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Ausstellung: Melike Kara – Whispers
Einzelausstellung im Rahmen der 9. Triennale der Photographie Hamburg Alliance, Infinity, Love – In the Face of the Other
Melike Karas Einzelausstellung Whispers ist im Rahmen der 9. Triennale der Photographie Hamburg Alliance, Infinity, Love–In the Face of the Other entstanden. Sie folgt einem erweiterten Verständnis von Fotografie: nicht als statisches Bild, sondern als Prozess – als zirkulierendes, sich veränderndes Medium der Erinnerung, Identität und Transformation.
Melike Karas künstlerische Praxis bewegt sich seit Jahren an der Schnittstelle von persönlicher Archivarbeit, kollektiver Geschichtsschreibung und malerischer Übersetzung. Im Kunsthaus Hamburg radikalisiert sie diesen Ansatz, indem sie erstmals Fotografien aus ihrem eigenen Bildbestand verbrennt und in Asche überführt. Was bleibt, sind Spuren: Fragmente, Verdichtungen, materielle Rückstände von Bildern, die sich ihrer Fixierung entziehen. Fotografie erscheint hier nicht als Speicher, sondern als Zustand ständiger Auflösung und Neuformierung. Ausgangspunkt der für das Kunsthaus Hamburg neu entstandenen, raumgreifenden Installation bildet Melike Karas intensive Beschäftigung mit ihrem kurdischen Erbe, das sie über Jahre hinweg erforscht, archiviert und künstlerisch verarbeitet hat. Dabei richtete die Künstlerin den Blick bewusst auf die Schönheit kurdischer Traditionen – jenseits von Schmerz, Verfolgung und politischer Zuschreibung. Whispers markiert zum ersten Mal eine Verschiebung in dieser Auseinandersetzung: Statt Identität zu repräsentieren, fragt die Künstlerin, wie sie sich integrieren oder sogar auflösen lässt. Was bleibt, wenn die Geschichten, die wir über Herkunft und Zugehörigkeit erzählen, an Kontur verlieren?Welche Form von Wahrnehmung entsteht, wenn kulturelle Zuschreibungen nicht mehr im Zentrum stehen?
In der Ausstellungshalle des Kunsthauses übersetzt Melike Kara diese Fragen in einen Garten. Die Ascheder Fotografien wird in die Installation integriert. Malereien liegen auf dem Boden, Bilder aus Kaffeesatz durchziehen den Raum wie sedimentierte Spuren der Vergangenheit. In manchen Bereichen wachsen Pflanzen, Kaffee tritt aus den Wänden aus, ergießt sich über Bildflächen und sammelt sich in Becken oder Pfützen. So entsteht eine lebendige, aber auch fragile Umgebung, die zwischen Entstehung und Auflösung oszilliert. Im Zusammenspiel von Wasser und Feuer, Kontinuität und Veränderung öffnet Whispers einen sinnlichen Erfahrungsraum, der individuelle Erinnerung nicht isoliert, sondern in Beziehung setzt. Die Installation fragt weniger nach Identität als nach geteilten Zuständen–und nach der Möglichkeit eines Miteinanders jenseits kultureller Zuschreibungen.Gerade im Licht gegenwärtiger politischer und gesellschaftlicher Verwerfungen wird das bewusste Loslösen von festgeschriebenen Bildern zu einem befreienden Akt der Selbstbefragung und-ermächtigung. Im Kontext der Triennale der Photographie betrachtet, verdichten sich zentrale Motive der diesjährigen Leitidee des Festivals: Alliance als bewegliche, sich stets neu formierende Beziehung zwischen Bildern, Körpern und Geschichten, Infinity als nicht abschließbarer Prozess der Erinnerung und des Wandels und Love als zarte Form von Nähe und Zugehörigkeit, die Zuwendung und Offenheit bedarf.