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„Na ja, ich hatte einen Schuhkarton vor mir liegen, und die Ideen platzten aus meinem Kopf raus.“ – Kunstpioniere 2021

Judith Weber, Kunstlehrerin

Die Rudolf-Roß-Grundschule hat in diesem Schuljahr das dritte Mal an dem einzigartigen Projekt der Kunstpioniere teilnehmen dürfen und selbst in dieser besonderen Zeit nahezu alle Inhalte realisieren können. Die Vorarbeit und Planung nahmen etwas mehr Raum ein – einige Besonderheiten („Herausforderungen“) mussten berücksichtigt werden.

Zum Schuljahresbeginn stand fest:

•    Kooperation mit dem Kunsthaus Hamburg (unter der Leitung von Katja Schroeder)
•    Thema der Ausstellung: [.] weiter machen, Jahresausstellung des Berufsverbands bildender Künstler:innen Hamburg BBK (im Frühjahr 2021) 
•    Unterstützung durch Clara Umbach (Künstlerin)

Weitere Bestandteile wurden fortwährend entwickelt und den Bedingungen: Präsenzunterricht – Online-Unterricht – Wechselunterricht – Kohorten – weitere Corona-Maßnahmen – usw. flexibel angepasst.

Zu Beginn des Projektes (noch im Online-Unterricht) konnten sich Schüler:innen aus zwei dritten Klassen für das Projekt bewerben – die Anzahl der Plätze war schließlich aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen begrenzt:

„Hallo Frau Weber, ich hätte Lust bei dem Projekt ,,Kunstpioniere" mitzumachen. Der Grund dafür ist: Ich mag es, meiner Fantasie freien Lauf zu lassen und das zu malen, auf das man gerade Lust hat. (...) Noch ein Grund ist, dass ich das Motto (weiter machen) sehr gut finde. Ich finde nämlich, man sollte nicht aufgeben, sondern WEITER MACHEN. Ich persönlich finde Kunst und ihre Künstler sehr spannend. Oft hat Kunst auch ihre Geschichte. Darum würde ich mich freuen mitzumachen.“ (Bewerbung einer Kunstpionierin, 3c)

Nach den Märzferien war es dann soweit – unser Kunstpioniere-Projekt begann, und passenderweise durften die Grundschüler:innen im Wechselunterricht wieder in die Schule kommen!

Nachdem die Jahresausstellung um einen Monat verschoben werden musste, besuchten wir (ich und drei Kunstpioniere) am Tag vor der Eröffnung das Kunsthaus Hamburg – quasi als Auftakt für unser Projekt und als Ersatz für eine Pressekonferenz. Der gemeinsame Ausstellungsbesuch, den wir als Schulveranstaltung machen durften (das Kunsthaus war zu diesem Zeitpunkt aufgrund des Lockdowns für den Publikumsverkehr geschlossen), empfanden wir als etwas sehr Besonderes. 
Auf dem Weg dorthin (2,5 km zu Fuß durch die Stadt) wurden wir von vielen Menschen bestaunt und hinter Masken angelächelt („Das ist so lange her, dass ich das letzte Mal eine Klasse unterwegs gesehen habe.......“).

Im Kunsthaus bekamen die Kinder von Katja Schroeder (Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin des Kunsthauses Hamburg) eine sehr exklusive Führung mit vielen interessanten Informationen zu den ausstellenden Künstler:innen und deren Kunstwerken. Zum Schluss wählten die Kinder ein Werk aus, von dem sie sich am meisten angesprochen fühlten. Das Corona-Kuschel lag hier ganz weit vorne:

„Das Corona-Kuschel, weil die Künstlerin da richtig viel Arbeit reingesteckt hat für so ein Kunstwerk. Und ich finde, es war sehr weich.“ „Der Corona-Kuschel – weil ich es toll fand, dass man ihn anfassen durfte.“

„Mir hat das Welttheater von Ursula Steuler gut gefallen, weil es so bunt war, und ich fand es beeindruckend, dass sie jeden Tag einen Faden angeknotet hat und dass ihr nicht die Lust vergangen ist.“ (Kunstpioniere, 3c & 3d)

Inspiriert durch die Ausstellung und das Thema [.]weiter machen ging es in der Woche nach Ostern an die praktische Auseinandersetzung. Täglich (und „schnellgetestet“) trafen wir uns mit der Künstlerin Clara Umbach in unserer Pappwerkstatt. Wir starteten immer mit einer gemeinsamen Übung (in Anlehnung an ausgewählte Kunstwerke der Ausstellung), und anschließend ließen wir die Kinder an ihren eigenen Projekten weiter machen. Dabei setzten sie sich intensiv und kreativ mit ihren Fragen und Themen auseinander, wie zum Beispiel:

•    Wo kommt Corona her? 
•    Welche Auswirkungen hat Corona auf mich und meine Umwelt? 
•    Wie stelle ich mir Corona vor? 
•    Wer ist von Corona wie betroffen?
•    .......

In dieser „erweiterten Projektwoche“ entstanden nicht nur wertvolle Kunstwerke – es fand auch ein reger Austausch über alles Mögliche statt. Am Ende der Woche konnte sogar Teresa Hoffmann (eine der ausstellenden Künstlerinnen und ehemalige Stipendiatin der Claussen-Simon-Stiftung bei stART.up) als Gast an unserer Schule sein. Sie führte in der Turnhalle die Kinder in die Kunstform des Somatischen Bauens ein, und aus Alltags-Dingen entwickelten sich fantastische Kunstwerke. 

„Ich fand es gut, dass Clara immer dabei war und dass sie uns geholfen hat, aus unseren Ideen Kunstwerke zu machen.“ „Ich finde es eine tolle Idee, eine erfahrene Künstlerin dabei zu haben, die sich gut damit auskennt und weiß, wie man etwas machen soll und ob man das in der Zeit überhaupt schafft.“ (Kunstpionierinnen, 3c/d über Clara Umbach)

Die geplante Blitzausstellung war leider nicht zu realisieren, da das Kunsthaus weiterhin geschlossen war.

Als Ersatz gab es eine kleine Online-Ausstellung sowie eine Ausstellung in der Schule. Für diese bespielten wir kleine Minirekorder, die – platziert bei den Kunstwerken – den Besucher:innen allerlei Informationen zu unserem Kunstpioniere-Projekt gaben.

Wir hatten wirklich großes Glück bei der Durchführung unseres Projektes – insbesondere, weil wir alles unter den gegebenen Bedingungen optimal umsetzen konnten. Zu Beginn der Planung (Anfang des Schuljahres) war überhaupt nicht abzusehen, wie das Projekt gestaltet werden kann und unter welchen Bedingungen es stattfinden wird. Corona ist schließlich weiterhin da und beeinflusst nicht nur Schule und Unterricht, auch viele andere Lebensbereiche sind betroffen. Für die Schüler:innen war es eine tolle Erfahrung und auch willkommene Abwechslung, sich intensiv und kreativ mit bestimmten Themen (auch coronaunabhängig) auseinanderzusetzen. 

Die Künstlerin Clara Umbach zog dieses Fazit: „Es ist spürbar, dass die Kinder durch das vergangene Pandemiejahr eine größere Vorsicht im Umgang miteinander und im Zugehen auf ein Thema haben. Besonders vor diesem Hintergrund war es sehr wertvoll für die Kinder, den freien künstlerischen Gestaltungsraum, den das Projekt Kunstpioniere bietet, zu haben. Die Kinder haben außergewöhnlich selbstständig gearbeitet, sprudelten vor eigenen Ideen und schafften es auch bis zur Fertigstellung, an diesen dran zu bleiben. Dass jedes Kind dabei seinen/ihren eigenen Zugang zum Thema finden konnte und, diesen als Startpunkt nehmend, eigene Ideen umsetzte, war besonders sinnvoll und schön. Attraktionen wie der Ausstellungsbesuch, die Zusammenarbeit mit der Künstlerin Teresa Hoffmann und nicht zuletzt die kreative Arbeit im Kunstraum machen das Projekt Kunstpioniere so einzigartig. In diesem Jahr ganz besonders.“

Einen riesigen Dank an die Claussen-Simon-Stiftung, die das Projekt der Kunstpioniere seit Jahren fördert. 

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