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#Bildung #Kinder #Schule #Schule in Zeiten von Corona #Sprache #Vermittlung

Digitaler Schreibworkshop in der Grundschule am Reinbeker Redder – eine Kinderbuchautorin zu Gast

Ina Schmeil-Jaeckel, Sonderschullehrerin

Kein Mensch ist eine Insel – nach langen Wochen im Fernunterricht und des Verzichts auf Schulveranstaltungen, gemeinsamen Unterricht vor Ort und Klassenfahrten in den Wintermonaten 2020/2021 brauchten wir ganz dringend ein kreatives gemeinschaftliches Projekt. Die Absage der alljährlichen Autor:innenlesungen an unserer Schule brachte uns auf die Idee, eine Autorin einfach digital zu uns in die Grundschule des ReBBZ Bergedorf am Reinbeker Redder einzuladen. Einfach … das bedeutete, einen tragfähigen Plan zu entwickeln, eine engagierte Autorin und vor allem eine Finanzierung für unsere Veranstaltung zu finden. Zeitlich genau richtig wurde im Frühjahr 2021 der Claussen-Simon-Fonds für Bildung & Schule unter dem Motto „Vernetzt ins neue Jetzt!“ ausgeschrieben, und zu unserer großen Freude erhielten wir die Zusage der benötigten Fördermittel. 

Wir planten einen mehrphasigen digitalen Schreibworkshop mit einer Kinderbuchautorin. Alle Klassen und Schüler:innen sollten miteinander in Kontakt gebracht, der kreative Austausch angeregt und die Nutzung der digitalen Medien zur Kreativität und zur Kommunikation gefördert werden. 

Nach einigen Wochen der Vorbereitung war es dann am 22. November 2021 endlich soweit! In der 90-minütigen Auftaktveranstaltung besuchten alle Klassen per ZOOM-Konferenz die interaktive Lesung mit der Kinderbuchautorin und Illustratorin Julia Neuhaus. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Trickfilmer und Autoren Till Penzek, hat Julia Neuhaus eine Reihe fantasievoller Kinderbücher gestaltet, die das analoge Buch mit digitalen Elementen verbindet. Getrennt nach Klassenstufen beschäftigten sich alle Schüler:innen zunächst mit jeweils einem ihrer Bücher, das digital aufbereitet und durch bewegliche Elemente teilanimiert ist.

Die älteren Schüler:innen der 3. und 4. Klassen tauchten virtuell in „Floras Dschungel“ ein und erlebten mit dem Mädchen Flora einige Abenteuer im dichten Urwald. Doch plötzlich ist der Urwald verschwunden. War alles nur ein Traum? Zu Hause von ihrem Balkon aus schaut Flora nur auf graue Mauern. Also überlegten die Schüler:innen gemeinsam, wie die triste Wohnsiedlung der kleinen Flora grüner werden könnte. Die Kinder wurden dazu angeregt, auch über ihre eigene Wohnumgebung und die Gestaltung des Schulgebäudes nachzudenken.

Die jüngeren Kinder der Vorschule und der Klassen 1 und 2 besuchten virtuell den Zoo. In „Die Affenagentur: Tauschtag im Tierpark“ sind die Tiere gelangweilt und beschließen, untereinander ihre Beschäftigung zu tauschen. Der kleine Affe gründet die Affenagentur, um allen die passende Aufgabe zu vermitteln. Eine Weile haben alle Tiere viel Spaß daran, doch irgendwann bleiben morgens alle Gehege leer. Die Kinder dachten sich begeistert weitere Tauschmöglichkeiten aus und stellten gemeinsam Vermutungen an, warum die Tiere nicht glücklich mit ihrem neuen Leben sind.

Zum Ende der gemeinschaftlichen Leseerlebnisse durften die Kinder selber zu Autor:innen werden: Julia Neuhaus stellte exemplarisch ein Bild aus ihrem Buch „Was ist denn hier passiert?“ vor, einer Sammlung von insgesamt zwölf Bildern, die jeweils eine überaus skurrile Situation zeigen. Gemeinsam überlegten nun alle, wie es dazu gekommen sein könnte, dass aus dem Kreuzfahrtschiff ein großes Stück herausgebissen wurde. Bis zum nächsten digitalen Treffen stand die eigene Textarbeit im Mittelpunkt: Während der zweiwöchigen Schreibzeit, in der in den Klassen zu verschiedenen Bildern aus dem Buch gearbeitet wurde, schrieben, dichteten und zeichneten die Schüler:innen. Es entstanden kreative, fantastische, witzige Texte und Bilder. Als digitale Arbeitsfläche und zur Kommunikation wurden die Texte in einem Padlet, einer digitalen Pinnwand, für die jeweilige Altersstufe und für alle einsehbar gesammelt. Die Autorin beteiligte sich aktiv an dem Schreibprozess: Sie las die Texte, gab jedem Kind eine persönliche Rückmeldung und auch Tipps zum Weiterschreiben, stellte Fragen und vermittelte allen so neben schriftstellerischen Kompetenzen ihre Wertschätzung. Täglich schauten die Schüler:innen gespannt auf die Kommentarfunktion im Padlet und freuten sich über eine Nachricht von Julia Neuhaus. 

Die Kinder nutzten das Padlet außerdem sehr engagiert, um Fragen an die Autorin zu stellen: zum Schreiben, zur Entstehung eines Buchs, zu ihrem Beruf… Die Liste war lang und zeigte, wie groß das Interesse an dem Thema war, das durch die digitale Begegnung spürbar verstärkt worden war. 

Am 8. Dezember 2021 fand dann die Abschlussveranstaltung statt: Im Mittelpunkt standen zunächst die zahlreichen Fragen aus den Klassen an Julia Neuhaus. Sie gab den Kindern einen anschaulichen Einblick in ihre Arbeit. Vor allem interessierte alle: Wie wird ein Buch gemacht? Dazu hatte Till Penzek die unterschiedlichen Phasen fotografiert – von der ersten Idee bis zum gedruckten Buch im Regal der Buchhandlung: Grobe Skizzen werden zum Storyboard zusammengefügt, das am Küchenschrank angeheftet wird. Der Text kommt hinzu. Erste Figuren und Objekte entstehen am Computer, werden dort verschoben, geschnitten und neu zusammengefügt. Aus vielen Einzelbildern entstehen nach und nach die Bilder des Buchs und der dazu passende Text. An mächtigen Druckmaschinen in einer großen Halle werden die Bögen gedruckt, dann geschnitten, zum Buch gebunden. Beeindruckt beobachteten die Schüler:innen, wie viele Stationen nötig sind, um ein Buch zu fertigen und wie viele Menschen daran arbeiten. Gleichzeitig konnten sich alle nun viel besser vorstellen, warum Julia Neuhaus so viel Spaß an ihrem Beruf hat und wie sie die guten Ideen für ihre Geschichten bekommt. 

Um die Ideen der Kinder zu den zwölf Bildern aus „Was ist denn hier passiert?“ ging es anschließend. Zunächst nahmen alle gemeinsam die Spekulationen wieder auf, die zu Beginn des Workshops zu einem der rätselhaften Bilder angestellt worden waren: Wer hat in das Schiff gebissen?! Zu der Frage gab es auch einige Texte von Schüler:innen mit verschiedenen Erklärungsversuchen, die Julia Neuhaus vorlas. Die Antwort gab die Autorin schließlich zur großen Begeisterung in Form eines Trickfilms, und alle beobachteten staunend, was ihrer Vorstellung nach passiert gewesen war. Eine riesige Seeschlange hatte tatsächlich ein Stück herausgebissen und sich dann zu einer Insel eingerollt.

In dem Bilderbuch „Was ist denn hier passiert?“ ist jedes Bild mit einem QR-Code versehen, mit dem man den jeweiligen Trickfilm dazu abspielen kann. Gemeinsam sahen alle Kinder gebannt zu, warum beispielsweise die Dame mit Hund in ihrem rosa Cabriolet durch die Luft segelt. Das hatte niemand erwartet! Natürlich wollten alle Kinder auch die anderen Trickfilme sehen und endlich erfahren, was denn jeweils tatsächlich passiert ist. Nach Abschluss des Workshops wanderte daher das Buch durch alle Klassen zum Trickfilmschauen. Die fantasiereichen Ideen gaben viel Anlass zum gemeinsamen Lachen, zum Austauschen und zum Weiterspinnen der Geschichten: So ist der Mann im Mond für Reparaturen im Weltall zuständig. Er saust im Raumanzug an einem langen Kabel durchs All und landet auch auf der Erde, wenn dort ein Vulkan abgedichtet werden muss. Und alle Wale transportieren in ihrem Bauch Passagier:innen durch die Meere. Sie haben dafür perfekt eingerichtete Kabinen und spucken ihre Fahrgäste sanft an den Strand…

Mit großer Vorfreude blicken wir auf einen weiteren Workshop mit Julia Neuhaus voraussichtlich im Mai 2022! Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung durch die Claussen-Simon-Stiftung!

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