künstlerisches Jahresprogramm: Night Shifts
Die zweite Ausgabe des achtteiligen Jahresprogramms Night Shifts
Night Shifts ist ein künstlerisches Jahresprogramm im öffentlichen Raum Hamburgs, das sich 2026 im Rahmen von acht Kapiteln dem Thema Dunkelheit widmet. Zwischen Dämmerung und Morgengrauen finden Ausstellungen, Performances, Soundinstallationen und Lesungen statt, die das Spannungsfeld zwischen Licht und Schatten, Sichtbarkeit und Verborgensein beleuchten. Im Laufe des Jahres werden verschiedene Orte in der Stadt, darunter der Hafen, Stadtteile wie Harburg, City Nord und St. Pauli, von wechselnden Künstler:innen bespielt. Die Interventionen untersuchen die nächtliche Dunkelheit der Stadt als ambivalenten Zustand: Während die Nacht Unsicherheit hervorrufen und unsere Bewegungen einschränken kann, eröffnet sie zugleich Schutz- und Spielräume für Selbstentfaltung, Visionen und Exzess. Die künstlerischen Beiträge nähern sich den gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und popkulturellen Facetten der Finsternis aus unterschiedlichen Perspektiven. Drei Nachtwächterinnen begleiten jede Veranstaltung und führen durch die Nacht.
Das zweite Event von Night Shifts führt in die Hamburger City Nord, ein Stadtviertel, das in den 1970er Jahren als eines der ambitioniertesten Nachkriegsprojekte Europas entworfen wurde. “Europas Modellstadt der Moderne” blieb infrastrukturell trotz zentraler Lage vom Rest der Stadt isoliert; die Straßen nach Dienstschluss verwaist, düster, unbehaglich. Die City Nord ist ein Ort zwischen gescheiterter Utopie, merkwürdiger Nostalgie und gegenwärtigem Wandel. Viele der denkmalgeschützten Gebäude stehen leer; 2023 zog die Polizeiakademie in eines der ehemaligen Shell-Hochhäuser ein und mit dem Bau einer neuen U-Bahn-Linie scheint sich das Viertel einer neuen Zukunft zuzuwenden.
Am 27.3.2026, 20 Uhr, treffen wir uns nach Einbruch der Dunkelheit an der Bushaltestelle Überseering. Dort wird das Publikum von den Nachtwächterinnen in Empfang genommen und zur ersten Station unserer Veranstaltung geführt.
Der Abend beginnt vor der Einstellungsstelle der Polizei Hamburg mit einer Lesung und einem Spaziergang durch die abendliche City Nord mit der Autorin Lisa-Viktoria Niederberger. In ihrem Essayband Dunkelheit. Ein Plädoyer. (Haymon, 2025) fragt sie, wie ein Leben aussehen könnte, in dem wir der Dunkelheit wieder mehr Raum erlauben. Ihre Texte verknüpfen Fragen der Macht, verborgener Klassenunterschiede und patriarchaler Strukturen mit Themen wie Naturschutz, Arbeitsschutz, Sternenhimmel als Kulturgut sowie feministischen und politischen Fragestellungen. Dunkelheit ist eine literarische Spurensuche nach Ambivalenzen und Kontinuitäten rund um das Dunkle. Ein Plädoyer für die Rückkehr zu finsteren Nächten. Begleitet von Niederbergers Texten erkunden wir die dunklen Straßenschluchten der City Nord.
Fragen der Macht und Kontrolle sowie deren Verlust werden auch im weiteren Verlauf des Abends in Liina Magneas Performance Ssassin's Creed (Lady says Stop) verhandelt. Die Arbeit taucht in die Schatten menschlichen Verhaltens ein, die sich auftun, wenn als selbstverständlich erachtete Autoritätskonstrukte ins Wanken geraten. Welche Formen von Täterschaft entstehen, wenn Menschen sich ihrer Macht beraubt fühlen? Wie weit gehen sie, wenn sie zerstören oder „Revolutionen“ anzetteln wollen? Magneas tänzerische Performance ist geprägt von einer unberechenbaren Ambivalenz: Ihre Figur wechselt zwischen Machtdemonstration, Gewaltexzess und Opferrolle und erzeugt dabei Angst, Fremdscham und Mitgefühl. Besessen von der Idee eines immateriellen Gesamtkunstwerks, verbindet Magnea Musik, Bewegung, Filmdramaturgie und Internet-Scrolling zu einer metamorphischen Darbietung menschlicher Abgründe.
Treffpunkt: 20 Uhr, Bushaltestelle Überseering
Beginn Lesung: 20:30 Uhr, Einstellungsstelle der Polizei Hamburg
Beginn Performance: ca. 21:30 Uhr, Tanzschule “die 2”, Dauer: 30 Min.
Weitere Informationen zum Ablauf und zur Zugänglichkeit der Veranstaltung findet ihr auf unserer Website: www.night-shifts.com
Instagram: night__shifts
Zu den Künstlerinnen: Liina Magnea, Lisa-Viktoria Niederberger
Gefördert durch die Claussen-Simon-Stiftung.