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#Bildung #Stiftung #Team #Wissenschaft #WissensWerte

#WissensWerte: „Eine Umgebung schaffen, damit junge Menschen ihre Potenziale entfalten und weiterentwickeln können“

Prof. Dr. Regina Back im Gespräch mit Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Katharina Boele-Woelki

Prof. Dr. Regina Back: Liebe Katharina, nach acht Jahren als Präsidentin der Bucerius Law School und als Claussen-Simon-Stiftungsprofessorin für Rechtsvergleichung wirst du nun im Herbst 2023 in den Ruhestand gehen. Wenn du auf diese Zeit zurückblickst, was kommt dir als erstes in den Sinn?

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Katharina Boele-Woelki: Erst einmal, dass es eine gute Entscheidung war, mich für das präsidiale Amt zu bewerben. Ich habe mich immer sehr wohlgefühlt an der Bucerius Law School. Ich denke, dass die Hochschule heute auf einem sehr guten Fundament steht, zu dem ich vielleicht ein paar Steine hinzugefügt habe. Sehr prägend für meine Zeit an der Bucerius Law School waren die beiden Akkreditierungsprozesse, die ich geleitet habe.

Regina Back: Darauf werden wir gleich noch ausführlicher zu sprechen kommen. Aber zunächst interessiert mich: Was hat dich am stärksten angetrieben? Welche Werte sind dir bei deiner Arbeit besonders wichtig gewesen?

Katharina Boele-Woelki: Ein starker Antrieb für meine Arbeit war der Wunsch, die Lücken, die damals im Bereich der Forschung und der interdisziplinären Ausrichtung bestanden, programmatisch zu füllen. Das hat sich dann später bei den Akkreditierungen als sehr wichtig erwiesen. Außerdem hat mich der Ausbau der Internationalität umgetrieben. Und zwar über die Möglichkeit für unsere Studierenden hinaus, ein Pflichttrimester im Ausland zu verbringen. Mir war insbesondere wichtig, internationale Erfahrungen auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu ermöglichen. Das ist mir ein Herzensprojekt.

Was mich immer begeistert hat, sind die motivierten Studierenden, die so klug sind, unglaublich gute Ideen haben und konstruktiv in der Hochschulgemeinschaft mitwirken. Bei uns an der Bucerius Law School wird das Miteinander wirklich gelebt. Das ist sicher nicht an allen universitären Einrichtungen der Fall. Das habe ich immer als sehr erfrischend empfunden. An der Bucerius Law School herrscht das Gefühl vor, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Wir haben dieselben Interessen, und wir wollen nicht nur fordern, sondern auch fördern, und wenn jemand mit guten Ideen kommt, dann wollen wir die auch umsetzen.

 

Regina Back: Du hast dich auch sehr für Digitalisierung eingesetzt. Wie siehst du das Erreichte? Ist bei den Themen interdisziplinäre Forschung, Digitalisierung der Lehre und Internationalisierung aus deiner Sicht ein Punkt erreicht, an dem Vieles auf einem guten Weg ist?

Katharina Boele-Woelki: In meiner Amtszeit haben wir ein Center for Legal Technology and Data Science gegründet und zudem ein Learning Innovation Lab. Die Kombination aus Recht und künstlicher Intelligenz ist enorm wichtig, um diese Themen nicht nur in der Forschung zu bearbeiten, sondern auch in die Lehre einzubringen. Das ist nicht ganz einfach, weil wir einen gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungskatalog haben, was es schwierig macht, neue Lernhinhalte zu integrieren. Aber wir haben dafür Raum schaffen können. Bei den digitalen Formaten sind wir meines Erachtens gut unterwegs, zum Beispiel mit dem digitalem Fallbuch und dem digitalen Skript. Wir haben zahlreiche digitale Lehrformate etabliert, die wir unbedingt weiterentwickeln wollen. Das konnten wir auch dank der Förderungen durch die Claussen-Simon-Stiftung verwirklichen. Was mich besonders freut, ist, dass mit Unterstützung der Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke zwei unserer langjährigen Mitarbeitenden im Zentrum für juristisches Lernen eine Professur seit Mai 2023 bekleiden dürfen. Sie werden dadurch mehr Zeit haben, noch stärker die digitalen Lehrformate voranzutreiben.

Regina Back: Das ist großartig! Als Mitglied im Kuratorium der Bucerius Law School habe ich dich bei vielen Gelegenheiten in deiner Rolle als Präsidentin erleben können, immer eine erfrischende Nahbarkeit und natürliche Autorität ausstrahlend. Wie hat sich dieser sehr authentische Führungsstil auf die Lehre und den Umgang mit den Studierenden ausgewirkt?

Katharina Boele-Woelki: Ich glaube, dass alles sehr viel leichter geht, wenn man keinen autoritären Führungsstil pflegt. Es wird sehr geschätzt, dass unsere Hierarchien immer flacher werden und wir auf Augenhöhe kommunizieren.

Regina Back: Du bist akademisch stark in den Niederlanden sozialisiert. Hat das im deutschen Hochschulkontext, der von einer anderen Mentalität durchdrungen ist, Irritationen mit sich gebracht?

Katharina Boele-Woelki: Ich glaube, das war problemlos. Kürzlich habe ich ein schönes Kompliment bekommen von einer Abteilungsleiterin. Sie sagte, ich habe sie unheimlich gefördert und sei ihr immer auf Augenhöhe begegnet, auch wenn sie keine Juristin und nicht promoviert sei. Dass ich ihre Expertise und hochprofessionelle Arbeit gesehen habe. Das fand ich sehr schön.

 

Regina Back: Du hast in deinen Amtszeiten als Präsidentin zwei Akkreditierungsverfahren durchleben dürfen. Was nimmst du aus dieser Erfahrung mit?

Katharina Boele-Woelki: Sehr viel. In die erste Akkreditierung bin ich ziemlich blauäugig hineingegangen. Die war zwar gut vorbereitet, aber ich hatte nicht mit der kritischen Distanz der Personen gerechnet, die zum Ortsbesuch kamen. Das war beim zweiten Mal ganz anders, auch die Kommission war anders besetzt. 2018 wurden wir erstmals akkreditiert, für fünf Jahre. Die daraus folgenden sehr strengen Auflagen haben wir glänzend erfüllt. Die zweite Akkreditierung haben wir als Ansporn und Herausforderung zugleich genommen, als Chance, alles nochmals kritisch und sehr genau zu beleuchten. In diesem Sommer war die Sitzung des Wissenschaftsrates, und wir sind erfreulicherweise für zehn weitere Jahre ohne Auflagen akkreditiert worden. Es wurde ferner betont, dass die Notwendigkeit einer erneuten Akkreditierung nicht besteht.

Regina Back: Dazu gratuliere ich von Herzen! Diese Akkreditierungsprozesse, die du begleitet hast, haben auch ganz unerwartete Früchte getragen.

Katharina Boele-Woelki: Ja, zufällig fragte der schweizerische Wissenschaftsrat beim deutschen an, da sie ein ausländisches Mitglied suchten und eine Empfehlung brauchten. Nun bin ich seit Anfang dieses Jahres also Mitglied des schweizerischen Akkreditierungsrats. In diesem Kontext werde ich mich nun auch zukünftig mit Akkreditierungen beschäftigen. Dieses Gremium ist mit 15 Personen international besetzt.

Regina Back: Eine spannende neue Aufgabe, die internationalen Überblick braucht! Wenn wir den Blick da auf das Thema Jurist:innenausbildung richten: Wo steht die Jurist:innenausbildung der Bucerius Law School im deutschen oder auch im internationalen Vergleich?

Katharina Boele-Woelki: Die steht meiner Ansicht nach unheimlich gut da. Wir haben rund 80 Prozent Prädikatsexamen, andere Universitäten liegen zwischen 20 und 25 Prozent. Wir bieten auch einen breiteren Horizont über das Juristische hinaus, zu bestimmten Interessensgebieten und Fremdsprachen können bei uns zusätzlich Zertifikate erworben werden. Was uns sehr wichtig ist: Wir bilden nicht nur exzellente Jurist:innen aus, sondern schaffen Persönlichkeiten. Zu uns kommen junge Menschen, die schon ganz viel mitbringen, daran arbeiten wir dann gemeinsam weiter. Es geht uns darum, wie man Gemeinschaft mitgestaltet und sich in die Zivilgesellschaft einbringt. Das wird auch außerhalb der Bucerius Law School wahrgenommen, unsere Absolvent:innen haben beste Karrierechancen.

 

Regina Back: Welche Herausforderungen bringen dieser ganzheitliche Ansatz und die hohe Exzellenz der Studierenden mit sich?

Katharina Boele-Woelki: Was mich durchaus besorgt, ist der Studiendruck: Es ist zum Beispiel nicht möglich, ein Trimester zu pausieren, weil die Jahrgänge nach Klassen organisiert sind. Wenn jemand aussetzt, dann muss er oder sie in der Regel für ein ganzes Jahr beurlaubt werden. Es gibt immer wieder Studierende, bei denen während des Studiums persönliche Herausforderungen plötzlich präsent werden und Kapazität fordern. Dazu kommen dann die Anforderungen des Studiums. Wenn es in einem Studienjahrgang fünf bis sechs Beurlaubungen gibt, fängt man an, nach den Ursachen zu fragen. Das ist immer eine Kombination von vielem und an unserer kleinen Hochschule haben wir die Leistungen schnell im Blick. Dementsprechend ist unsere Unterstützung auch individuell gestaltet.

Regina Back: Die Pandemie war sicher eine große Belastung. Wir erleben ebenfalls, dass Studierende ihr Studium seit der Pandemie häufiger zwischendurch pausieren müssen.

Katharina Boele-Woelki: Ja, und darauf müssen wir mehr Rücksicht nehmen.

 

Regina Back: Du hast verschiedentlich geäußert, dass Dir der weibliche Nachwuchs sehr wichtig ist, gerade auch im Blick auf Promovierende. Inwiefern spielt das für deine Arbeit eine Rolle?

Katharina Boele-Woelki: Ich hatte ganz klar das Ziel, den Anteil der Professorinnen zu erhöhen, das ist mir aber nicht gelungen.

Regina Back: Woran liegt das?

Katharina Boele-Woelki: Da gibt es verschiedene Gründe bei den einzelnen Berufungsverfahren. Das Thema stand immer im Fokus. Wenn wir uns die Altersstruktur der Kolleginnen und Kollegen ansehen, wird deutlich, dass diejenigen in der Altersgruppe von Ende 50 bis Anfang 60 die Bucerius Law School nicht mehr verlassen werden. Wir können jetzt schon sagen, dass in den Jahren 2028 bis 2030 bis zu sechs Lehrstühle neu besetzt werden müssen. Dass wir darüber hinaus zusätzliche Lehrstühle einrichten können, hängt natürlich von zusätzlicher Finanzierung ab. Unter den Studierenden ist der Anteil der weiblichen Studierenden gewachsen, da haben wir Parität erreicht. Das wird sich natürlich auch in der Zukunft auswirken: Wir werden mehr Doktorandinnen haben, von denen mehr in der Wissenschaft bleiben. Allerdings haben wir ein Hausberufungsverbot, sodass diese an andere Institutionen gehen werden.

Regina Back: In Deutschland liegt der Prozentsatz der hauptamtlichen Professorinnen mittlerweile bei 27 Prozent, das ist eine Steigerung um zwei Prozent innerhalb der letzten drei Jahre. Ein gutes Viertel ist immer noch weit entfernt von Parität. Wenn man auch dieses größere Bild betrachtet – welche Gründe sind es aus deiner Sicht, dass sich das so schwerfällig und langsam ändert?

Katharina Boele-Woelki: Kritisch ist nicht der Moment der Entscheidung für die Promotion, sondern die Phase danach. Es gibt sehr viele interessante Angebote auf dem Rechtsmarkt, und die Wissenschaft ist eben ein unsicherer Weg mit den sechs Jahren Habilitation. Auch danach ist ja nicht sicher, ob man berufen wird. Das kollidiert natürlich alles mit der Phase der Familiengründung. Die Sicherheit und die Planbarkeit fehlen, die man mit einem Partner, mit einer Familie braucht. Dieser ständige Wechsel, von einer Vertretungsprofessur in die nächste in unterschiedlichen Städten – der Lebensmittelpunkt fehlt. Diese Unsicherheit ist die Hauptursache des Problems. Wenn man dann noch einen Partner hat, der in der gleichen Situation ist, auch in der Wissenschaft und in derselben Phase, dann ist es schwierig. Aber es wird mehr Doktorandinnen geben, weil wir mehr Absolventinnen haben, und das ist schon mal eine gute Entwicklung.

 

Regina Back: Ja, man braucht einen langen Atem in dieser Sache – und auch strukturelle Änderungen. Du hast es vorhin schon beschrieben: Sowohl die Bucerius Law School als auch die Claussen-Simon-Stiftung verstehen sich als Wegbegleiterinnen begabter junger Menschen. Wo hast du in den letzten Jahren die Schnittmengen unserer beiden Institutionen gesehen, abgesehen von der langjährigen Förderkooperation?

Katharina Boele-Woelki: Die Persönlichkeitsentwicklung, auf die ihr ebenfalls sehr viel Wert legt. Auch die Exzellenz, die natürlich bereits aus der Person selbst herauskommen muss. Eine Umgebung zu schaffen, damit junge Menschen ihre Potenziale entfalten und weiterentwickeln können, dieses Bestreben verbindet uns. Frauen brauchen da noch mehr Rückhalt. Es geht darum, sie dabei zu unterstützen, mutig zu sein, und zu vermitteln: Du kannst das, du musst das, und du wirst es schaffen.

Regina Back: Gibt es Momente dieses Zusammenwirkens, die dir da in den Sinn kommen?

Katharina Boele-Woelki: Ich fand eure Jubiläumsfeier im Juni 2022 absolut spitze. Das war einzigartig. Ich fühlte mich sehr inspiriert durch die verschiedenen Elemente. Ganz toll, die Kunst zu vermischen mit dem seriösen, interdisziplinären Gespräch. Ein Highlight! Es ist sehr schön, dass du im Kuratorium bist bei uns. Ihr habt gute Ideen, wie Erstakademiker:innen gefördert werden können. Wir haben uns intensiv angesehen, wie ihr das gemacht habt. Ihr seid durchaus eine Inspirationsquelle für uns.

Regina Back: Was denkst du, was Stiftungen häufiger tun sollten? Was wünschst du der Hamburger Wissenschafts- und Stiftungswelt?

Katharina Boele-Woelki: Wir werden ja von der ZEIT-Stiftung maßgeblich gefördert. Diese Garantie, die uns als private Hochschule gegeben wird, ist einzigartig. Ich glaube, dass diese Nachhaltigkeit auch einen großen Beitrag zum Erfolg leistet. Erwähnen möchte ich auch die vielen Stiftungen hier in Hamburg, die wir darüber hinaus in Anspruch nehmen für verschiedene einzelne Projekte. Auch das ist einzigartig, in der Form habe ich das in Deutschland erst in Hamburg erlebt. Das ist eine ganz großartige Ergänzung, auch natürlich für die Universitäten generell, dass man die Möglichkeit hat, etwas Zusätzliches zu tun, etwas anzuschieben, was dann schließlich in den normalen Hochschulbetrieb mit aufgenommen werden kann. Es eröffnet uns die Möglichkeit, die guten Ideen auszuschöpfen. Dass da Stiftungen bereitstehen in Hamburg, ist eine ganz großartige Sache!

 

Regina Back: Zu guter Letzt noch zwei Fragen: Was gibst du deinem Nachfolger, Prof. Dr. Michael Grünberger, als künftigem Präsidenten der Bucerius Law School mit auf den Weg?

Katharina Boele-Woelki: Vielleicht ein wenig Geduld, dass nicht alles sofort verändert werden kann, dass Prozesse langwierig sein können. Aber damit ist er ja wahrscheinlich vertraut. Außerdem wünsche ich dem Kollegen natürlich eine glückliche Hand im Umgang mit den verschiedenen Gruppierungen in der Hochschule. Zuhören und jeden Einzelnen wahrnehmen ist in jedem Fall ein Schlüssel zum Erfolg.

Regina Back: Und wie geht es für dich persönlich weiter nach deiner Emeritierung? Abgesehen von dem Amt, das du in der Schweiz einnehmen wirst?

Katharina Boele-Woelki: Ich bin im Mai vom hessischen Ministerium zum Mitglied des Hochschulrates der Universität Marburg berufen worden. Außerdem habe ich seit zwei Jahren den Vorsitz des Academic Advisory Boards der Universität zu Köln. Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Es geht um verschiedene strategische Entscheidungen, die die Universität diesem Advisory Board vorlegt, zum Beispiel zu Exzellenzclustern in der Exzellenzstrategie. Außerdem bin ich Mitglied einer niederländischen Kommission, die vier Wissenschaftspreise à 1,5 Mio. Euro vergibt. Das sind der Spinoza-Preis und der Stevin-Preis, ich bin da in einer interdisziplinären Jury, und wir vergeben den Preis für Wissenschaft und für Wissenschaftskommunikation in den Humanities und in den Natural Sciences. Das ist ein sehr intensiver Prozess. Im nächsten Jahr werde ich an einer Evaluation der Sozialwissenschaften in Portugal teilnehmen, dafür hat mich das Ministerium dort angefragt. Und ich bin im Haager Kuratorium für Internationales Recht. Ich freue mich darauf, meine Erfahrungen einzubringen in Tätigkeiten, die auch mein persönliches Forschungsgebiet berühren.

Regina Back: Das sind beeindruckende Aktivitäten, die den Horizont noch mal erweitern und viel Abwechslung und Inspiration versprechen!

Katharina Boele-Woelki: Ich möchte auch weiterhin Zeit haben, an Konferenzen teilzunehmen und flexibel Aufgaben wahrnehmen zu können. Und dann habe ich ja auch noch sechs Enkelkinder!

Regina Back: Das ist der schönste Schlusspunkt, den man setzen kann. Vielen Dank für das spannende Gespräch, liebe Katharina! Ich wünsche dir alles erdenklich Gute für das nächste Kapitel!

 


 

Über Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Katharina Boele-Woelki

Katharina Boele-Woelki, geboren 1956, ist seit dem 1. Oktober 2015 Präsidentin der Bucerius Law School und Claussen-Simon-Stiftungsprofessorin für Rechtsvergleichung. Sie studierte Rechtswissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen und der Freien Universität Berlin, dort wurde sie 1982 auch promoviert. Seit 1982 lehrte und forschte Boele-Woelki in den Niederlanden, seit 1990 an der juristischen Fakultät der Universität Utrecht. Dort hatte sie seit 1995 die Position als Professorin für Internationales Privatrecht, Rechtsvergleichung und Familienrecht inne. Neben ihrer Lehrtätigkeit leitete und betreute sie viele Forschungsprogramme und Promotionen und stand dem Fachbereich Privatrecht der Fakultät zwischen 1995 und 2012 drei Mal für jeweils zwei Jahre vor.

Sie war und ist Mitglied zahlreicher internationaler Akademien und wissenschaftlicher Institutionen. Im Jahr 2007 gründete sie das Utrecht Centre for European Research into Family Law (UCERF). Seit 2001 ist Boele-Woelki Vorsitzende der Commission on European Family Law, die auf ihre Initiative hin gegründet wurde.

Boele-Woelki ist Mitherausgeberin verschiedener internationaler Fachzeitschriften und seit 2003 eine der Herausgeber:innen der European Family Law Series. Sie hat renommierte internationale Konferenzen organisiert, hält Gastvorlesungen an verschiedenen Universitäten weltweit, war Gastprofessorin an der Columbia University, New York/USA, und Berichterstatterin, Referentin, Sachverständige und Podiumsteilnehmerin auf vielen internationalen Konferenzen.

Für ihre Forschung und ihre wissenschaftliche Tätigkeit wurden Boele-Woelki Ehrendoktorwürden und Preise verliehen. Seit Februar 2017 ist Boele-Woelki Honorarprofessorin der Universität Stellenbosch, Südafrika.

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