Transdisziplinäre Austauschwoche
Workshops in Peer-to-Peer Formaten 16. - 20. November 2026 und darüber hinaus
Programm
Můll – wirf Scheiße an die Wand und schau, was kleben bleibt!
Workshop mit Musa Kohlschmidt und Till Doğan Ertener
Was passiert eigentlich, wenn man aus einer vagen Idee in kürzester Zeit etwas Konkretes machen muss? In künstlerischen Prozessen treffen wir ständig Entscheidungen: Was bleibt, was fliegt raus? Welche Idee verfolgen wir weiter? Wann ist etwas gut genug, um damit weiterzuarbeiten? Was ist bloß, wenn man sich falsch entscheidet? Für uns als Regisseur:innen ist genau das ein großer Teil der Arbeit. Besonders in Stückentwicklungen beginnt man häufig mit sehr wenig – einer Frage, einem Bild, einem Impuls – und muss daraus Schritt für Schritt eine konkrete Form entwickeln. Dabei geht es nicht nur darum, gute Entscheidungen zu treffen, sondern überhaupt ins Entscheiden zu kommen: schnell, intuitiv und mit Lust am Ausprobieren. Oft ist es doch eigentlich so: it’s not that deep! Overthinking kann einen in den Wahnsinn treiben und die Zeit dafür hat man einfach nicht immer.
Můll hat sich bereits während des gemeinsamen Regiestudiums darin geübt, in Co-Regie möglichst schnell Szenenstudien zu entwickeln und dabei Entscheidungen zunehmend aus dem Bauch heraus und effektiv zu treffen. Diese Praxis wollen wir in unserem Workshop mit euch teilen! Wir geben euch Einblicke in verschiedene Entscheidungsstrategien aus unserer Regiepraxis und probieren sie direkt gemeinsam aus. In praktischen Übungen entwickeln wir aus kleinen Impulsen Szenen und schauen dabei darauf, wie Entscheidungen kreative Prozesse verändern, beschleunigen oder überhaupt erst in Gang bringen können. Dabei benutzen wir zwar theatralische Mittel, aber der Workshop richtet sich ausdrücklich nicht nur an Theaterschaffende. Die Übungen und Tools lassen sich auf ganz unterschiedliche kreative Prozesse übertragen. Es geht uns um das Zelebrieren des Anfangens, Machens, Zweifelns, Verwerfens, Festlegens, Weiterbauens und des Wieder-von-vorne-Anfangens in unserer Kunst :-).
Musa & Till
Dauer: Tagesworkshop von 10:00-18:00 Uhr
Ort: Düne, Claussen-Simon-Stiftung
Was sollt ihr mitbringen oder vorbereiten?
- Wer möchte, kann aktuelle Entscheidungsprozesse mitbringen
- sonst muss man nichts mitbringen und keine Vorkenntnisse in irgendwas haben
„Von der Idee zum Klang" ‒ Improvisieren und Harmonien hören lernen
Workshop mit Mai Linh Dang
In diesem Workshop werdet ihr eingeladen, euer Ohr für jazzharmonische Klänge zu öffnen. Mich selbst reizt im Jazz die Komplexität und Möglichkeit von Akkordfolgen, die einen spannenden Raum für eigene Melodien bieten. Ziel ist es, leichte bis mittelleichte Melodien mehrstimmig zu singen und vor allem sich selbst im gemeinsamen Klang der Gruppe wahrzunehmen und diesen Mix aus Eigenverantwortung und Gruppengefühl musikalisch zu genießen. Wir werden in der Gruppe mit einem Warm-Up der Stimme, dem Körper und Übungen aus der Gehörbildung starten. Anschließend leite ich euch mit einem Circle Song an. Ein Circle Song besteht aus mehreren Loops, die sich wiederholen und mit verschiedenen Parametern gestalten lassen. Dieser Circle Song bietet dabei eine gute Grundlage, um erste improvisatorische Ansätze im Gesang auszuprobieren und eigene, kurze Melodien zu entwickeln. Falls wir schneller durchkommen sollten, bringe ich auch einen kurzen Ausschnitt aus einem Jazz Standard mit, den wir mehrstimmig einstudieren können. Dabei wird es Raum für Austausch und Feedback geben. Ich freue mich, wenn ihr Inspiration für euren weiteren kreativen Schaffensprozess hieraus mitnehmt.
Dauer: 10:30-13:00 Uhr
Ort: Düne, Claussen-Simon-Stiftung
Keine Noten, trotzdem spielen wir ein Stück
Workshop mit Marta Kowalczuk
Wie kann man gemeinsam ein Musikstück entwickeln, ohne vorher Noten zu schreiben? In diesem Workshop möchte ich mit euch ein Stück entwickeln, das direkt aus dem gemeinsamen Musizieren entsteht. Als Ausgangspunkt nutzen wir die Methode des Soundpaintings: Eine Person steuert eine Gruppe über verschiedene Zeichen und musikalische Impulse, auf die die anderen unmittelbar reagieren. Dabei können wir auch eigene Zeichen und Regeln entwickeln und herausfinden, wie sich damit Klang, Dichte, Wiederholung, Wechsel und Form gestalten lassen.
Nach einer kurzen Einführung und einigen gemeinsamen Übungen geht es vor allem ums Ausprobieren. Aus einzelnen musikalischen Reaktionen und Improvisationen entstehen nach und nach wiederkehrende Klänge, kleine Motive, Kontraste und Übergänge. Diese können wir verändern, miteinander kombinieren und zu größeren Abschnitten verbinden. Auf diese Weise entwickelt sich im Laufe des Workshops Schritt für Schritt ein gemeinsames Stück. Dabei wechseln wir zwischen freiem Ausprobieren und dem bewussten Gestalten des entstandenen Materials. Wir können als Gruppe musikalische Entscheidungen gemeinsam treffen und ausprobieren, wie sich durch einfache Zeichen und Regeln unterschiedliche Strukturen und Formen entwickeln lassen.
Am Ende des Workshops steht eine gemeinsame Aufführung des entstandenen Stücks. Alle können mitmachen, unabhängig von musikalischer Erfahrung. Wer ein Instrument spielt, kann es gerne mitbringen. Auch Instrumente, die man seit der Grundschule nicht mehr in der Hand hatte oder die man eigentlich gar nicht richtig spielen kann, sind ausdrücklich willkommen. Wer kein Instrument hat, kann mit dem eigenen Körper Klänge erzeugen.
Dauer: 14:00-18:00 Uhr
Ort: Düne, Claussen-Simon-Stiftung
Am Mittwoch, den 18. November 2026, trifft sich der aktuelle stART.up-Jahrgang von 10:00 bis 13:30 Uhr für einen Input zu den Projektplänen und zur möglichen Weiterförderung nach dem ersten Stipendienjahr durch Maria Eplinius und Dr. Jenny Svensson in der Stiftung.
Dauer: 10:00-13:30 Uhr
Ort: Düne, Claussen-Simon-Stiftung
Am Nachmittag findet von 14:30 bis 18 Uhr ein Gespräch mit der Stadtkuratorin Joanna Warsza statt. Seit Oktober 2024 ist Joanna Warsza die neue Stadtkuratorin von Hamburg. Stadtkuratorin ist ein eigenständiges, kuratorisches Format für Kunst im öffentlichen Raum. Ziel ist es, sowohl die Aufmerksamkeit auf Hamburgs wichtige und oft übersehene Kunstsammlung im Stadtraum zu lenken als auch relevante soziale und politische Themen durch temporäre Kunstinterventionen im öffentlichen Raum aufzugreifen. Das Projekt Stadtkuratorin Hamburg wird von der Behörde für Kultur und Medien gefördert und steht seit ihrer Neuauflegung im Jahr 2024 unter der Trägerschaft des Kunsthaus Hamburg.
Hier könnt ihr mehr über das Projekt Stadtkuratorin erfahren.
Moderiert wird das Gespräch von Nora Strömer und Maria Eplinius.
Die Teilnahme an diesem Tag ist für den aktuellen stART.up-Jahrgang verpflichtend. Auch stART.up Alumni:ae sind herzlich eingeladen.
Dauer: 14:30-18:00 Uhr
Ort: Düne, Claussen-Simon-Stiftung
Zeichnerischer Stadtspaziergang:
Beobachtung, Raum und Wahrnehmung als Denkwerkzeug
Workshop mit Andrea Wandinger
Das Flanieren und Zeichnen dient in diesem Workshop nicht dem perfekten Abbild, sondern als Methode zur Schulung der eigenen Wahrnehmung. Durch die Kombination aus Text-Impuls, fokussiertem Spaziergang und schnellen Skizzen schärfen wir den Blick für unsere Umgebung: Wie nehmen wir Raum, Bewegung, Texturen und Atmosphären wahr?
Der Transfer von der Beobachtung auf das Papier hilft, den eigenen Blick zu entschleunigen, feste Sehmuster aufzubrechen und den Kopf frei für neue Ideen zu bekommen. Das Format ist disziplinenübergreifend angelegt: Das bewusste Beobachten und Dokumentieren lässt sich als Denk- und Recherchewerkzeug in eigene Projekte übertragen.
Hinweis zum Wetter: Bei Regen wird der Außenteil auf kurze Intervallgänge verkürzt und um Übungen mit Blick aus den Fenstern des Stiftungsraums ergänzt.
Dauer: 10:00-14:00 Uhr
Ort: Düne, Claussen-Simon-Stiftung und direkte Umgebung
👃 Landschaft, Erinnerung und Fiktion 👃
Workshop mit Nina Kuttler
Gerüche gehören zu den unmittelbarsten und zugleich schwer greifbaren Formen der Wahrnehmung. Sie können Erinnerungen auslösen, Orte imaginieren und Vorstellungen hervorrufen, ohne dass wir genau benennen können, woher diese Bilder kommen. Gleichzeitig haben Düfte eine lange Verbindung zu Ritualen, Heilpraktiken, Religion und Magie: Pflanzen, Harze, Öle und Rauch wurden verwendet, um Räume zu markieren, Körper zu schützen, Übergänge zu begleiten oder eine Verbindung zu einer anderen, unsichtbaren Welt herzustellen. Geruch bewegt sich damit zwischen materieller Erfahrung und dem, was wir mit ihm verbinden und in ihn hineinlesen.
Im Workshop möchte ich mich gemeinsam mit euch mit dieser Zwischenebene beschäftigen. Ausgangspunkt ist die Frage: Wie kann man einen Ort herstellen, ohne ihn abzubilden? Gemeinsam entwickeln wir einen Duft, der eine Landschaft beschreibt, die vielleicht real existiert, vielleicht aber auch erst in der Zukunft. Dazu werden wir mit synthetischen Duftstoffen arbeiten und uns zunächst mit einzelnen Geruchskomponenten vertraut machen. Anschließend werden verschiedene Materialien kombiniert, um gemeinsam einen Geruch zu entwickeln. Dabei geht es nicht darum, einen schönen oder möglichst harmonischen Duft zu kreieren, sondern darum, Gerüche als Bausteine einer Erzählung zu verstehen. Wie riecht feuchte Erde? Metall? erhitztes Plastik? Vegetation nach einem Gewitter? Ein technischer Ort? Eine Landschaft nach ihrer Umnutzung? Welche Gerüche lassen einen Ort vertraut, fremd oder sogar unheimlich erscheinen?
Dauer: 15:00-18:00 Uhr
Ort: Düne, Claussen-Simon-Stiftung
Soft as steel - eine Metalleinführung
Workshop mit Sanna Leone
Flexen, Bohren, Schweißen - ENDLICH.
Ich biete einen Einführungskurs ins Arbeiten mit Metall an. Wir sind eine große Gruppe, eigentlich viel zu viele für einen Kurs, aber da das alles ein wenig Ausflugcharakter hat, wollte ich gerne allen die Möglichkeit geben gleichzeitig teilzunehmen.
Die Teilnehmenden werden in zwei Gruppen aufgeteilt, die angeleitet parallel verschiedene Techniken und Arbeitsschritte absolvieren werden, am Ende könnt ihr euch dann eure stählerne Errungenschaft mit nach Hause nehmen. Die Werkstatt verfügt über eine große Küche, die für ein gemeinsames Mittagessen nutzen können, ihr müsst dafür nichts mitbringen.
Zum Ablauf:
Wir beginnen um 10 Uhr mit der Sicherheitseinweisung. Dabei wird auf Verhaltensregeln und Gefahren hingewiesen aber auch im Allgemeinen werden Verarbeitungstechniken und einzelne Werkzeuge vorgestellt. Daran anschließend gibt es ein bisschen Theorie zum Material selbst. Anschließend werden die Gruppen aufgeteilt, es wird eine zusätzliche Kursleitung geben, um sicher und übersichtlich arbeiten zu können. Während ein Teil der Gruppe lernt, mit dem Winkelschleifer zu arbeiten, bekommt die andere eine Einführung ins Schutzgas-Schweißen und so weiter. Der genaue Ablauf wird noch bekannt gegeben, auch abhängig von der Anzahl an Teilnehmer:innen.
Am Ende des Kurses, gegen 18 Uhr, habt ihr (im besten Falle) alle ein kleines Objekt, das ihr mit nach Hause nehmen könnt.
Ich freu mich auf euch,
Sanna
Dauer: Ganztagsworkshop von 10:00-18:00 Uhr, Mittagspause vor Ort, Essen wird gestellt
Ort: Metallwektstatt von bauer + planer Entwurfswekstatt
To bring:
- feuerfeste, enganliegende (Arbeits-)Klamotten, zum Beispiel Jeans, Baumwolle, Leder etc. kein Plastik!
- feste (Sicherheit-)Schuhe, Haare zurückbinden, kein Schmuck
- Wasserflasche
Achtung! Es wird eine Sicherheitseinweisung geben, die Kursteilnehmenden haften für sich selbst. Beim Arbeiten mit Metall können Dämpfe und Funken entstehen, und es wird mit elektrischen Geräten gearbeitet. Bitte informiert euch vorab.
Virtuelle Produktion - neue künstlerische Strategien für das Independent-Kino, die freie Szene und die bildende Kunst
Workshop mit David Ronner
Der Kern des Workshops besteht darin, mit Hilfe von 3D-Software, Greenscreen-Technik und digitalen Workflows aus einfachen Bildern und Videos komplexe visuelle Räume zu erschaffen und damit kreative Möglichkeiten freizuschalten, die früher mit deutlich höherem logistischem und finanziellem Aufwand verbunden gewesen wären.
Ihr lernt unter anderem, Videoaufnahmen mit digital gestalteten Hintergründen zu verbinden und aus einfachen Materialien wie Handyfotos eindrucksvolle Kulissen, Projektionen und szenische Räume zu entwickeln.
Inhaltlich umfasst der Workshop:
- einen Einstieg in die Arbeit mit der freien 3D-Software Blender zur Gestaltung digitaler Bühnenbilder und Kulissen
- Greenscreen- und Lichtarbeit zur Verbindung von realen Aufnahmen und digitalen Hintergründen
- die Entwicklung von Szenen, Bildwelten und Regiekonzepten für die Verbindung von Video und Live-Performance
- eine Einführung in Projection Mapping, auch im Hinblick auf ungewöhnliche Projektionsflächen und Spielorte
- Grundlagen des Motion Trackings, um choreografische Bewegungsqualitäten in virtuelle Räume zu übertragen
Der Workshop ist als praxisorientierter Einstieg konzipiert und lässt sich gut an unterschiedliche künstlerische Hintergründe anpassen.
Dauer: 10:00-16:00 Uhr
Ort: Düne, Claussen-Simon-Stiftung
Visible Mending: Sticken
Workshop mit Inga Zink
Visible Mending beschreibt die bewusste, sichtbare Reparatur von Kleidung und Textilien. In diesem Workshop konzentrieren wir uns auf die Technik des Stickens. Ich zeige verschiedene Sticktechniken und wie sie sich auf unterschiedlichen Materialien anwenden lassen - von gestrickten bis zu gewebten Textilien. Im Rahmen des Workshops hast du die Möglichkeit, das Gelernte direkt an deinen eigenen Kleidungsstücken anzuwenden.
Was du mitbringen solltest:
1 bis 2 Kleidungsstücke oder Textilien, die du reparieren oder verschönern möchtest. Das Material sollte nicht zu fein oder fragil sein, damit es sich gut besticken lässt.
Was ich mitbringe:
Stickrahmen, verschiedene Garne und das weitere benötigte Werkzeug.
Dauer: 14:00-18:00 UIhr
Ort: Düne, Claussen-Simon-Stiftung
Aufnahme von "hard_break </3" von Marco Merenda
Fotografie: Marie-Theres Böhmker