#waszählt! #Wissenschaft in Zeiten von Corona

Innehalten: Was sind die Leitfragen für unsere Zukunft?

Simon Strobelt, Stipendiat bei Dissertation Plus

Als interdisziplinärer Umweltforscher, der sich sowohl aus einer theoretisch-konzeptionellen als auch einer praktischen Perspektive heraus mit den facettenreichen Wechselwirkungen von Mensch und Naturraum auseinandersetzt, sehe ich neben all den desaströsen Auswirkungen der weltweiten COVID-19-Pandemie auch eine historische Chance, als globale Gemeinschaft für einen Moment innezuhalten und bisher eingeschlagene Entwicklungspfade kritisch zu evaluieren. Auf Grundlage dieser Analyse könnten wir zentrale Leitfragen für die Zukunft entwickeln. Diese könnten lauten: Wie sieht eine resilientere, solidarischere und an sozioökologischen Nachhaltigkeitskriterien ausgerichtete Gesellschaft aus? Wie können wir im Rahmen einer Postwachstumsökonomie auch weiterhin sozioökonomischen Wohlstand generieren, ohne die Zukunft unserer Folgegenerationen massiv zu belasten? Wie schaffen wir es, globale Disparitäten nachhaltig abzubauen und somit zu einer Stabilisierung der globalen Sicherheitsarchitektur beizutragen? Wie schaffen wir es als Zivilgesellschaft, den weltweit erstarkenden postfaktischen, antidemokratischen und gemeinwohlzersetzenden Tendenzen entschlossen entgegenzutreten? Sicherlich – diese Fragen sind dann doch nicht ganz neu, allerdings eröffnen die momentanen Umstände einen besonderen Gestaltungsspielraum, als Gesamtgesellschaft endlich einen nachhaltigeren und gemeinwohlorientierteren Weg einzuschlagen.

Um dieses Ziel zu realisieren, bedarf es jedoch einer wesentlich selbstbewussteren Wissenschaft, die sich zukünftig nicht davor scheut, unbequeme Positionen einzunehmen und noch wesentlich stärker als Triebfeder und Multiplikator nachhaltigen Handelns öffentlich in Erscheinung zu treten. Dies ist notwendig, um den gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozess sowohl auf zivilgesellschaftlicher als auch auf parlamentarischer Ebene maßgeblich dahingehend zu beeinflussen, verantwortungsvolle Zukunftsentscheidungen unter dem Leitbild einer „grünen“ Entwicklung zu treffen. 

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