„DRIP JOY EMOJI“ - Kostümbild im Ausstellungskontext
Felina Levits, stART.up-ALumna, Kostümbildnerin und Theatermacherin
Ich arbeite als Kostümbildnerin in der freien Theater- und Performanceszene. Dort entstehen Kostüme immer im Verhältnis zu Körpern, Texten, Musik, Bewegung, Licht und Raum. Viele meiner kostümbildnerischen Arbeiten entwickeln sich stark über das Experimentieren mit Material und Oberfläche im assoziativen Zusammenspiel mit der inhaltlichen Setzung einer Performance. Ich entwickle komplexe Materialkompositionen am Körper, die meist eine in sich geschlossene ästhetische Welt bilden. Hierfür bearbeite ich Stoffe, gestalte digitale Prints, arbeite mit Metall, Polystyrol, Latex oder Silikon. Auf der Bühne tragen meine Materialkompositionen zur Gesamtstimmung oder Setzung einer Inszenierung bei, im Detail sind sie aber meist nicht wahrnehmbar.
Im Laufe der Jahre ist meine Praxis in der Materialarbeit immer detaillierter geworden. Deshalb interessiert mich zunehmend, was passiert, wenn man diesen Teil als eigenständig funktionierende künstlerische Arbeit in den Fokus nimmt und aus dem Zusammenspiel der unterschiedlichen Gewerke im Theater herauslöst. Mit der Förderung im 2. Förderjahr bei stART.up hatte ich die Möglichkeit, meine Praxis aus dem Theaterkontext heraus zu lösen und zu schauen, ob meine Arbeiten in einem Ausstellungsraum funktionieren.
Das Konzept der Ausstellung "DRIP JOY EMOJI" drehte sich zunächst stark um die Sichtbarkeit kostümbildnerischer Arbeit und die freie Umsetzung von selbst entwickelten Materialtechniken. Kostüme entwerfen bedeutet für mich im Idealfall auch immer eine Auseinandersetzung mit den darstellenden Personen und ihren Körpern. Ich habe Florian Giese (Schauspieler), Géraldine Schabraque (Performerin), Kamilla Taller (Schauspielerin) und Marilyn Nova White (Performer, Schauspieler_in, Drag King) eingeladen, Teil des Projekts zu sein, weil ihre Praxis exemplarisch für Formen von Selbstbestimmung und Verantwortung im gesellschaftlichen Kontext steht und sie ein starkes eigenes Verhältnis zu Kostüm haben. Für sie wollte ich Silikon-Kostüme entwickeln, sie darin fotografieren und die Kostüme anschließend zusammen mit den Fotografien (Jascha Kretschmann) ausstellen.
Die Frage nach Sichtbarkeit, mit der ich gestartet bin, hat sich irgendwann erledigt. Nicht, weil sie unwichtig geworden ist, sondern weil sie sich durch den Ausstellungsrahmen einfach eingelöst hat. Nach dieser Verschiebung stellte sich für mich die Frage, welche inhaltliche Ebene die Arbeit tragen soll. Ausgangspunkt dafür war eine freie zeichnerische Arbeit im Sommer 2025. Ich entwickelte eine Serie farbintensiver Buntstiftzeichnungen, die Verschiedenes abbildeten, dass mir im Alltag Freude macht, von Keks bis Emoji. Die Direktheit und emotionale Qualität dieser Zeichnungen unterschieden sich stark von meinen bisherigen Arbeiten und eröffneten eine neue visuelle Sprache für das Projekt. Anschließend übertrug ich diesen zeichnerischen Ansatz auf die Ausstellung und entwickelte Fragebögen für Florian Giese, Géraldine Schabraque, Kamilla Taller und Marilyn Nova White. Die Fragen bezogen sich auf Dinge, die ihnen Freude bereiten: Lieblingssnacks, Tiere, Farben, Blumen, Hobbys oder alltägliche Routinen. Aus den Antworten entstand ein Motivfundus, den ich zeichnerisch umsetzte und in die Gestaltung der Kostüme überführte. Die Konzentration auf alltägliche Formen von Freude versteht sich dabei nicht als Rückzug ins Private. Mich interessiert vielmehr, wie sich Sinnlichkeit, Humor und emotionale Offenheit als bewusste Gegenposition zu gesellschaftlicher Verhärtung und permanenter Krisenstimmung einsetzen lassen.
Aus den Zeichnungen entstanden zunächst digitale Kompositionen und Schnittmuster, die auf Stoff gedruckt wurden. Gleichzeitig entwickelte ich ein eigenes Gussverfahren, um die Zeichnungen in Silikon zu übersetzen. Dafür übertrage ich die Motive auf feuchten Ton und modelliere Reliefstrukturen um die Zeichnungen herum. Die so entstandenen Formen werden anschließend mit transparentem und eingefärbtem Silikon ausgegossen. In das flüssige Material lege ich die bedruckten Stoffe ein, sodass Textil, Zeichnung und Silikonoberfläche miteinander verbunden werden. Nach dem Aushärten entstehen flexible, transluzente Teile, die ich mit Ösen und Bändern zu tragbaren Kostümen zusammensetzte. Die fertigen Kostüme wurden von Jascha Kretschmann an den vier Darsteller*innen fotografiert und danach wieder auseinandergenommen. In der Ausstellung erschienen sie schließlich nicht mehr als tragbare Kleidungsstücke, sondern als frei im Raum hängende Objekte. Gemeinsam mit den großformatigen Fotografien und drei großen Silikonsmileys entstand so eine Ausstellung, die zwischen Körper, Material, Bild und Kostüm vermittelt. Mich interessiert dabei besonders der wandelbare Zustand der Arbeiten: Sie sind eindeutig für Körper gemacht und funktionieren gleichzeitig ohne sie. Genau in dieser Verschiebung zwischen Kostüm, Objekt und Installation eröffnet sich für mich ein neuer Arbeitsraum.
Die Ausstellung "DRIP JOY EMOJI" war im März 2026 in The Yard Gallery zu sehen.
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