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#waszählt! #homeoffice #Schule in Zeiten von Corona

Schulunterricht in Zeiten von Corona

Andreas Terfloth, Lehrer am Charlotte-Paulsen-Gymnasium, Träger des Preises für Mentorship

Eigentlich sollte ich letzte Woche meine letzte Stunde mit meinen SchülerInnen aus der 12. Klasse haben, und eigentlich sollte auch das Buchvorstellungsprojekt meiner neunten Klasse starten. Eigentlich, denn in Zeiten von Corona ist alles anders.

„Sie haben ja zurzeit nichts zu tun“, meinte kürzlich jemand zu mir. Die Wahrheit sieht anders aus, da Onlineunterricht mindestens so zeitintensiv ist wie der „normale“ Unterricht. Während ich unter regulären Bedingungen eine Hausaufgabe im Plenum vorstellen lassen kann, lese ich jetzt die Ausarbeitungen aller SchülerInnen und gebe individuell Rückmeldung, telefoniere mit meinen Abiturienten und erstelle digitale Lernlandschaften.
Letzteres funktioniert erstaunlich gut. Die Digitalisierung an den Schulen lief ja eh bereits an, die Corona-Krise wirkt da als Beschleuniger. Es gibt jede Menge Angebote der Lernplattformen, neue Programme und Formate werden ausprobiert, Videokommunikation eingesetzt, Videos bei YouTube hochgeladen, Präsentationen hin- und hergeschickt etc. 

Hier erleben wir einen Quantensprung, von dem die SchülerInnen auch nach dem Ende der Krise profitieren werden. Einige Angebote von Kollegen/-innen sind besonders kreativ. Mein Highlight ist die Late-Night-Show der Hamburger Stadtteilschule Alter Teichweg. Probleme gibt es natürlich auch. Vor allem für jüngere SchülerInnen ist es schwer, sich selbst zu organisieren, und nicht immer sind alle Aufgaben perfekt aufeinander abgestimmt, aber jeder gibt sein Bestes.

Manchmal kommen bei SchülerInnen noch besondere Belastungen hinzu. Gleich zwei Mails mit Berichten über Erkrankungen und Schicksalsschläge in der Familie haben mich diese Woche erreicht. Da gilt es dann flexibel zu sein, um die Schüler/-innen zu unterstützen.

Überhaupt fehlt der persönliche Kontakt zu den Schülern/-innen, was ja mit das Schönste am Lehrersein ist. Meine Verabschiedung von der 12. Klasse werde ich als Podcast aufnehmen, was aber kein wirklicher Ersatz ist. Ich denke, alle werden froh sein, wenn wieder Normalität einkehrt, die positiven Impulse der Digitalisierung werden wir dann mitnehmen. Leider weiß noch niemand, wann das sein wird. 

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