#waszählt! #Kultur in Zeiten von Corona

Mein hohles Herz singt Lieder der Versammlung: Wie ein Hörspiel im Homeoffice entsteht

Henri Hüster, Regisseur, stART.up-Alumnus

Mein hohles Herz sing Lieder der Versammlung - hier bei Deutschlandfunk hören

Zu Beginn der Corona-Regelungen stand ich mit verschiedenen Künstlern/-innen in Kontakt, und für alle war die Frage drängend, was wir in dieser Zeit machen, in der es keine Auftrittsmöglichkeiten geben wird.

Wer macht wann wieder wo Kunst? Wer alleine ist und schreibt und zeichnet? Wer zusammen ist in einem Raum und spricht und spielt? Wer sich bewegt und andere berührt? Wie schnell vergisst eine Gesellschaft? Diese Fragen wurden untereinander diskutiert und führten zur Ermüdung, denn es gab viel Wichtigeres. Doch die Sehnsucht nach Gemeinschaft und nach einer Ausdrucksmöglichkeit war so groß, dass wir beschlossen haben, gemeinsam ein Hörspiel zu machen. Innerhalb weniger Wochen entstanden neue Texte von Autoren/-innen, zu dieser Zeit geschrieben. Ich habe dann Schauspieler/-innen kontaktiert, die ich meist aus der Theaterarbeit oder von Hörspielproduktionen kannte. Als die ersten Texte fertig waren, verabredeten wir uns in kleineren Gruppen auf Zoom und lasen die Texte zusammen, das lief ab wie Leseproben am Theater. Danach haben die Schauspieler/-innen zuhause die Texte aufgenommen, mit Handys oder Mikrofonen. Manchmal führte ich via Zoom direkt Regie, meistens wurden mir die Aufnahmen geschickt und ich schrieb ein Feedback, daraufhin nahmen sie neue Versionen auf. Die Musik konnte oft direkt auf die Sprachaufnahmen komponiert werden. Auch hier kontaktierte ich verschiedene Komponisten. Parallel habe ich die einzelnen Teile des Hörspiels zusammengeschnitten und neue Texte aufgenommen. Am Ende des Prozesses war ich zwei Tage in einem externen Produktionsstudio und habe gemeinsam mit Kay Poppe eine Collage aus den verschiedenen Aufnahmen zusammengefügt.

Von dieser Zeit zu erzählen, ohne nur von dieser Zeit zu erzählen. Das haben wir uns vorgenommen. Zusammensein, zusammen handeln, das tun auch die, die alleine sind und an die anderen denken. 

Auch eine Kritik bei der Süddeutschen Zeitung gab es:
https://www.sueddeutsche.de/medien/ausnahmezustand-fliegt-doch-1.4887314
 
Ursendung:
Mein hohles Herz singt Lieder der Versammlung. Eine Collage entstanden zur Zeit des körperlichen Abstands
Von: Hannes Becker, Nina Bussmann, Dmitrij Gawrisch, Maren Kames, Julia Kandzora, Judith Keller, Thomas Köck, Joël László, Jan Schomburg, Kevin Rittberger, Gerhild Steinbuch, Lena Vöcklinghaus
Mit: Leonie Benesch, Susanne Bredehöft, Bastian Dulisch, Anna Eger, Till Firit, Lukas Gander, Jens Harzer, Mareike Hein, Ingo Tomi, Katharina Hofmann, Sebastian Hufschmidt, Mateja Meded, Marie Popall, Sylvana Seddig, Gabriel Schneider, Julia Franz Richter, Maria Schrader, Lilith Stangenberg, Mervan Ürkmez, Lena Vogt, Jenny Weichert, Genet Zegay
Komposition: Max Andrzejewski, Florentin Berger-Monit und Johannes Wernicke, Sophia Kennedy, Andreas Spechtl
Ton & Technik: Kay Poppe
Inszenierung von „Eure Paläste sind leer“: Thomas Köck und Andreas Spechl
Regieassistenz: Anne-Sophie Schmidt
Regie: Henri Hüster (www.henrihuester.com)

Artikel kommentieren