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#waszählt! #Kultur in Zeiten von Corona #Schule in Zeiten von Corona #Kunst

Kunstpioniere trotzen Corona: Digitale 3D Ausstellung

Judith Schwalfenberg, Behörde für Schule und Berufsbildung, Leitung KUNSTPIONIERE

KUNSTPIONIERE ist ein innovatives Kooperationsprojekt zwischen Schulen und Kunstmuseen in Hamburg. Es ermöglicht zahlreichen Kindern und Jugendlichen aller Schulformen und Jahrgangsstufen seit 2015 eine forschende und kreative Auseinandersetzung mit aktueller Kunst, indem zeitgenössische Kunst von ausstellenden Künstlern/-innen und die künstlerische Produktion von Schülerinnen und Schülern zur praktischen Auseinandersetzung mit der eigenen Wirklichkeit und mit den Künsten selbst anregen. Inspiriert von Ausstellungen in Hamburger Museen, Galerien und Ausstellungshäusern und angeleitet von Bildenden Künstlern aus Hamburg, setzen sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit Kunstwerken auseinander und entwickeln eigene Werke. Diese werden in sogenannten Blitzausstellungen in den Museen der Öffentlichkeit gezeigt.

Die Claussen-Simon-Stiftung unterstützt das Kooperationsprojekt zwischen Hamburger Schulen und Kunstmuseen, das auf eine Initiative der Behörde für Schule und Berufsbildung zurückgeht.

Im Jahr 2020 allerdings ist vieles anders. Aufgrund der Corona-Pandemie sind Ausstellungen vor Ort in den Museen bisher nicht möglich gewesen. Viele beteiligte Jugendliche mussten außerdem ihre ursprünglich gewählten Forschungsfragen aufgeben, da Besuche an dafür relevanten Orten aufgrund der Hygienemaßnahmen nicht möglich waren.

Die Kunstpioniere an der Stadtteilschule Winterhude haben sich mit der Ausstellung „Fisch. Gemüse. Wertpapiere. Fide Struck fotografiert Hamburg 1930-33“ im Altonaer Museum auseinandergesetzt. Lehrerin Marie Kronauer: „Die Ausstellung hat eine Auseinandersetzung mit der außergewöhnlichen Biografie Fide Strucks sowie der Zeit kurz vor dem Nationalsozialismus ausgelöst; ob, und wenn ja, inwiefern er politisch motiviert war und auf welche Art und Weise er den Alltag der Menschen bei ihrer Arbeit fotografisch festgehalten hat. Die Schüler/-innen haben, angeregt durch Fide Strucks Fotografien, eigene künstlerische Projekte entwickelt. Leider konnte ein Teil der Gruppe die ursprünglich geplante ästhetische Forschung aufgrund von COVID-19 nicht weiterverfolgen, da beispielsweise der Fischmarkt geschlossen wurde oder ein Treffen mit Interviewpartnern/-innen nicht mehr möglich war. Mehrere Arbeiten behandeln somit der Zeit entsprechend auch die Situation während der Corona-Pandemie.“

Die Vorbereitungen für die Blitzausstellung im Altonaer Museum waren bereits angelaufen, und alle freuten sich auf die Möglichkeit, ihre Werke im Dialog mit den Fotografien Fide Strucks präsentieren zu können. „Ich war so gespannt zu sehen, was meine Mitschüler/-innen erarbeitet haben, weil alle so viele unterschiedliche und spannende Forscherfragen entwickelt hatten“, so die Schülerin Helen Joseph. Und ihre Mitschülerin Kiana Porr berichtet: „Die Möglichkeit, in einem Museum, das man selber als Kind schon besucht hat, seine Fotografien auszustellen, wäre großartig gewesen. Außerdem hätte ich mich sehr gerne mit fremden Menschen, die die Ausstellung besuchen, über unsere Arbeiten und die von Fide Struck ausgetauscht, da man sonst nur mit Freunden oder Bekannten darüber redet.“

Als klar wurde, dass eine Ausstellung vor Ort nicht möglich sein würde, entstand die Idee einer virtuellen Ausstellung, um die Arbeiten der Jugendlichen zu würdigen und in einem angemessenen Rahmen einer –digitalen – Öffentlichkeit zeigen zu können. Marie Kronauer: „Die Fotografin Kristine Thiemann und ich sind bei unserer Recherche auf die Plattform Kunstmatrix gestoßen. Wir haben nach einem digitalen Format gesucht, das einer analogen Ausstellung möglichst nahekommt. Das haben wir erreicht: Wir konnten die Räume digital kuratieren, und den Besucherinnen und Besuchern wird ermöglicht, sich je nach individuellem Interesse durch die Ausstellung zu bewegen, anzuhalten und Informationen zu den ausgestellten Arbeiten durchzulesen. Herausfordernd war dabei in erster Linie der zeitliche Aufwand für die einzelnen Arbeitsschritte. Diesen konnten wir vorab nicht immer ganz realistisch einschätzen.“ Doch dieser Arbeitsprozess hat auch Spaß gemacht: „Wichtig ist, rechtzeitig alle Werke und die Informationen dazu in hoher technischer Qualität vorliegen zu haben und den Zeitplan großzügig zu strukturieren. Wir konnten viel ausprobieren, und das hat uns viel Spaß gemacht und wirklich weitergebracht.“

Auch wenn das unmittelbare Feedback der Besucher/-innen fehlt, die Aufregung vor der Eröffnung und die Atmosphäre des Museums, ist die digitale Ausstellung doch eine flexible und reichweitenstarke Möglichkeit der Präsentation. Helen Joseph: „Digitale Ausstellungen sind für alle Menschen zugänglich, auch für diejenigen, die vielleicht keine Zeit gehabt hätten, zu der Blitzausstellung zu gehen. Die digitale Ausstellung kann jetzt auch meine Oma besuchen, die nicht in Hamburg wohnt!“ Und auch die Schülerin Kiana Porr sieht Vorteile darin: „Vor allem in Zeiten, wie wir sie gerade erleben, eignet sich eine digitale Ausstellung natürlich gut, damit wir nicht andere Menschen aus unserem Umfeld gefährden. Aber auch in der Zukunft könnte diese Art von Ausstellung häufiger genutzt werden, damit mehr Menschen daran teilnehmen können und die Ausstellungen dadurch eine viel größere Reichweite bekommen. Zusätzlich könnten Museen Materialkosten einsparen. Aber es ist natürlich etwas anderes, Bilder oder Gegenstände in echt zu sehen und sich ganz aus der Nähe anzuschauen.“

Für beide Schülerinnen war die Teilnahme bei den Kunstpionieren auch unter den veränderten Rahmenbedingungen eine bereichernde Erfahrung, die sie nicht missen möchten. „Jeder, der die Möglichkeit hat, in seinem Leben etwas in einem Museum auszustellen und ein Feedback von Fremden dazu zu bekommen, sollte diese Chance nutzen und es genießen. Vor allem wenn man sich für Kunst interessiert und Spaß daran hat, ist das etwas, was man bestimmt nicht mehr vergessen wird“, empfiehlt Kiana Porr.

Die Ausstellung ist bis 31. Dezember 2020 hier digital zu besuchen.

https://www.kunstmatrix.com/en/kunstpioniere

https://www.kunstpioniere.de/
https://www.kunstpioniere.de/virtuelle-ausstellung-der-schuelerwerke-zu-fide-struck/
https://shmh.de/de/fide-struck

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