie werden zu einer Ausstellung zusammengefügt und präsentiert. Gastspiele an anderen Hochschulen und Partner-Hochschulen, Theatern und Galerien werden organisiert.
"Im Sinne einer produktionsästhetischen Betrachtung der künstlerischen Praxis konzentriert sich künstlerische Forschung „auf die praxische Genese der künstlerischen Arbeiten und untersucht die Sinnfälligkeit dieses Produktionsprozesses“. (Prof. Dr. Anke Haarmann, Designforschung, HAW Hamburg)

"Bei der Wissenschaft kommt es immer auf das fruchtbare Eindringen an, nicht auf das Katalogisieren und Systematisieren von Dingen!“ (Max Wertheimer) 
„Was für die Wissenschaft und ihre Studierenden Forschung bedeutet, ist für Studierende künstlerisch angewandter Studiengänge das Werk/Produkt.“ (Prof. Reinhard von der Thannen MA,  akdem. dipl. Regisseur, Bühnen-, Kostüm- und Filmgestalter)

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