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#Kinder #Schule #Schule in Zeiten von Corona #trotzdemengagiert #waszählt!

Unterricht live nach Hause streamen

Tim Doliesen, Gymnasium Ohlstedt, MINT-Koordinator

Wie können wir es an unserer Schule sicherstellen, dass wir unsere Schüler:innen auch bei Wechselunterricht oder im Fall, dass halbe oder gar ganze Klassen in Quarantäne müssen, zuhause erreichen? Diese Frage trieb uns am Gymnasium Ohlstedt von Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 an um. Wir wollten für alle Lehrkräfte an unserer Schule die Möglichkeit schaffen, ihre Klassen von der Schule aus gemeinsam durch Streamen aus dem Klassenzimmer zu unterrichten. Ein Projekt voller technischer, datenschutzrechtlicher und didaktischer Herausforderungen, das wir gemeinsam – Kollegium, Schüler:innen und Eltern – erfolgreich gemeistert haben.

Wir versuchten von Seiten der Schule vieles, damit die Kinder trotz der widrigen Umstände möglichst gut lernen können, aber auch die soziale Kontakte untereinander nicht zu kurz kommen. Seit dem ersten Lockdown hat unsere Schule deshalb die Plattform MS Teams nahezu flächendeckend für die Kommunikation mit den Schüler:innen eingesetzt. Dort wurden nicht nur Materialien und Aufgaben bereitgestellt, sondern auch zahlreiche Videokonferenzen abgehalten, um einen möglichst guten Unterricht mit persönlichem Austausch zu ermöglichen. 

Als die Schulen wieder für hybriden Unterricht mit halber Klassenstärke in Präsenz geöffnet wurden, haben einzelne Lehrer:innen damit experimentiert, die daheimgebliebene Hälfte der jeweiligen Kurse per Video zum normalen Unterricht in der Schule hinzuzuschalten. In dieser Phase haben wir viele Erfahrungen einerseits im Hinblick auf die dafür notwendige technische Ausstattung gesammelt, andererseits wurde schnell klar, welch positiven Einfluss dieser Unterricht für das Gemeinschaftsgefühl der Schüler:innen wie auch auf die kontinuierliche Vermittlung des Lernstoffs hatte. Eltern und Schüler:innen sahen diese Versuche durchweg positiv und zeigten volle Unterstützung und Akzeptanz der dazu notwendigen Regeln, zum Beispiel hinsichtlich des Datenschutzes. Das Besondere bei diesen Videokonferenzen ist aus rechtlicher Sicht, dass die Kinder im Klassenraum zwar nicht gefilmt, aber ihr Stimmen die ganze Zeit übertragen werden. Von zuhause aus hat jedes Kind die Möglichkeit, neben der Videoübertragung auch das Mikrofon stumm zu schalten, aber im Klassenraum ging das natürlich nicht. Denn um ein möglichst normales Unterrichtsgespräch führen zu können, wurde ein Raummikrofon im Klassenraum verwendet, welches alle Beiträge von der Schüler:innen und der Lehrkraft aus dem Klassenraum in guter Qualität nach Hause übertragen hat.

Abgesehen von Raummikrofonen und Dokumentenkameras, um Arbeitsergebnisse, Buchseiten, Plakate oder Ähnliches schnell und einfach allen beteiligten Kindern zeigen zu können, verfügten wir bereits über das weitere notwenige technische Equipment: Digitale Tafeln, Lehrercomputer, ein kabelgebundener Internetanschluss in allen sowie WLAN in den meisten Klassenräumen und mit MS Teams eine leistungsfähige und ausfallsichere Kommunikationsplattform, die auch zahlreiche parallele Videokonferenzen ermöglicht. Für die Nutzung von Teams wurden die Kinder vor allem in den unteren Jahrgängen umfangreich geschult, und das Kollegium bekam bei Bedarf laufend Unterstützung durch fachlich versierte Eltern. Durch die Unterstützung der Claussen-Simon-Stiftung aus dem „Was zählt!“-Fonds für Lehre und Lernen konnten außerdem zwanzig weitere mobile Sets aus Dokumentenkamera und Raummikrofon angeschafft werden, die unkompliziert ausgeliehen und an die Schulcomputer angeschlossen werden konnten. Auf einer eigens zur Digitalisierung im November durchgeführten Ganztageskonferenz wurden das Kollegium für ihren Einsatz fortgebildet, sodass diese Sets dann gleich in breiter Fläche genutzt werden konnten und eine große Stütze unserer täglichen Arbeit wurden.

Unsere Erfahrungen zur Umsetzung und zu den positiven Effekte hinsichtlich Gemeinschaftsgefühls durch diese Art des gemeinsamen Unterrichts habe ich zusammen mit Bildungsbeteiligten aus ganz Deutschland bereits im Sommer 2020 beim Hackathon „Wir für Schule“ unter dem Titel „Klassengemeinschaft in Distanz – gemeinsam Lernen trotz Abstand“ geteilt (siehe Projektseite / siehe Skript-Prototyp / siehe Youtube-Video). 

Nach den Sommerferien fand erstmals wieder Unterricht für alle in Präsenz statt, jedoch fehlten auch nun immer wieder viele Kinder aufgrund der strengeren Regeln in Bezug auf Erkältungssymptome oder wegen Quarantäne. Deshalb haben wir diese Praxis, daheimgebliebene Schüler:innen in den laufenden Präsenz-Unterricht zu integrieren, fortgesetzt. Dies wurde von den betroffenen Kindern und deren Eltern begeistert aufgenommen, die nun weder vom Klassenverband noch vom gemeinsamen Lernen ausgeschlossen waren.

Im Kollegium haben wir diese Form des Unterrichts immer wieder diskutiert. Einerseits verfügten die wenigsten über umfassende Erfahrungen, die dafür benötigte Technik effektiv und produktiv einzusetzen. Andererseits gab (und gibt) es natürlich auch rechtliche Bedenken. Diese konnten wir dank entsprechender Einverständnisformulare, worin Kinder und Eltern sich verpflichten, keinerlei Aufzeichnungen des Unterrichts zu machen, sowie eigens produzierte Youtube-Erklärvideos zum technischen Setting ausräumen.

Als dann im Dezember wieder der vollständige schulische Lockdown kam, haben viele Kolleg:innen sich diese Sets für den Einsatz zuhause ausgeliehen; wir waren sofort arbeitsfähig und konnten für alle einen hochwertigen gemeinsamen Unterricht anbieten.

Dank all dieser Initiativen, der Offenheit und des großen Einsatzes der Lehrkräfte, der Schüler:innen und Eltern und dank des kontinuierlichen regen Austauschs per Videokonferenz ist es uns am Gymnasium Ohlstedt gelungen, den Unterricht in dieser herausfordernden, schwer planbaren Zeit fast dem normalen Stundenplan entsprechend fortzuführen und die Schulgemeinschaft auch in der Zeit des Distanzlernens zusammenzuhalten.

YouTube-Video

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