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#waszählt! #Schule in Zeiten von Corona #Bildung

Schulen auf dem Weg ins neue Schuljahr

Sarah-Isabel Conrad, Bereichsleitung Kommunikation Claussen-Simon-Stiftung

Als Schulen und Hochschulen im Frühjahr ihren Präsenzbetrieb einstellen mussten, stellte sich nicht das Gefühl der Entschleunigung ein, sondern eher das einer Vollbremsung. Und dieses bedeutete das Gegenteil von Stillstand, denn ad hoc mussten Lösungen gefunden werden, um den Unterricht und die universitäre Lehre digital zu gestalten. Nun startet das neue Schuljahr, und das Wintersemester beginnt in wenigen Wochen. Bei allen in den letzten Monaten gewonnenen digitalen Lehr- und Lernerfahrungen und dem teilweisen Ausbau der technischen Infrastruktur: Die Herausforderungen des Frühjahrs werden Lernende und Lehrende auch in der nächsten Zeit begleiten.

Die Claussen-Simon-Stiftung hat Mitte März unmittelbar nach dem Lockdown den „Was zählt!“-Fonds für Lehre und Lernen in Hamburg mit insgesamt 300.000 Euro aufgelegt – aufgestockt um weitere 100.000 Euro von der Hans Weisser Stiftung und damit der Möglichkeit, auch außerschulische Bildungsträger fördern zu können. Einige unserer Förderprogramme konnten in der üblichen Form angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie erst einmal nicht mehr durchgeführt werden, und uns war klar, dass die Not und der Handlungsdruck angesichts der kompletten Umstellung auf Fernlehre und Homeschooling in den Bildungseinrichtungen immens waren. Eine der großen, sofort evident werdenden Herausforderungen war – insbesondere in vielen Schulen – das Fehlen der notwendigen technischen Ausstattung, vor Ort in den Schulen oder bei den Kindern und Jugendlichen zuhause. Gleichzeitig die mangelnde Routine und wenig Erfahrung im Umgang mit etablierten Online-Formaten und Lerntools und ihrer Integration in ein Unterrichtskonzept. Daran hat sich einiges geändert, aber weiterhin stellt die Erreichbarkeit von Schülerinnen und Schülern für das Homeschooling vielerorts ein Hemmnis dar – ein neuralgischer Punkt hinsichtlich Chancengleichheit und weiterhin eine der großen Herausforderungen. Bereits wenige Tage nach Beginn des neuen Schuljahres mussten einige Schulen wieder ganz oder teilweise schließen. Geschätzt rund 20 Prozent der Lehrkräfte können aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Risikogruppe nicht für die Präsenzlehre eingesetzt werden. Ohne Fernunterricht wird es also auch jetzt nicht gehen. Ging es zunächst um die reine Aufrechterhaltung von Unterricht, rückt jetzt die Neugestaltung und Flexibilität im Unterrichtsangebot stärker in den Fokus. Die Ausstattung mit technischen Endgeräten ist dafür wichtig. Allein bei uns gingen mehr als 100 Anträge von Hamburger Schulen ein, und mehr als 550 Laptops und Tablets sowie Softwarelizenzen für ihre Schülerinnen und Schüler konnten daraufhin aus den Mitteln des Fonds angeschafft werden.

Nun geht es darum, die ganze Breite des Bildungsangebots – ob digital oder optimalerweise im gemeinschaftlichen Präsenzunterricht – wieder abzubilden; denn die Gefahr, dass unauffüllbare Leerstellen in der ganzheitlichen Bildung und dem sozialen Miteinander entstehen, wird mit der Zeit immer größer. Einige Fächer, die nicht zu den Kernfächern zählen, fanden im abgelaufenen Schuljahr kaum oder gar nicht mehr statt, die fächer- und jahrgangsübergreifende Projektarbeit wird auch weiterhin auf ein Mindestmaß zurückgefahren oder bis auf Weiteres eingestellt. „Unser universaler Bildungsbegriff umfasst viel mehr als die Kernfächer Mathe, Deutsch und Englisch, damit bildet er das Rückgrat unserer Gesellschaft. Wir müssen unseren Teil dazu beitragen, dieses Verständnis von Persönlichkeitsbildung in der Schule auch in der jetzigen Situation nicht aus den Augen zu verlieren“, beschreibt Schulleiter Dirk Voss von der Geschwister-Scholl-Stadtteilschule in Hamburg den erweiterten Bildungsauftrag – eine besondere Herausforderung, dem auch unter Corona-Bedingungen gerecht zu werden.

Mit den punktuellen Förderungen, die Nothilfemaßnahmen wie unser „Was zählt!“-Fonds für Lehre und Lernen leisten können, haben die Schulen und Lehrkräfte nicht nur finanzielle Unterstützung unbürokratisch und kurzfristig erhalten. Diese Form der Stiftungsarbeit bedeutet sicher auch eine moralisch-mentale Bestätigung für das Engagement der Lehrkräfte, die ihre Ideen schnell in die Tat umsetzen konnten und so in ihrer Motivation, kreative Lösungen zu finden, bestärkt wurden. Das außerordentliche Engagement, der Ideenreichtum und die Tatkraft vieler Lehrkräfte waren beeindruckend, das haben wir im Verlauf der zahlreichen neu eingegangenen Förderkooperationen erleben können. Diese Haltung gilt es auch weiterhin aufrechtzuerhalten: Nicht den Mut zu verlieren angesichts der andauernden Unwägbarkeiten der Pandemie.

 

Der Beitrag erschien vor kurzem auch auf dem Blog des Bundesverbands deutscher Stiftungen.

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